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Isidor schrieb am 5. Juli 2009 um 20:37
Meiner Meinung nach, sehen vor allem die Schlosskritiker die ganze Thematik zu abstrakt und theoretisch. Warum versuchen Sie, alle möglichen Symbole und Deutungen in diese Rekonstruktion zu legen? Sind Sie wirklich der Meinung, dass man mit dem Hohenzollern-Schloss gezielt ein Symbol der Monarchie und des Absolutismus wiedererrichten will? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unsere Politiker diese Ambition verfolgen. Und ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit im In- und Ausland ähnlich konspirativ wie Sie denkt und in dem Wiederaufbau eine sich anbahnende Rückkehr zum Faschismus, Nationalismus oder was auch immer sieht. Vielmehr wird dieses Projekt überall weitesgehend positiv aufgenommen, entweder, weil man ein GUTES Symbol darin sieht, nämlich, dass Deutschland langsam wieder zu seiner eigenen Identität zurückfindet. Oder weil man die Politik ganz aus dem Spiel lässt und es nur vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet. Ich finde alle ideologischen Argumente, die man gegen die Rekonstruktion zu Felde führt, mehr oder weniger absurd. Weltoffenheit ist schön, mindestens genauso wichtig ist doch aber die Offenheit gegenüber der eigenen Kultur und Geschichte. Warum kann denn eigentlich nicht beides möglich sein? Warum kann man nicht weltoffen sein, zumindest für alle nützlichen Dinge, und auch offen für die eigene Kultur? Die meisten anderen Länder schaffen es, diesen schmalen Grat zu gehen, nur wir scheinbar nicht. Denn wer konservativ ist, kann bekanntlich nicht weltoffen sein. Und wer weltoffen ist, muss alles Nationale verurteilen. \"Was ist denn Kultur? Zu kulturellen Leistungen gehört eben auch Weltoffenheit. Und bloß weil man das Schloss nicht nachbaut bedeutet dies nicht, dass man die Kultur nicht schätzt.\" S.Hartmann (1846) Dieses Zitat ist, wie ich finde, ein gutes Beispiel für die besagte Einseitigkeit. Mit \"Weltoffenheit\" wird hier ein moderner Neubau gerechtfertigt, denn das Schloss spiegelt äußerlich die deutsche, oder sagen wir europäische, Kultur wider und ist daher nicht weltoffen. Zeugt es nicht allein schon von Weltoffenheit, dass man den außereuropäischen Kulturen dieses prestigeträchtige Projekt im Herzen des historischen Zentrums der Hauptstadt widmet? Wo sonst hat man eigens für die nichteuropäischen Kulturen ein so prächtiges Podium errichtet? Man könnte den oben stehenden Satz also auch umstellen und sagen: Bloß weil man das Schloss nachbaut, bedeutet dies nicht, dass man die Kultur anderer Länder nicht schätzt. Sind wir also unbelehrbar, nur weil wir versuchen, ein Stück unserer Identität zurückzugewinnen? Sind wir fremdenfeindlich und nicht weltoffen, weil wir unsere eigene Kultur nicht ganz aufgegeben wollen?
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