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Wilhelm von Boddien

 

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Kreuzberger schrieb am 2. Mai 2009 um 22:53
Die Diskussion über den Historismus hatten wir bereits. Die Renaissance war anfangs purer Historismus. Gut, daß die angesagten Gotikbaumeister diesem Rückfall in die Geschichte nicht gleich den Garaus gemacht haben! Der Klassizismus war dasselbe. Immer wenn sich ein Stil festgefahren hatte, wurde tabula rasa gemacht und wieder bei Null angefangen: Bei den Vorgaben der Antike. Auch heute wird wieder vermehrt an den Klassizismus angeknüpft, wie übrigens auch Muthesius als Architekt eher diesem Stil zugewandt war als der damaligen Moderne. Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Kölner Dom vollendet wurde, war das Ausdruck der damaligen Mittelalterbesessenheit, die die industrialisierungsgeschockten Kulturträger pflegten. Tatsächlich gab es auch bald \"gotische\" Fabrikhallen, \"gotische\" Dampfmaschinen und \"gotische\" Interieurs. Grober Unfug natürlich, aber aus heutiger Sicht nicht ohne Charme. Befürchten Sie nun durch die Rekonstruktion des Schlosses ein Umsichgreifen des Barock? Es wird garantiert keinen Trend zu barocken Autos, Handys oder Bürogebäuden geben. Die Klientel für geschmacklose \"Stilmöbel\" wird sich dadurch nicht vergrößern und der Lauf der Architekturgeschichte wird nicht umgekehrt werden. Unter Historismus verstehe ich das unreflektierte Aufgreifen historischer Versatzstücke für kommerzielle Zwecke. Fragen Sie einmal die marktführenden Hersteller \"barocker\" Bilderrahmen nach den historischen Vorbildern ihrer Erzeugnisse. Diese Leute haben Null Ahnung von Stilgeschichte! Was die Spreeseite des Entwurfs betrifft, bin ich vollkommen Ihrer Meinung, aber noch einmal: Was hat Historismus mit der fundierten und sachgerechten Rekonstruktion dieses Bauwerkes zu tun?
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