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Wilhelm von Boddien
Mac Geiler
schrieb am 10. Oktober 2009 um 12:47
@ Johannes K.
Sie ziehen die Grenzen etwas zu scharf.
Soll ich alles stehen lassen welches eine historische Bedeutung hat?
Genau genommen haben alle Klötze ihre historische Bedeutung, und zwar als Bauten ihrer Zeit, die ja einzigartig ist und nicht mehr wiederkommt.
Soll man deshalb alles erhalten? Wo ist die Grenze?
Natürlich hat der Palast der Republik eine ganz besondere Bedeutung.
Andererseits ist der Kulturhistorische Wert, der sehr wichtig ist und den Sie gar nicht berücksichtigen, gleich null.
Einfach gegossener asbestverseuchter Beton. Und dazu nicht älter als ein paar Jahrzehnte.
Wie können Sie das mit dem Reichtag und anderen vergleichen?
In Husum steht ein Heimatmuseum, etwa 36 unter den Nazis gebaut.
Und das stört mich nicht die Bohne, weil es, im Gegensatz zu den drumherumstehenden Häusern die während der Demokratie gebaut wurden, schön ist. Außen wie innen.
Fassaden dienten in erster Linie dem Erfreuen des auges. Dem Schmücken des Hauses. Bei räpresentativen Bauten gaben sie oft auch einen Vorgeschmack auf den Inhalt oder die Funktion des Gebäudes. Alles in Harmonie mit anderen Fassaden der Nachbargebäude.
Dieser Beton aber erfreut aber meine Augen nicht, sondern verursacht eher Augenkrebs.
Der Asbest verursacht noch zusätzlich Lungenkrebs, für mich also ein doppelter Grund so etwas zu entfernen.
Sie als fast Nürnberger wissen vermutlich das wir im Jahrtausend alten Nürnberg bis 1944 eine komplett erhaltene Mittelalterstadt hatten.
Es gab seit dem Mittelalter (!) ein Baugesetz welches besagte, das alle neuen oder renovierten Fassaden sich dem Stadtbild fügen müssten.
Harmonie und Schönheit bis zum Himmel.
Deshalb war sie schon vor 200 Jahren ein Touristenmagnet für alle Europäer. Amerikaner, Engländer, Franzosen...alle haben sie diese unglaubliche Stadt besucht und darüber geschrieben.
Nach 1944 war von dieser Stadt gar nichts mehr übrig.
Man hätte die Ruinen ja auch stehen lassen können. Historisch bedeutend wären sie ja, als Symbol der Auslöschung einer kompletten Stadt an einem Tag.
Statdessen hat man wenigstens einige Häuser rekonstruiert um wenigstens einige Straßenzüge historisch aussehen zu lassen. Auch das Dürerhaus womit die Stadt so wirbt, ist eine Rekonstruktion mit ein paar original Balken.
Wenns nach mir ginge würde ich Nürnberg bis auf das rekonstruierte komplett einstampfen und den Zustand von 44 wiederherstellen. Dabei ist mir die historische Bedeutung von häßlichen Klötzen egal.
Die soll man im Museum als Miniaturen ausstellen, hauptsache ich muß sie nicht tagtäglich im Vorbeigehen sehen.
Es gibt übrigens mitten im Neumarkt in Dresden einen ähnlichen Klotz, den Kulturpalast.
Er verhindert eine weitgehende Rekonstruktion des Neumarktes weil er mitten im Weg steht.
Und jetzt kommt das beste: auf dem Beton sind kommunistische Malereien und deshalb steht das ganze Ding unter Denkmalschutz. Daran können Sie sich ja für den Rest ihres Lebens erfreuen, denn mindestens so lange wird es stehen.
Ich hingegen werde den Bereich meiden und mich eher vor des Semperoper aufhalten.
Brühlsche Terrasse und so.
Die ist viel schöner.
Grüße