Wandelndes Schloß

Wie wäre es mit einer Reise unseres Wandelnden Schlosses in den hohen Norden, nach Schloß Gottorf mit seinem Kunstgewerbemuseum und seiner barocken Schloßparkanlage, die auch im Winter sehr schön ist. Wir könnten dann dem nahen gotischen Dom in Schleswig, mit seiner reichen Ausstattung, einen Besuch abstatten und die Ausgrabungen der Altvorderen in Haithabu bestaunen. „Schleswig-Holstein, meerumschlungen, deutscher Sitte hohe Wacht, wahre treu, was schwer errungen, bis ein schöner Morgen tagt“. Ein schönes Land im Norden, das ein milder Süd belebt. Zahlreichen Landschlössern und Gutshöfen würden wir begegnen, vor allem in der Rantzau, aber auch bei der Plöner Seenplatte und in der Holsteiner Schweiz. Aber auch die ehemalige Stadtrepublik Lübeck mit ihren stolzen Bürgerpalästen, wird unser Wandelndes Schloß nicht links liegen lassen. Das Holstentor ist wohl eines der schönsten Stadttore der Welt.

19 Kommentare zu “Wandelndes Schloß

  1. Oh ja, das schöne Holstentor, erinnern Sie sich noch, wie es auf dem 50,- Markschein geprangt hat? Schleswig und Holstein sind zwei Schmuckstücke mit vielen verborgenen Prezisosen, so taucht man im Ratzeburger Dom auf der Insel in eine längst vergessen geglaubte Welt; man glaubt, gleich Heinrich den Löwen um die Ecke kommen zu sehen. In seiner Nachbarschaft befindet sich das Museum für den visionären Zeichner A. Weber; die vielen Seen laden zum Träumen ein.
    Die Eulenspieglstadt Mölln liegt gleich um die Ecke, auch sie eine Preziose in Backstein.
    Etwas weiter südlich gelangen wir nach Lauenburg an der Elbe, eine Fachwerkstadt, die wie im Märchen zu schlafen scheint und auf ihren Prinzen wartet. Am Elbe-Lübeck- Kanal kann man die älteste Schleuse Europas bewundern, von dort aus geht es weiter östlich auf der B 5 nach Redefin, wo eines der berühmtesten Deutschen Pferdegestüte den Besucher mit ihrer herrlichen klassizistischen Architektur in den Bann schlägt.
    Das nächste Quartier sollte man in Ludwigslust aufschlagen, denn dort will die barocke Planstadt in Ruhe besichtigt werden:
    das Schloß mit seinen Säulen aus Pappmache und die einzigartige klassizistische Kirche, mit ihrer dramatischen Innenarchitektur, sowie der herrliche Schloßpark, der in einen weiten Landschaftsgarten ausläuft.

  2. Nun sind wir also in Mecklenburg. Das Schloß und die Kirche in Ludwigslust haben mich vor einigen Jahren sehr beeindruckt. Ludwigslust ist eine kleine barocke Welt. Ja, hier wird sich unser wandelndes Schloß sicher sehr wohl fühlen. Doch nördlich von Ludwigslust liegt die alte Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg: Schwerin! Eine Perle barock-klassizistischen Bauens mit zahlreichen Palais und Bürgerhäusern, dem prachtvollen gotischen Dom, den Tudorgotikbauten sowie dem märchenhaften Neo-Renaissance-Schloß mit seiner weitläufigen Parkanlage. Eingebettet in eine phantastische Seenlandschaft. Mecklenburg ist ein schönes Land, es bietet große Weiten, es bietet grandiose Backsteingotik-Kirchen, wie z.B. das Münster von Doberan, die prächtigen Kirchen in Rostock oder Wismar und es bietet die wunderschöne Ostsee, die auch Baltisches Meer genannt wird. Das Seebad Heiligendamm mit seinen klassizistischen Bäderbauten lädt zum Verweilen an dem großen Meer ein, die Fahrt mit der dampfbetriebenen Kleinbahn „Molli“ von Bad Doberan nach Kühlungsborn, ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Ach, Deutschland ist schon schön.

    Ich erinnere mich noch sehr gut an die Fünfzig-Mark-Schein mit dem Holstentor darauf, auf dem Fünfhunderter war glaube ich der Dom zu Limburg abgebildet und auf dem Tausender die Burg Eltz.

  3. Kleiner Exkurs:

    Habe soeben eine frisch eingetroffene DVD "Deutschland, wie es einmal war " angeschaut, Aufnahmen aus dem alten Lübeck, Danzig, Zopot, dem bayrischen Wald und ein Kapitel für Berlin. Auch das Stadtschloß gibt es dort zu sehen und einen kurzen Blick in einige Innenräume.
    Mannometer, was war Berlin für eine schöne und vitale Stadt…
    Muß erstmal Atem holen.

  4. Was könnte man nicht alles wiederaufbauen, wenn nicht immer die ewigen Dagegen-Stimmen wären. Es ist schade, daß Wiederaufbaumaßnahmen in Deutschland immer an solchen Menschen scheitern. Die Polen haben es da besser, obwohl sie weniger Geld haben.

  5. Ich kann ihre Begeisterung für die Geschichte und hübsche Bilder aus alten Zeiten ut nachvollziehen, doch sollte man sich die reale Situation zu dieser Zeit dazu denken.

    Schauen sie sich aber Berlin einmal heute an: es ist ebenso vital, in Berlin leben und arbeiten unglaublich viele nationale, sowie internationale Künstler. An allen Ecken und Enden findet man gute Ideen. Heutzutage ist es die Mischung aus alt und neu, ost und west und nachwende die Berlin so einzigartig macht. Wahrscheinlich noch einzigartiger als vor 80Jahren. Überall bewegt und baut sich was. Man kann die Stimmung schon fast mit Döblins "Alexanderplatz" vergleichen(samt Armut und Ungewissheit).

    Ach ja: dieses Wochenende gab es einen sehr interessanten Artikel in der Berliner Zeitung(im Magazinteil) der mir aus der Seele gesprochen hat. Da gab es Argumente wie: die Schlossbeführworter(oder alten Palastbeführworter) sind durch die Teilung geprägt und kennen vielleicht noch Schloss oder Palast in Funktion. Doch die Mittzwanziger(wozu ich gehöre) kennen beides nur als Ruine oder gar nicht. Sie wollen das "Schloss" wieder aufbauen, werden aber kaum Zeit haben sich daran zu erfreuen. Ich hingegen muss mit diesem schrecklichen Kompromiss lange leben und ich glaube das dieses Projekt Berlin international wenig nützt. Damit gibt man kein Vorbild wie man vorbildlich mit seinem Bestand und seiner Geschichte umgeht. Man muss nicht alle Wunden der Stadt heilen, es muss auch Brüche geben damit Berlin seinen Charakter nicht verliert.

    Aber lesen sie sich den artikel mal durch.

    P.S. die UNESCO hat die Museumsinsel trotz Palast zum Weltkulturerbe gemacht. Vielleicht weil das "chloss" icht zwingend ist, weil man zukunftsweisendere Konzepte finden kann.

    Und noch was an die Mitarbeiter des Infoladens und des Vereins, die immer wieder argumentieren das ja nicht das Schloss wieder aufgebaut werden soll(was ja klar ist). Aber warum nennt sich ihr Verein dann "Förderverein Berliner Schloss"?

  6. Lieber Herr S. Hartmann,

    Sie schreiben in Ihrem Beitrag, daß man nicht alle Wunden einer Stadt heilen muß, es muß auch Brüche geben.

    Doch hat Berlin nicht schon genug Wunden und Brüche in seinem Stadtbild zu verkraften? Berlin ist leider im wesentlichen bloß Mittelmaß. Berlin hat grauenhaft entstellte Winkel und Ecken in seinem Stadtbild, so daß es häufig keine Freude ist, abseits der Touristenwege die Stadt zu erkunden. Ich kenne die Stadt wirklich sehr gut und weiß wovon ich spreche. Denken Sie an die Leipziger Straße, die Heinrich-Heine-Straße, das Viertel um die Michaelskirche. Wird Ihnen nicht heiß und kalt, wenn sie dort Fünfzigerjahre-Siedlungshäuser und Brachlandschaft mit Teppichklopferstangen sehen, wo 60 Jahre zuvor noch pralles Leben vor prachtvoller Kulisse stattfand? Fünfzigerjahre-Siedlungshäuser die auch z. B. in Salzgitter, Bochum, Eisenhüttenstadt oder Bielefeld zu finden sind. Die Heinrich-Heine-Straße gehört zu Berlin-MITTE (!!!) sie ist nicht janz weit draußen! Oder denken Sie an die grauen Plattenbau-Kästen in der Wilhelmstraße, handelt es sich dabei um Bauwerke die Berlin international etwas nützen? Wo ist eigentlich heute der Wilhelmplatz? Wissen Sie wie prachtvoll dieser Platz einst war? Heute klafft hier eine Wüste! Berlin-Mitte hatte zahlreiche barocke Kirchen, meist Zentralbauten mit vorzüglicher Innenausstattung: z. B. die Dreifaltigkeitskirche, die Böhmische Kirche, die Luisenstädtische Kirche oder die Dorothenstädtische Kirche. Sie sind alle verschwunden. Sie prägten früher das Stadtbild mit! Schloß Monbijou in Mitte ist pulverisiert, die neugotische Petrikirche ist futsch, das Schloß ist gesprengt worden, das gesamte Viertel um die Marienkirche ist platt, die Berliner Garnisonkirche ist dem Erdboden gleichgemacht, die Elisabethkirche ist durch eine Phosphorbombe ruiniert worden, die Parochialkirche dümpelt in einem Rest-Alt-Berlin vor sich hin, das Alsenviertel ist durch die irren Pläne, Berlin in „Germania“ umzuwandeln, eingestampft worden, die Kroll-Oper hat man in den Fünfzigerjahren gesprengt, die Fischerinsel ist eine Betonwüste, usw. etc……………………….

    Verehrter Herr S. Hartmann, bitte sagen Sie mir was Sie mit NICHT ALLEN WUNDEN meinten und warum es für Sie so schlimm ist, wenn man mit dem Wiederaufbau des Schlosses versucht, wenigstens ein Bruchteilchen von dem wiederherzustellen, was Berlin einst ausmachte. Heute ist Berlin-Mitte eine postmoderne Glasbüropalast-Stadt mit Plattenbauwüsten und Fünfzigerjahresiedlungen, vereinzelt mit historischen Resten gemischt.

    Und überdenken Sie jetzt noch einmal Ihre Aussage: „Damit gibt man kein Vorbild wie man vorbildlich mit seinem Bestand und seiner Geschichte umgeht. Man muss nicht alle Wunden der Stadt heilen, es muss auch Brüche geben damit Berlin seinen Charakter nicht verliert.“

    Ganz Berlin-Mitte ist eine Wunde, Herr S. Hartmann! Natürlich gibt es auch erfreuliche Beispiele in der Spandauer-Vorstadt, die ich immer gerne besuche.

  7. Ich fange mal bei ihrer letzten Aussage an: “Ganz Berlin ist eine Wunde“ – RICHTIG, und das ist das Charakteristikum Berlins. Obwohl, oder gerade weil Berlin so gemischt und nicht überall glatt geleckt ist, hat es eine immer größere Anziehungskraft auf Besucher aus dem In- und Ausland(vor Rom mit seinen historischen Bauten in Masse und in höherer Qualität als sie Berlin je besaß).
    Ganz ehrlich; ich glaube sie halten sich zu häufig in Touristenvierteln auf und begreifen nicht die Qualität der Brachen etc..
    Und warum sich immer schlechter als andere Städte reden? Erkennen Sie Berlins Stärken. Ich glaube das gerade die letzten 60Jahre Berlin erst einzigartig gemacht haben, vorher hätte man es noch mit Paris vergleichen können(nur das die Pariser Häuser deutlich leichter wirken als der Berliner Historismus, der doch sehr überladen und drückend ist).

    Ich habe übrigens nie behauptet, dass die Sprengungen und Abrisse gut waren, dies war auf jeden Fall ein großer Verlust, doch wollen sie diesen Fehler schon wieder machen. Die von ihnen genannten Kirchen und Plätze waren wichtig, das Schloss war wichtig und genauso war, bzw. ist der PdR wichtig für die Stadt. Ich kann einfach nicht nachvollziehen wie man ein Gebäude, welches nicht mehr existiert, höher bewertet wird, als eines welches auch eine hohe Qualität und politische Wichtigkeit hat, aber noch existiert.

    Sind Sie zufrieden mit dem „Teil- Schlossfassaden- Teil- Hoffassaden- Teilraumnachahmungs- Kompromiss“? Für mich ist das total verwaschen.
    Schauen sie sich doch mal das Logo dieses Vereins an: es suggeriert, dass die Schlosskuppel mitgebaut wird. Davon ist aber in keinem der Pläne der Regierung die Rede.-> Augenwischerei

  8. Lieber Herr S. Hartmann,

    Sie finden also daß eine „Ruinenstadt“ bzw. eine Stadt mit mehr Wunden als intakter Bausubstanz schöner ist? Soll Berlins Charakter, für die kommenden europäischen Generationen die vor uns liegen, ein Charakter der Wunden sein? Was gefällt Ihnen an den Brachlandschaften? Gehen Sie einmal konkret auf die Brachlandschaften ein. Und zur Anziehungskraft: noch kommen die Touristen, weil sie die zusammengewachsene Stadt sehen wollen, doch glauben Sie die kommen auch noch in 10 – 20 Jahren in den Maßen wie bisher? Der Mauertouristmus steht noch heute auf Platz „1“ bei den Touris, wovon soll er mal abgelöst werden? Von den Fünfzigerjahre-Tippichklopferstangen in der Heinrich-Heine-Straße oder vom PdR?

    Wenn Berlin einen Teil seiner historischen Bausubstanz wiederbekäme, wie z. B. das Schloß, könnte ich auch mit diversen anderen Wunden leben, wenn sie denn unbedingt sein müssen. Doch einen gewissen historischen Charakter hat jede europäische Hauptstadt, so soll auch Berlin ihn haben.

    Zum Schloßwiederaufbau: ja auch er ist ein Kompromiss! Leider ist dies in Deutschland nötig. In Warschau war man weiser! Doch bin ich mir sicher, daß wenn der Wiederaufbau erst begonnen hat, auch die Kuppel wiederhergestellt wird. Es gibt ja sogar eine Option auf die historischen Räume. Ohne die Kuppel wäre das Schloß allerdings schwer vorstellbar, da gebe ich Ihnen Recht, Herr S. Hartmann.

  9. Mein lieber Herr Hartmann,
    gibt es irgendwo einen Knopf , wo man draufdrücken muß, damit immer wieder dasselbe herauskommt "Brüche", "Vitalität der Gegensätze" usw. etc. dergl………

    Berlin ist eine weitestgehend kaputte Stadt, die überwiegend aus Häßlichkeit besteht, aus so vielen wunden Brüchen, daß die Liebhaber derselben jahrelang auf ihre Kosten kommen, ohne daß es langweilig wird.
    Warum haken sich immer wieder Leute ausgerechnet am Stadtschloß fest, dem wichtigsten Gebäude von Berlin überhaupt und dem Gravitationszentrum der Mitte?
    Ist das ein psychologisches Problem, ich kann es einfach nicht verstehen?
    Man stelle sich doch bloß, man stünde in Bamberg auf dem Domplatz und anstelle der Dientzenhoferchen Residenz stünde dort ein Schukarton aus Glas oder das Augsburger Rathaus wäre nicht nach dem Original von Elias Holl , sondern von Rienzo Piano oder einem Architekten Xaver Grantlhuber neu errichtet worden, längs mal quer, von oben bis unten mit Klokachelfassaden versehen.

    Oder anderer Vorschlag, wenn Sie so bruchsüchtig sind, dann laufen Sie doch mit Designerjacket, ausgewetzter Jeans und Turnschuhen durch die Gegend, das kommt immer gut, aber laßt doch bitt’schön mal das Schloß in Ruhe.

  10. Ich glaube nicht das Berlin heute noch eine „Ruinenstadt“ ist. Und das mit den Brachlandschaften habe ich vielleicht etwas übertrieben dargestellt oder sie falsch verstanden. Viele dieser Flächen sind gar nicht mehr da und ich will sie auch nicht konservieren, sie sind aber ein großes Potenzial. Da mein Fachgebiet die Landschaftsarchitektur ist, kenne ich viele Innerstädtische Brachen die gärtnerisch oder künstlerisch aufgewertet wurden und so jedem Berliner erst einmal zugänglich gemacht wurden(siehe Aktion „Wo ist der Garten“, etc.). Dies sind oft nur temporäre Nutzungen, aber immerhin und solange sich kein Investor findet der sein neues Luxusappartement- Haus draufsetzt, eine belebende Komponente für die Stadt.
    Zum Thema „Mauertourismus“: den hätte man sich für längere Zeit sichern können, hätte man nicht alles was zur Erinnerung notwendig wäre bis auf winzige Reste entfernt. Und nun zum Palast, der genau da eine wichtige Rolle hätte spielen können: er hätte zu einem Museum der Trennung und Einheit werden können. Übrigens ist auch er Teil der historischen(wenn auch jüngeren) Bausubstanz.

    Mein lieber Herr „Schlüter“,
    gibt es irgendwo einen Knopf , wo man draufdrücken muss, damit NICHT immer wieder dasselbe herauskommt "Hässlichkeit".
    Es gibt viele Dreckecken in Berlin, zugegeben. Doch alles in allem ist Berlin unglaublich spannend und schön, man muss es nur entdecken, dass heißt sich selbst einbringen und nicht nur berieseln lassen.
    Warum liebt man eine Frau die nicht gerade die Maße 90-60-90 besitzt? und eine mit Modelmaßen nicht? Wegen dem Charakter, dem Humor etc., nicht dem Aussehen!
    -> dies nur zu Berlin allgemein.
    „Warum haken sich immer wieder Leute ausgerechnet am Stadtschloss fest, dem wichtigsten Gebäude von Berlin überhaupt und dem Gravitationszentrum der Mitte?“ – diese Frage haben sie sich eigentlich selbst beantwortet, gerade weil es ein so wichtiger und bekannter Ort ist und jeder das Gefühl hat mitreden zu müssen(z.B.: Sie und ich).
    Neue Architektur zu diskutieren würde hier den Rahmen sprengen, aber ich kann ihnen sagen, dass ich ihr gegenüber sehr kritisch bin und vieles was sie erwähnten auch nicht gut finde(lässt sich aber nicht pauschalisieren).

  11. Das wäre ja alles gut und schön, aber die modernen Gegenentwürfe hatten doch ca. zehn Jahre Zeit, sich gegenüber dem staunenden Publikum durchzusetzen.
    Also, was soll es?
    Zuerst war das Schloß, dann entstanden darauf bezogen Zeughaus, Kommandantur, Neues Museum, Dom usw.
    Wenn ich also ein stimmiges Ensemble habe, das sich wechselseitig seit hunderten von Jahren auf einander bezieht und ein Teil fehlt aufgrund eines barbarischen Eingriffes, weshalb soll ich das funktionierende Hauptteil gegen ein Schlechteres eintauschen?
    Die Probe aufs Exempel hat uns doch der PDR geliefert, sollen wir weitere Jahrzehnte unter dem nächsten Mißgriff leiden?

  12. Die Gegen entwürfe hatten eben nie eine ernsthafte Chance bekommen, da man schon von früh an signalisierte: Wir wollen das Schloss. Man hat für keinen modernen Entwurf eine Simulation 1:1 gebaut. Die alten Entscheidungsträger waren zu vorbelastet durch die Teilung. Heute würde die Entscheidung sicherlich anders ausfallen.
    Meine große Befürchtung ist, dass sich Berlin mit diesem Neubau international blamieren wird.("Wie gehen die mit ihrer Geschichte um? Machen den gleichen Fehler zwei mal am selben Ort" u. ä.) Und diese rangepappte und dadurch ins lächerliche gezogene Fassade; man sieht doch an der Bertelsmann-Kommandatur wie das aussehen kann wenn "alte" Fassaden mit neuen Fassaden aufeinandertrefen und die Innenräume nicht die gleiche Sprache sprechen. Es wirk immer wieder verstörend wenn man dor vorbeigeht und in die Fenster schaut und dort ganz normale Büro- und Tagungsräume sieht; ohne Stuck und entsprechende Türen etc.. Und genau das ist es was bei der Schlossattrappe auch zu min.80% der Fall sein wird. Ein undefinierbarer Brei.

  13. "Und diese rangepappte und dadurch ins lächerliche gezogene Fassade;.."

    Ich muss Ihnen entschieden widersprechen. Wenn Sie sich mit dem Thema Wiederaufbau intensiver befasst hätten, müßte Ihnen eigentlich klar sein, dass die Fassaden eben nicht aus Zementguss erstellt und anschließend einfach vor das Mauerwerk gehängt werden. Das spannende ist doch gerade, dass die Fassaden aus Sandstein in alter Handwerkskunst hergestellt und in das Schlossmauerwerk integriert sind, ja sogar statische Funktion haben werden.

    Ebenso wie bei der Frauenkirche. Ich habe sie zwar noch nicht live sehen können, aber alleine das, was man im Fernsehen sieht, ist sehr beeindruckend, und wirkt auf mich weder breiig noch kitschig, sondern eher authentisch.

    Wichtig ist doch zunächst die äußere, historische Gestalt, um den Linden ihren würdigen, historischen Schluss zu geben.
    Was spricht weiterhin dagegen, dass die Räume für museale Zwecke modern errichtet werden? Im Innern werden die Räume und deren Fluchten zentimetergenau erstellt, so dass optional die Möglichkeit besteht, jeden Raum, sofern gewünscht, historisch wiederaufzubauen. Was jedoch nicht für alle Räume notwenig ist, da von den 600 Zimmern wohl nur ca. 60 historisch wertvoll sind. Die übrigen 540 Zimmer waren doch auch damals nur Wohnungen für die Lakaien und Bürostuben!

    Und schliesslich: Hätte es den Abriss nie gegeben, und das Schloss hätte stehenbleiben können, hätte man doch bei dann anfallenden Renovierungsarbeiten in den unwichtigen Bürostuben und Bedienstetenwohnungen sicherlich auch im jeweiligen Zeitgeist renoviert.

  14. >Es wirk immer wieder verstörend wenn man dor vorbeigeht und in die Fenster schaut und dort ganz normale Büro- und Tagungsräume sieht; ohne Stuck und entsprechende Türen etc<

    Man könnte nach Ihrem Beitrag fast den Eindruck bekommen, daß sich in allen historisch aussehenden, aber natürlich nach dem Krieg wiederaufgebauten Gebäuden der Lindenallee noch prachtvoller Stuck im Inneren befände.
    Mich würde wirklich interessieren welche historischen Berliner Bauwerke im Inneren noch prachtvolle Stukkaturen besitzen. Es sind sicher sehr wenige, die sich an einer Hand abzählen lassen.

    Es ist doch eigenartig, daß vor dem Reichstag immer eine lange Menschenschlange wartet, nur um das moderne Innere hinter den historischen Fassaden zu besichtigen…

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