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Wilhelm von Boddien
nachdenklich
schrieb am 4. Juli 2009 um 19:22
@Lindner, Sie müssen daran denken, welchen Stellenwert genannte Kulturen in jenen Jahrhunderten in der Gesellschaft einnahmen. Bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert hatten exot. Sammlungen in den fürstlichen Schlössern den Charakter von Kuriositätenkabinetten, einen Status, den sie schon mit Beginn des Zeitalters der Entdeckungen einnahmen.
Mit einer anderen Sichtweise:,
gibt es nicht etwas geeigneteres als den Nachbau des Schlosses der Hohenzollern, um auf die Arbeit eines Alexander von Humboldt hinzuweisen?
Welchen Stellenwert hatten denn diese außereuropäischen Kulturen ausgerechnet bei den Erbauern und Herren des Originalschlosses? Das Schloss ist eben mit Bedeutung aufgeladen, die auch bis ins 20. Jahrhundert reicht. Dazu gehören auch Kolonialismus, mit unrühmlichem Verhalten gegenüber Völkern, wie den Herero in Afrika, oder die Mithilfe bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China. Auf dieser Seite sollte man dazu einmal die „Hunnenrede“ Kaiser Wilhelms II. (ein Hohenzoller) lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Boxeraufstand
S.Hartmann hat völlig Recht, wenn er nach dem Zeichen fragt, das man setzt, wenn man hinter den neuen Pseudoschlossfassaden ausgerechnet Sammlungen jener Kontinente präsentiert.
Welches Bild geben w i r denn ab, in einer Welt, welche beginnt mehr denn je zusammenzuwachsen?
Sind wir die Unbelehrbaren?
Wie lautet denn die Aussage, wenn außereuropäische Kulturen, und europäische Kultur ausgerechnet auf diese Weise zusammengebracht werden?
Das diese Kulturgüter der Vergangenheit nichts mit der heutigen Zeit zu tun haben sollen, stimmt eben nur bei oberflächlicher Betrachtung, es ist gerade umgekehrt,
zur Exotensammlung würden die Kunstschätze hinter einem Schlossfassadennachbau erst recht.
Und eine Architektursprache zu adaptieren, die eigentlich Aussagen aus der Vergangenheit mitbringt, ist nicht wirklich selbstbewusst.
Wir müssen einen zeitgemäßen Standpunkt zum Ausdruck bringen, wenn wir beweisen wollen, dass wir etwas dazugelernt haben.
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Natürlich ist nicht gemeint, dass eine „außereuropäische Fassade“ erstellt werden solle, im bildlichen Sinne, sie haben ja schon bemerkt, dass bei so einer Vielfalt so etwas nicht möglich wäre.
So eine bildliche Umsetzung würde man „narrativ“ nennen, und so etwas hier im Forum zu vollziehen wäre naiv.
Warum nicht einen Wettbewerb ausloben, der möglichst viele motiviert teilzunehmen? Die hier aufgezeigten Sichtweisen hatten eben zuvor auch schon viele andere, und diese wollten sich verständlicherweise nicht die Blöße geben den gemachten Auflagen für das Projekt Folge zu leisten.
Wenn es ein ernsthaftes Interesse an Antworten gibt, kann man sich auch an anderen Stellen dazu Informationen holen.
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PS: Selbst ein Gartenzwerg wäre eine angenehmere Aussage!
Schlossfassade und Gartenzwerg charakterisieren in gleicher Weise, mit dem Unterschied, dass der Gartenzwerg ehrlich ist, und wie ein Gartenzwerg aussieht.