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Wilhelm von Boddien
Krüger, Helmut, 50 Jahre.
schrieb am 24. September 2007 um 9:48
Die große Aufgabe besteht doch nicht darin, eine weitere historische Kulissen hinzuzaubern, die Berlin gut zu Gesicht steht. Die Aufgabe ist weitaus höher angesetzt: Was dieser ORT braucht, ist ein Gebäude mit Strahlkraft sowohl im Ästhetischen, als auch, was seine Nutzung anbetrifft, im Geistigen. Dieser Ort ist "Brennglas", Spiegel und zugleich Schatztruhe Berlins. Spiegel ist er insofern, als dass sich Berlin in seinem ganzen geschichtlichen Bogen hier ins Gesicht schauen mag. - Genau das hat der Palast der Republik gerade nicht vermocht. Von 8 Jahrhunderten Baugeschichte, von 3 1/2 Jahrhunderten hier noch sichtbarer Baugeschichte verkörperte er allerhöchstens das allerletzte Zehntel. Damit war der Palast UNVERBUNDEN gegenüber dem zeitlichen Bogen der Geschichte insgesamt wie auch unverbunden gegenüber dem hier vorgefundenen Ort. Genau so, wie er hier stand, hätte er auch in Friedrichshain, am Baumschulenweg oder in Weißensee stehen können und genau deshalb war er HIER FEHL AM PLATZE. Erliegen wir auch heute nicht der Versuchungzu denken, unsere heutige Baukultur sei bedeutender als andere, vorhergehendere, nur deshalb, weil wir gleiche und ähnliche Bauwerke in hoher und höchster Stückzahl zustandebringen. Nicht auf die hohe und höchste Stückzahl kommt es an, nicht auf die Herrschaft der ggf. variierten Kopie, sondern auf die Vergegenwärtigung und die Repräsentation ZEITÜBERGREIFENDER Baukultur. Was gäbe es denn an diesem hervorragenden Ort Passenderes, als ein hervorragendes Gebäude, bei dem der zeitliche, geschichtliche Bogen außerordentlich weit gespannt ist und das i.S. seiner Nutzung ausgreift in das jetzige Jahrhundert und -mit Verlaub- vielleicht sogar ins nächste Jahrhundert ?DIESER ORT braucht genau dieses Gebäude in genau dieser Gestalt wie auch mit dieser Nutzung, weil diese unruhige, in ständiger Veränderung begriffene Stadt neben all ihrer Veränderung IN SICH EIN ZENTRUM BRAUCHT - ein Zentrum, das immer war, immer ist und immer sein wird.