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Wilhelm von Boddien
Eelco Bisschop
schrieb am 22. Januar 2009 um 13:48
Franco Stellas Schlossbauentwurf - Was ist er denn nun ?
Etwas Bundesarbeitsgericht Erfurt ?
Etwas DG-Bank-Zentrale am Pariser Platz ?
Etwas Lochfassade eines x-beliebigen Verwaltungsbaus am Meter ?
Oder nur der glänzende Beweis, dass derjenige halt gewinnt, der die meiste Nutzfläche unterbringt - das alles hinter schnell produzierbaren Fassaden und damit Ende der Rekonstruktionsdiskussion ?
Warum bemüht sich der Bundestag erst um die Formulierung, dass die Moderne in Berlin genügend Orte gefunden habe, um sich auszutoben und dieses folglich am Schloss nicht geschehen solle, um dann 2009 für den Schlossbau einem total rationalistischen Entwurf ohne jegliche Feinheiten im Fassadenaufriss lediglich aufgrund eines Juryurteils den Siegerpreis zu verleihen ?
Wollte man sich da mal wieder so ein bisschen an einem endgültigen „Ja“ zur Geschichte dieses Ortes vorbeimogeln, weil man ja „offen“ für (ja, wirklich) Alles ist ? Alles andere zu viel „Preussenkitsch“ ? Deutschland guckt vorwärts ? Bloß keine reaktionären Kräfte hier … ?
Schade, dass es Rekonstruktionen in Deutschland immer so schwer haben, sich gegen Rechnungshöfe und Geschmackslobby durchzusetzen. Und mehr als schade, dass es hier – wie bei einem Neubau – mal wieder alles so schnell gehen muss: es geht nicht, dass nur ein Teil fertig wird – andere aber erst, wenn das Geld da ist.
Ist das dann wirklich eine historisch verantwortliche Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses ? Da geht es doch schlicht ums Geldverdienen.
Stellas Entwurf sieht genug Raum für das Humboldt-Forum vor. Die Grundrisse sind – soweit erkennbar – großzügig geschnitten. Aber warum ist das alles nur möglich mit einem Entwurf, der viele Elemente, die am Schloss auch prägend waren, einfach zu negieren scheint :
Die feinen Details der alten Fassaden - in den Neubauteilen zur profillosen
Lochfassade minimiert
Die Spreeseite - Spannungslos, nur ein einziges
Formenthema : rechteckig !
Die rekonstruierten Fassaden Eosanderhof - neu hinzugekommen, aber kaum sichtbar,
weil in wenigen Metern Entfernung Neubauten im Hof stehen. Schon dass hier bereits „Nachbesserung“ aus Kosten-gründen empfohlen wird zeigt, wie wenig die echte Rekonstruktion den Auslobern wert ist
Der Erker an der Nordfassade - weg ! - Ersetzt gegen eine fensterlose
Wand, wie es sie Hunderte gibt
Die Unregelmäßigkeit des Baukörpers - reduziert zur simplen Rechteckform
weil das gerade so schön angesagt ist
(oder grüßt da etwa der gerade erst
verschwundene Palast der Republik ?)
In der Beurteilung des Siegerentwurfes fällt auf, dass der vollständige Erhalt der noch vorhandenen Kellergewölbe sehr betont wird. Als einzige vor Ort vorhandene Relikte des alten Schlosses sind diese Bauteile sicher sehr wichtig.
Aber : Sieht man das in der Stadt ? - Ich glaube kaum.
Eine ähnliche Sorgfalt mit der historischen Verantwortung, in der das Humboldt-Forum stehen soll, wäre an anderen Stellen dieses Entwurfs sicher mehr als wünschenswert gewesen.
Die Auswahl, die für den ersten Preis getroffen wurde, wirkt auf mich – bei allem Respekt vor Stellas Grundrissen - wie eine vorbestimmte Geschmäcklerei eines Gremiums, das den Beweis, im Einzelfall auf ihre/seine Präsenz verzichten zu können, nicht antreten will. Die Fassaden wären für ein normales Verwaltungsgebäude wohl kaum der Rede wert: Sie würden gebaut, sie würden ohne großes Gerede über ihren Ausdruck angenommen, sie würden gut funktionieren.
Aber an dieser Stelle – wo man endlich einmal beweisen könnte, dass sich für ‚Anderes’ entscheiden auch bedeuten kann, sich von dem derzeit herrschenden Geschmack und Kostendruck bewusst abzuwenden, um der Historie des Ortes gerecht zu werden (und das nicht nur durch „schöne“ Barockfassaden, die sich bei Empfängen so gut machen), hätte ich wirklich Spannenderes und im Detail auch historisch Verantwortungsvolleres erwartet.
Vielleicht bringen ja die geforderten Nachbesserungen noch etwas mehr Spannung in diese Sache, aber ich fürchte, sie kosten das Humboldtforum eher die Kuppel oder die Fassaden im Eosanderhof.