B.Z. Berlin: „Das Berliner Schloss rettete seine Werkstatt“

Die B.Z. Berlin schreibt am 21. Juni 2026:

 

Seltener Job: Steinbildhauer

Das Berliner Schloss rettete seine Werkstatt

 

Von Jule Ahrendt

Weißensee – Ein stolzer, meterhoher Römer reckt seinen Arm. Daneben stehen Pferde, Götter und Friedrich der Große. Die Werkstatt in Weißensee wirkt wie ein Museum, das aus allen Nähten platzt. Zwischen den Hunderten Skulpturen arbeitet einer der letzten Steinbildhauer Berlins.

Steinbildhauer Andreas Hoferick (66) gehört zu einer aussterbenden Zunft. In Berlin gibt es nur noch eine Handvoll davon, Aufträge sind rar. Anfang der 2000er-Jahre kam für Hoferick die Wende:

Er erhielt den Auftrag, am Wiederaufbau des Berliner Schlosses mitzuwirken. „Schon vor dem Berliner Schloss gab es bedenklich wenig Bildhauer“, sagt Hoferick.

 

Andreas Hoferick (66) ist einer der letzten Steinbildhauer Berlins - Foto: Olaf Selchow
Andreas Hoferick (66) ist einer der letzten Steinbildhauer Berlins – Foto: Olaf Selchow

 

Er rekonstruiert Werke vergangener Jahrhunderte

Mehr als 20 Jahre arbeitete er dann an Figuren, Reliefs und Ornamenten für das Prestigeprojekt. Der Schloss-Auftrag sicherte nicht nur seine Werkstatt, sondern bewahrte auch ein Handwerk vor dem Verschwinden.

Hoferick rekonstruiert verlorene Werke vergangener Jahrhunderte. Oft beginnt seine Arbeit mit einem alten Foto, einer historischen Zeichnung oder einem Steinfragment. Daraus entstehen zunächst kleine Tonmodelle, später meterhohe Figuren aus Sandstein.

Besonders reizt ihn die Herausforderung, längst verschwundene Kunstwerke wieder sichtbar zu machen. „Wenn ich so ein altes Foto sehe und darüber nachdenke, dass es das nicht mehr gibt, das bewegt mich.“

 

„Ich werde noch 20 Jahre weitermachen.“

Sein Weg war ungewöhnlich. Geboren im Harz, lernte Hoferick zunächst Bergbau, bevor er über eine Steinmetzlehre zur Bildhauerei fand. 1983 zog er nach Berlin und arbeitete elf Jahre lang in der Steinbildhauerwerkstatt Klimes. Hoferick: „Ich habe schon immer modelliert.“

Was folgte, waren Jahrzehnte auf Berliner Baustellen und an historischen Gebäuden. Er arbeitete an der Rekonstruktion des Deutschen Doms, des Französischen Doms und später des Berliner Schlosses. Doch das Projekt, das sein Handwerk über Jahrzehnte am Leben hielt, ist inzwischen abgeschlossen.

 

Große Rekonstruktionsaufträge sind selten geworden. „Eigentlich stirbt es ja aus“, sagt Hoferick. Doch aufhören? Hoferick: „Ich werde noch 20 Jahre weiter bildhauern!“

 

 

 

 

>> Textquelle: B.Z. Berlin vom 21.06.2026; Fotos: Olaf Selchow (B.Z., gr. Foto) und Förderverein Berliner Schloss e.V.

 

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