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Wilhelm von Boddien

 

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Kreuzberger schrieb am 23. März 2009 um 0:15
Tja, ich dachte eigentlich nicht an die Art von Busladungen, die ihr Berlinwochenende im geraniengeschmückten Nikolaiviertel verbringen, weil sie sich dort ganz wie zuhause fühlen. Nein, mir schweben durchaus gebildete und interessierte Touristen vor, die neben dem modernen Berlin auch das alte preußische Berlin entdecken möchten. Ich weiß, sowas sagt man nicht. Wir sind schließlich nicht in München, wo man ganz schamlos und ungezwungen mit der bayerischen Vergangenheit kokettiert, die Feldherrenhalle inbegriffen. Vielleicht können wir uns auf das preußische Berlin vor 1871 verständigen, um keine Ressentiments aufkommen zu lassen. Eduard Gärtner hat uns wunderschöne Ansichten aus dieser Zeit überliefert, die der eine oder andere (und nicht nur Touristen) eventuell auch mal wiedererkennen möchte. Zum Teil zumindest, denn vieles ist ja irgendwie abhandengekommen. Wenn Sie meinen,die Auseinandersetzung um die Schloßrekonstruktion sei nicht ausreichend kommuniziert worden, bedauern Sie im Grunde nur, daß die Fraktion der \"Ewiggestrigen\" nicht entschieden genug ausgegrenzt wurde. Das unterstelle ich einfach mal, weil ich den Eindruck habe, daß Sie auf dem elitären Standpunkt stehen, die Meinung des Pöbels nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, da dieser wohl nicht über den hinreichenden Sachverstand verfügt,in städtebaulichen Dingen mitreden zu können. Mein Vergleich mit den Zähnen sollte Sie nicht beunruhigen. Ich bin Pazifist. Aber ist Ihnen hier nicht ein kleiner Denkfehler unterlaufen? Wenn es nur um die Funktionalität ginge, könnte man sich im Farbdesign und teils auch in der Formgebung so richtig austoben. Was machen die Dentisten aber? Sie diskutieren feinste Farbnuancen, damit ja niemand den Schwindel merkt. Die Funktion des Schlosses wird sein, Schloß zu sein und nichts anderes. Ein barocker Repräsentationsbau in einer demokratischen Hauptstadt. Ohne Kaiser und Könige und ohne den Anspruch, irgendjemanden ganz klein erscheinen zu lassen. Ob man darin eine ethnologische Ausstellung installiert, oder ein Bordell oder ein Zementwerk, hat damit nichts zu tun.
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