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Wilhelm von Boddien

 

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H. C. S., schrieb am 10. August 2026 um 16:45
STADTFÜHRER 2025....Der Palast der Republik ist ein Stück unserer Geschichte. Aber auch seine Asbestverseuchung und sein Abriss werden bald unsere Geschichte sein. Man wird ihn bald ersetzt haben durch eine zurückgekehrte barocke Schönheit. In einem Stadtführer aus dem Jahr 2025 werden wir lesen können: "Der nach der Asbestsanierung nur noch als Ruine existierende Palast der Republik wurde im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts abgebrochen, weil er den vielfältigen Anforderungen und Aufgaben der kulturellen Repräsentanz und der zwischenmenschlichen Verbindungen und Versöhnungen im Zentrum des neuen Berlin weder ideologisch, noch städtebaulich gewachsen war. Seine künstlerische Qualität war sehr zweifelhaft und er stand in seiner städtebaulichen Nord-Süd-Ausrichtung inkompatibel zur historischen Ost-West-Achse Alexanderplatz-Tiergarten. Und es fehlte an der Akzeptanz der Mehrheiten, weil er keine Berliner Traditionen verinhaltlichte. Dem Argument der Staatsmitte konnte keine Kraft verliehen werden, weil es den Nachkriegs-Interims-Staat nach Stalinscher Prägung, der den Palastbau hervorgebrachte hatte, nicht mehr gab. Man wollte diesem 40 Jahre andauernden Staatsgebilde, in dem noch nicht einmal die Hälfte der Deutschen und Berliner gelebt hatten - und die, die dort Staatsbürger waren, auf Demokratie und Menschenrechte zu verzichten hatten - kein derartiges Denkmal setzen bzw. erhalten - nicht an diesem ursprünglichsten aller Berliner Plätze. Das Gebäude wird heute dokumentiert im Museum "XY" am Schloßplatz 1."Und auf der nächsten Seite lesen wir: "Nach ratlosen Jahren über die Neugestaltung der Berliner Mitte und der Erkenntnis, dass die Demokratie, in ihrer Vielschichtigkeit zerstritten und unnachgiebig für Zugeständnisse, nicht in der Lage war, den Platz der Stadtmitte zeitgemäß republikanisch mit gemeinsamen Inhalten zu füllen und eine dem Ort angemessene Gestalt zu geben - kam es zur Renaissance des diesen Ort 500 Jahre dominierenden und die Geschichte der Stadt beherrschenden Berliner Stadtschlosses. (Im 2. Weltkrieg ausgebrannt und von den stalinistischen Machthabern im damaligen Ostberlin aus ideologischen Gründen gesprengt.) Handwerker aus dem gesamten Land erschufen den barocken Prachtbau neu - nicht, weil ein paar Neoroyalisten mit klingendem Flötenspiel dort einziehen wollten, um des alte Preußen zu beschwören, sondern: weil man sich eingestehen musste, dass nach Schlüter, Knobelsdorff und Schinkel nichts Ästhetischeres und Schöneres erfunden wurde in der Fassadenkunst, das auch Rückhalt und Akzeptanz einer demokratischen Mehrheit gefunden hätte. Klassische Stilelemente, wie antike Säulenformation mit Attika, waren im Pathos und in ihrer Schönheit nicht zu übertreffen gewesen. Und sind es auch heute nicht - sie sind einfach zeitlos. ("Edle Einfalt und stille Größe" - Winckelmann.) Auch wenn es anfänglich eine ganze Reihe von Stimmen gab, die sich gegen eine Neuinszenierung der Schlüterschen Kunst richteten, sind diese heute doch weitgehend verstummt und wir können von einer breiten Akzeptanz der damaligen Entscheidung, das Schloß zu bauen, sprechen. Weil es um das im 2. Weltkrieg weitgehend ausgelöschte historische Zentrum Berlins ging, das es wieder zu beleben galt, hat man sich, trotzt drohender Rezession, nicht für einen billigen nüchtern-vernünftigen Zweckbau entschieden, sondern für 1 Mrd. Euro - hauptsächlich finanziert durch Aktien und weltweite Spenden - die alte Pracht Schlüters zurückkehren lassen. Stellvertretend für alle verlorenen Kostbarkeiten der Berliner Architektur. Der Neuaufbau des Berliner Schlosses kann als eine Reflektion des damaligen Zeitgeistes verstanden werden: der Suche nach wieder erlebbaren Identifikationspunkten der eigenen Geschichte und Herkunft." So könnte es einmal geschrieben stehen. Reale und gelebte Geschichte. Der Abriss des Palastes der Republik und die Erschaffung eines Neuen Berliner Stadtschlosses in alter Kunst und traditionellem Handwerk - ohne dabei Geschichtsfälschung zu betreiben. Geschichtsfälschungen sind nur Theorien - die in ideologisch verwirrten Köpfen herumspuken. Allen Schloß-Fans ein schönes Weihnachten - und dass das neue Jahr etwas "schlossiger" wird.
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