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Wilhelm von Boddien
Isidor
schrieb am 10. Juni 2009 um 0:17
@nachdenklich: Sie haben ganz Recht - meine Meinung steht für die Meinung vieler Menschen in unserer Zeit. Und auch Sie repräsentieren offensichtlich einen speziellen Typus, nämlich den der selbsternannten Elite, der glaubt, den Leuten vorschreiben zu können, wie Architektur, Kunst usw. heutzutage zu sein habe.
Ihr Beitrag (1774) ist so unglaublich arrogant und anmaßend, dass ich zunächst glaubte, nicht richtig gelesen zu haben. Sie sind also der Meinung, dass, weil die Mehrheit der Bevölkerung dumm und leicht zu manipulieren ist, sie sich aus öffentlichen Fragen heraushalten sollte, ganz gleich, wie sehr sie davon betroffen ist. Wir normalen Bürger, die wir in der Regel nicht Architektur studiert haben, müssen also alles, was die Architekten in unsere Städte setzen stumm erdulden, denn wir haben ja schließlich keine Ahnung und dürfen uns daher keine Meinung erlauben. Das überlassen wir lieber den Fachleuten. Nach dem Motto: Nur der Künstler weiß, was gute Kunst ist und was nicht. Und nur der Müllmann weiß, wie man eine Tonne richtig leert. Und selbstverständlich kann nur ein Schriftsteller beurteilen, ob ein Buch gut ist oder schlecht. Ich muss Ihnen für Ihren Beitrag danken, denn die Frage, wer Architektur diktiert, haben Sie damit viel besser beantwortet als ich! Ich hoffe, dass diese groteske Ansicht nicht unkommentiert bleibt.
Nun, auch ich glaube nicht daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung in irgendeinem Land dieser Welt besonders klug ist. Aber ich bin doch davon überzeugt, dass die meisten Menschen über einen gesunden Menschenverstand und vor allem ein natürliches Schönheitsempfinden, einen natürlichen Geschmack verfügen, der im krassen Gegensatz zu den abstrakten und abgehobenen Architekturvorstellungen der jeweiligen Hochschulabsolventen steht, die scheinbar nicht mehr den eigenen Verstand benutzen, sondern nur noch ihre Lehrmeinungen anwenden. Alle, die das kritisieren, einfach für zu einfältig zu erklären, als dass sie es verstehen könnten, ist sicherlich der einfachste und ignoranteste Weg, sich aus der Affäre zu ziehen.
Natürlich sind es Architekten, die die Gebäude entwerfen und konstruieren müssen. Aber sie haben die Verpflichtung, dass die Stadt durch ihre Bauten ästhetisch aufgewertet wird und dass die Menschen, die dort leben und arbeiten, sich wohlfühlen können. Eine Stadt ist kein lebloses Modell, mit dem man experimentieren kann. Darum kann man ihre Einwohner nicht einfach für dumm und unmündig erklären und über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Genau das ist die Diktatur, von der ich in meinem Beitrag (1767) sprach.
Ansonsten finde ich keines meiner Argumente in Ihrem Artikel sinnvoll widerlegt, sondern sehe mich nur mit unverschämten Behauptungen konfrontiert. Dass viele schützenswerte Denkmale abgerissen werden, weiß ich nur zu gut. Verantwortlich dafür sind aber die Entscheidungsträger in den Kommunen, die wohl kaum die Bevölkerungsmehrheit repräsentieren.
Auch ist mir klar, dass es den Rekonstruktionsgegnern nicht um das Gleichgewicht zwischen Rekonstruktionen und Neuentwürfen gehen kann. Aber erklärt das wirklich den Fanatismus, mit dem sich diese Leute alle paar Jahre auf jedes Wiederaufbauvorhaben stürzen? Und ist Ihr aussagekräftigstes Argument tatsächlich, dass es schon immer verschwindend wenig Rekonstruktionen gab? Das wäre allerdings typisch für Ihre Gilde: Traditionalismus nur da, wo es einem gerade passt.