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Matthias Walther schrieb am 9. Dezember 2008 um 19:51
Hier noch ein kleiner Denkanstoß zur so vehemment kritisierten \"Hülle\" der Schlossfassade, die einen modernen (?) Bau ummanteln wird: Vielleicht ist vielen Kritikern eigentlich gar nicht bewußt, dass auch die alte Originalfassade von Schlüter größtenteils eine Hülle war! Denn das war ja eine der architektonischen Besonderheiten am Schloss, dass es sich überwiegend um keinen Neubau handelte, sondern um einen Umbau. Schlüters Leistung war gerade die geschickte Ummantelung eines älteren Renaissanceschlosses, von dem, hinsichtlich seiner Substanz, so viel wie möglich übernommen werden mußte. Dadurch sind ja die verschiedenen \"Schichten\" aber auch so manche -durchaus reizvolle- \"Brüche\" des Schlosses erklärbar: So ist das fünfachsige Hauptportal am Ostflügel im Schlüterhof aus der Mitte leicht versetzt, da ein älteres Treppenhaus übernommen werden müßte. Interessant ist auch der -bei Stella leider nicht mehr vorgesehene- schmale Runderker im Osten der Schloßplatzfassade.Es handelte sich um einen barock umgebauten Erker der älteren Renaissanceresidenz. Hier noch etwas Anregung bezüglich der umstrittenen Bauteile, wie den Querflügel, der die Schloßhöfe trennt, bzw. zur Kuppel: Im Übrigen war das Schloss auch durch die westlichen Neubautrackte von Eosander von Göthe nicht vollendet worden: Er sah einen sehr opulenten Kuppelturm über seinem Triumphbogenportal vor, der die breitgelagerte Masse des nun vergrößerten Schlosse wirkungsvoll emporgerissen hätte! Die kleinere aber schöne Kuppel von Stüler spiegelt aber den alten Baugedanken nur unzulänglich wieder. Um die Wirkung der Innenhöfe zu steigern, sah Eosander sogar den Abbruch des alten Querflügels vor, der von Schlüter selbst nicht mehr \"ummantelt\" wurde. An dessen Stelle war ein niedrigerer konkav gewölbter und weitgehend in transparenter Arkadenarchitektur aufgelöster Ersatzflügel vorgesehen, der weit mehr verbunden als getrennt hätte! Der Clou war natürlich der damit ermöglichte Blick aus dem Schlüterhof in den Eosanderhof und auf den 105m hoch geplanten Kuppelturm! Warum man jetzt unbedingt den Querflügel in solch stoischer Weise wie durch die sterile Lochfassade von Stella herstellen möchte, bleibt mir ein Rätzel. Platzmangel ist kein Argument, da man vieles auch in die Tiefe verlegen kann.(siehe andere Entwürfe)Man sollte sich nicht nur am Gewesenen, sondern auch mal an den nicht eingelösten Entwürfen für die Vollendung des Schlosses orientieren! Bilder und Berichte hierzu findet man auf dieser Webseite! Mfg aus München.
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