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Wilhelm von Boddien
Matze aus München
schrieb am 5. Dezember 2008 um 20:53
Ich möchte die neue Ausgabe des SPIEGELS diesmal durchaus empfehlen, der Beitrag des Architekturhistorikers Wolfgang Pehnt ist endlich mal ein differenzierterer Beitrag eines "Schlossgegners". Er hat gute Argumente.Dennoch auch hier manchmal zu einseitig. Eines seiner Hauptargumente ist, dass die Fassade mit dem Inhalt der Nutzung nicht übereinstimmt. Richtig! ABER: Dies ist generell ein Problem bei vielen alten Bauten, egal ob sie noch original sind oder Totalrekonstruktionen. (insofern sie keine Kirche sind; siehe Glücksfall Dresden)Ein weiteres Argument: Es ist nicht mehr genug Originalsubstanz vohanden, es fehlt eben der "Sauerteig" als Bindeglied zwischen Altem und Neuem. Richtig! ABER: Ist mir zu Materialfetischistisch. Auch ich finde ein Original oder deren Rest immer viel besser als die totale Kopie, dennoch finde ich auch ein Abbild des Originals meist besser als einen völligen Neubau! Mit der verschwundenen Materie verschwindet zwar das Original, mit einem völlig modernen Neubau verschwindet aber auch das Abbild des alten Originals und damit schwindet langsam auch die Erinnerung daran.Ein weiterer Vorwurf von Pehnt ist die Geschichtsmanipulation. Diese Argument halte ich für übertrieben, denn für jeden ist klar ersichtlich, was im Stella Entwurf von Schlüter und Eosander ist, und was modern ist. Die ganz alten Trackte waren zu komplex und zu vielschichtig aber international auch zu unbedeutend sowie zu schlecht dokumentiert. Es wird also kein Idealzustand hergestellt, sondern Teilrekonstruiert. "Ideal" wäre ein weiterer Schlüterflügel mit Barockportal, sowie der Eosandersche Kuppelturm, der weit aufwändiger und höher als die Stüler Kuppel geplant war.Den Zweifel an authentischer Glaubwürdigkeit bei so mancher Reko teile ich zwar durchaus, vor allem wenn sie zur Regel wird oder willkürlich Anwendung findet. Dies ist Aber beim Berliner Schloss anders! Schlimm sind die Superblocks am Neobarocken Dresdener Neumarkt oder die Kulissenfassade als Reklameburg vor einem Einkaufscenter, wie beim Braunschweiger Schloss! Beim Berliner Bau kommt es eben jetzt auf die Qualitätvolle Aufgabe an, das Äussere mit dem Inneren sinnvoll zu verbinden und teilweise auch Innen zu rekonstruieren! Und noch etwas zur ewig abfällig zitierten "Hülle" von Bauwerken, dessen Inneres dann anders genutzt wird: Auch eine Hülle kann eine Funktion haben! Dieser Sinn ist unserer rein funktionalistischen, materiellen Denkweise von heute abhanden gekommen. Der Sinn des Berliner Schlosses liegt ja schon darin, (wieder)masstabsgebender Bau des gesamten historischen Zentrums zu werden! Und noch etwas zum Zweck des Ganzen Humboltforums, meiner Ansicht ist diese Verwendung des Schlosses ohnehin zweitrangig: Denn jedem modernen Gebäude an gleicher Stelle müßte ebenso erst ein mal eine "Funktion" aufoktruiert werden! Dann schon lieber in Form des Schlosses! Ich weiß, BERLIN IST BERLIN und nicht Dresden. Berlin ist Hauptstadt der kultivierten Anarchie, vielen fehlt einfach der Bezug zum Schloß und die Liebe zu diesem Bau. Das ist bei einem Schloss verständlich- aber wir sollten den allzu moralisierenden Tonfall und die enormen Skrupel überwinden. Ebensowenig sollten wir nichts ängstlich mit dem neuen "Märchenschloss" verdrängen, aber wir sollten die Größe haben uns in diesem Falle diesen Bau zu leisten, nicht Deutschlands wegen("Hauptstadtschloss", "Nationale Aufgabe"......., sowas künstlich Aufgeladenes kann nur Zweifel hevorrufen), sondern Berlin wegen -als Reperatur der alten Mitte! Mfg aus München