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Konstantin Köppelmann schrieb am 23. August 2008 um 16:47
Gerade las ich einen Artikel in der SZ über den ganz offensichtlich staatlich geduldeten Verfall des Eosander-Schlosses Übigau im Dresdener Elbtal. Wenn man sich das so durchliest und nebenbei die endlosen unerquicklichen Diskussionen über den Wiederaufbau des Berliner Schlosses verfolgt, dann kann einen schon die Wut packen. Auf der einen Seite wird bemäkelt, dass ein wiedererrichtetes Schloss angeblich eine künstliche Attrappe sei, auf der anderen Seite sieht man tatenlos zu, wie erhaltene historische Bauwerke aus einer rein kommerzorientierten Denkweise heraus dem Verfall preisgegeben werden, oder wie z.B. im Falle der Lindenoper vor irgendwelchen modernisierungswütigen Kahlschlägern geschützt werden müssen. Den Münchner Altstadtring hat man irgendwann auch „gestoppt“ weil man doch noch erkannte, dass die hübsche moderne Schneise durch die Münchner Altstadt dann vielleicht doch etwas zu übertrieben ausgefallen wäre. Perverses Fazit: extra bereits eingerissene Teile der Bebauung der Maximilianstraße wurden flugs „rekonstruiert“ und wieder aufgebaut. Ein Bravo den modernen Planern und Architekten!Den absolut scheußlichen Kaufhausneubau am Münchner Marienplatz, dem damals aus Kommerzgründen ein historisches Gebäude weichen musste empfindet noch immer niemand als wirklich gelungen, auch wenn man sich daran „gewöhnt hat“ und über den traurigen Rest des ehemaligen „roten Palais“ an einer Kaufhausfassade in Kassel will ich gar nicht erst reden. Der Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche wurde durchaus vehement diskutiert, aber das Resultat spricht für sich und ist keines Falls eine "künstliche Attrappe". Interessanter sind da schon die viel haarigeren Streitereien beim Wiederaufbau der umliegenden Quartiere, die zwar durchaus auch gute moderne Architektur zwischen Häusern mit „vorgeklebter Barockfassade“ aufweisen, aber eben ein ganz anderes Problem offenbaren: Wenn es nur nach dem Willen der Investoren und ihrer im Selbsverwirklichungswahn befindlichen Architekten geht, dann können leider all zu oft auch völlige Entgleisungen entstehen, wie z.B. das hübsche neue Gebäude am Schiffbauerdamm oder die grausige Verstümmelung der durchaus gut erhalten gewesenen Reste des Hotels „Esplanade“ im Sony-Center am Potsdamer Platz. Inzwischen mache ich um diese zur Disney-Atraktion verkommenen Reste, die in zersägtem Zustand von absolut ahnungslosen Touristen beglotzt werden einen großen Bogen, weil mir das Herz blutet, wenn ich daran denke, dass ich einst, als die Innenräume noch zusammenhängend erhalten gewesen sind, im Winter da Kaffe trinken konnte und ein zwar morbides, aber authentisches Stück Vorkriegs-Berlin erleben konnte was dann von Sony einfach platt gemacht wurde.Vielleicht ist es ja ein Glück, dass vom Schloss nichts mehr steht, und man beim geplanten Wiederaufbau wenigstens Versäumnisse wie die beschriebenen nicht automatisch unwidersprochen wiederholen kann – allerdings: „die Hoffnung stirbt zuletzt“. Die erhaltenen Reste der Stuckdecke aus dem Schlütertreppenhaus z.B. (im Moment in Schloss Köpenick) werden so hoffentlich nicht auch zersägt und irgendwo als Attraktion in einem touristischen „In-Laden“ zur Schau gestellt, weil es dem gläsernen Kommerzkasten einen hübschen kleinen historischen Akzent verleiht. Soviel zum Thema „modern und zeitgemäß“
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