Vis-a-vis vom Schloß

Heute stand in der Zeitung, daß die Nofretete von Charlottenburg in ihr Interimsheim ins Alte Museum verbracht wurde, wenn der Zeitplan eingehalten wird, findet sie im Jahre 2009 wieder im "Neuen Museum" auf der Museumsinsel ihr Zuhause.
Aber wie wird das aussehen?
Das Gebäude wird von der Westseite aus von Chipperfields Neubau entstellt und kaum zu sehen sein, das Museum selbst soll nur teilweise wiederhergestellt werden, weil die Modernisten mal wieder "Geschichte konservieren" möchten.
Seelige Polen, die ihren Altmarkt in Warschau ohne Schnickschnack wieder aufbauen durften, glückliche Belgier, die ihre Tuchhallen in Ypern ohne bizarre Glas-/Betonnarben wieder ihr eigen nennen.
Nur in Deutschland gehts wohl nicht ohne selbstgesetzten Pfahl im Fleisch.

43 Kommentare zu “Vis-a-vis vom Schloß

  1. Es ist wirklich sehr traurig, dass das Neue Museum derart entstellt wird. Man sollte der Museumesinsel deshalb den Weltkulturerbe-Status entziehen!

    In Köln droht dem Dom durch die UNESCO die Aberkennung der Weltkulturerbe-Würde, da man auf der gegenüberliegenden(!) Rhein-Seite, also weit weg der Domkirche in Deutz, drei Hochhäuser erbauen möchte. Der Dom jedoch wird hervorragend gepflegt und es gibt kaum eine derart gut erhaltene gotische Domkirche in Europa. Mir ist diese Aktion in Köln absolut unverständlich. In Berlin baut man mit Beton direkt an einem Gebäude des Weltkulturerbes, hier gibt es keinen Aufschrei der UNESCO. Vielleicht sollte man bei der UNESCO dagegen Einspruch erheben, dann wird der Senat Berlins sicherlich schnell handeln, wenn es darum geht sich ein Weltkulturerbe (Touristenmagnet) zu erhalten.

    Gibt es eigentlich noch immer diese lächerliche schmale Brückenhälfte am Bode-Museum (eigentl. Kaiser-Friedrich-Museum), oder hat man hier die alte Brücke rekonstruiert? Wahrscheinlich nicht.

  2. Das habe ich auch nicht verstanden, der Fernblick auf den Kölner Dom wird von der anderen Rheinseite aus eingeschränkt und die UNESCO stellt sich auf den Kopf, während die Museumsinsel gravierend verunstaltet wird und die Organisation bleibt stumm.
    Aber auch die Berliner schweigen sich aus; da gefällt mir die Dresdner Bevölkerung besser, die nimmt Anteil an jedem Stein, der dort umgedreht wird, man schaue nur auf die GHND.

  3. Ach Berlin ist schon so eine Sache für sich. Und wir Deutschen haben es mit Berlin als Hauptstadt stellenweise auch nicht gerade leicht. Wenn man dann noch Berlin so gerne hat, wie ich es habe, obwohl (oder gerade weil) ich aus dem Rheinland bin, kann man manchmal an dieser Stadt verzweifeln und sich im nächsten Moment wieder an ihr erfreuen.

    Gehen wir einmal vis-a-via in die andere Richtung vom Schloß: zum Ribbeck-Haus. Welcher Berlin-Tourist kennt schon dieses älteste erhaltene Gebäude aus der Renaissance-Zeit. In welch erbärmlichen Zustand befindet es sich. Oder auch das Viertel um die Parochialkirche. Wer kennt es schon? Dabei wäre es, entsprechen restauriert und aufgemöbelt, eine Perle. Nein, die Kirche, von Innen halb Ruine, und Außen, ja, den Turm werden wir wohl nicht wiederherstellen. Dabei galt er als schönster Barockturm Berlins! Lethargie!?

    Die Tourismus-Marketing-Zentrale beweihräuchert stattdessen nach wie vor den Verlauf der Mauer, den Checkpoint Charlie, die Topographie des Terrors und ettliche weitere Gedenkstätten. Dann noch ein bisschen Brandenburger Tor, Reichstag, Unter den Linden und Shopping am Ku´damm, Potsdamer Platz bzw. in der (Glas-Beton-)Friedrichstraße, das ist Touri-Berlin. Ein bisschen wenig…. Oder?

    Der Berliner an sich ist wohl sehr müsig, hasst er seine Stadt oder lebt er nur im Kiez? Wie Andreas Schlüter ja schrieb, in Dresden wird jeder Stein von den Bürgern genaustens bewacht. Was ist los in Berlin?

  4. Das frage ich mich allerdings auch, es ist auch eine Affenschande, wie die großartige Möglichkeit den Pariser Platz historisch zu wieder aufzubauen, verschenkt wurde; mit Ausnahme des Adlon hat dort jeder sein selbstsüchtiges Architektursüppchen gekocht und das herrliche Vorkriegsensemble ist auf Jahrzehnte dahin.
    Weshalb gab es denn in historischen Städten Vorschriften bezüglich Stockwerkshöhe, Trauf- oder Giebelbebauung, das zu verwendende Baumaterial?
    Der Fürst oder die Ratsherren haben sich eben noch über das Gesamtbild Gedanken gemacht, heute bekommt man den Eindruck, als stünden die Gebäude einer Stadt rein zufällig nebeneinander und könnten beliebig umgestellt werden wie auf der Modelleisenbahn.

  5. Heutige Architekten sind leider sehr überheblich und eigenbrödlerisch. Jeder will nur das Seine durchsetzen.

    Aber Andreas Schlüter, schauen Sie sich einmal Daniel Liebeskinds Entwurf für die Bebauung des Potsdamer Platzes an, da würde es Ihnen aber heiß und kalt zugleich. Da kann man noch froh sein, wie der Platz heute aussieht, und ich muß schon sagen; dass rote Backsteinhochhaus hat schon seinen Reiz. Ja, moderne Architektur muß schon auch sein, hat ja auch in Deutschland Tradition: siehe Bauhaus, nur sollte ebenso viel historisches anständig erhalten werden bzw. wichtiges (wie z.B. das Schloß, die Parochialkirche) rekonstruiert werden und ruinöses restauriert werden.

    Den Berliner fehlt es an Bürgersinn, ich glaube zwar, dass sich dieser entwickeln wird, doch hoffentlich ist es dann nicht zu spät.

  6. Es bleibt dann zu hoffen, dass das Schloss ebenfalls historisch komplett wiederhergesetllt wird. Bisher sind nur drei Seiten sicher. Die älteste, nämlich die Ostseite will mann offensichtlich auch der Moderne opfern, um evtl. die Modernisten zu beruhigen?

    Auch die Kuppel ist noch nicht sicher. Warum macht man es sich in Deutschland mit historischer Bausubstanz und dessen Rekonstruktion immer nur so schwer?

    Das Schloss kann es nur in seiner Gesamtheit und in seiner äußeren Gestalt geben. Alles andere wäre ein Torso. Es bleibt zu hoffen, dass unser Verein die Verantwortlichen von der Gesamtheit der Schlossfassaden überzeugen kann.

  7. Hallo Piwi, lange nichts mehr von Dir gehört.

    Meine Hoffnung ist, dass wenn der PdR abgerissen ist, sich doch mehr Menschen für den Wiederaufbau des Schloßes interessieren werden. Vielleicht gibt man dann auch der vollständigen äußerlichen Rekonstruktion des Schloßes den Vorzug. Es wäre wirklich sehr traurig, wenn die Kuppel und die Ostseite nicht wiederhergestellt würden.

    Doch um beim Thema "Vis-a-vis vom Schloß" zu bleiben; die Berliner Mitte sollte allgemein etwas mehr aufgewertet werden. Hier ist auch die Tourismus-Marketing-Zentrale gefragt: Weg vom Hier-war-die-Mauer-Tourismus, hin zum Spandauer-Vorstadt-, Luisenstadt-, Scheunenviertel- historische Viertel-Tourismus. Berlin hat andere interessante Werte, als nur die Mauer!

  8. Das Thema reicht eigentlich weit über das Schloß hinaus; bin heute von Schweinfurt bis Eberbach / Neckar mit dem Zug gefahren und habe mal wieder gedacht:
    wie häßlich ist Deutschland geworden.
    Endlose Gewerbegebieter, gesichtslose Reihenhaussiedlungen, an den Weinhängen ziehen sich einfallslose Einfammilienhaussiedlungen dahin; Eberbach steht symptomatisch für die meisten Städte , ob klein oder groß im Lande, die Fußgängerzone öde und trostlos; viele historische Bauten durch Geschmacklosigkeiten aus den 60ger, 70gern und 80gern ersetzt. Hätte ich nicht den alten Markt entdeckt, hätte man nur die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, das ist das einzig noch stimmige Ensemble in der ganzen Stadt.

  9. Genau aus diesem Grund hätte/hat der Osten Deutschlands eine große städtebauliche Chance gehabt, die ja stellenweise auch verwirklicht wurde. Im Osten gab es die Zersiedelung der Landschaft durch Einfamilienhaushucken und Gewerbegebiete nicht in dem Maße wie in der alten BRD. Manche Orte in Nordrhein-Westfalen sind ja wirklich grauenvoll. Doch auch in der alten BRD gibt es Ausnahmen, meist in Nord-Hessen, Niedersachsen oder Franken, hier sind die Orte und Dörfer auch noch sehr schön.

    Leider ist die Chance im Osten (noch) nicht in dem Maße umgesetzt worden, wie man gehofft hatte. Vielerorts geschieht gar nichts oder die Chance ist vertan worden. So auch stellenweise in Berlin. Berlin hätte aber dennoch die Chance einiges wiedergutzumachen.

  10. Lieber Christoph,
    das muß politisch gewollt sein, von allein passiert da gar nichts.
    Auch rings um Leipzig, Halle usw. findest Du heute diese öden Schlafstädte, endlose Flächenversiegelung durch langweilige Gewerbebauten, etc.
    Wir bräuchten Erziehung zur Schönheit, gepaart mit einem Steueranreizmodell "Bürger macht Eure Städte schöner", jetzt mal so in die Kladde gesprochen.
    Unsere urbane Umwelt wäre lebenswerter, Handwerk und Bauwirtschaft würden einen ungeahnten selbsttragenden Aufschwung erleben.

  11. Ja, ja, die Einfamilienhäuser (ich nenne sie nur noch "Hucken") gibt es inzwischen auch im Osten. Leider! Die SPD hatte ja einmal vorgeschlagen die unselige Eigenheimpauschale abzuschaffen und stattdessen eine Beihilfe zur Erhaltung alter Bausubstanz einzuführen. Dass hätte die Zersiedelung gestoppt und historische Viertel aufgewertet und manche Wiesen und Wälder geschohnt. Leider scheiterte dieses Gesetz im Bundesrat.

    Die Deutschen müssen endlich begreifen, dass Siedlungsraum begrenzt ist und dass wir eben nicht mehr so viel Geld für diverse "Jedem-sein-Haus"-Aktionen haben. Wir haben aber viel historische Bausubstanz (siehe z.B. die prächtigen Gründerzeitviertel in Berlin, Halle oder auch Leipzig), die man durch Beihilfen zur Erhaltung der Bausubstanz sehr schön renovieren und den heutigen Bedürfnissen anpassen könnte. Man würde so auch die Innenstädte wieder beleben.

    Als Beispiel sei hier meine Lieblingsstadt Görlitz genannt. Die meisten Bürger leben in der Platte in GR-Königshufen. Die prachtvolle Altstadt und die reizenden Gründerzeitviertel am Bahnhof dümpeln vor sich hin. Außerhalb noch Gewerbe auf der grünen Wiese und einige neue "Hucken". Ein Leben (Wohnen und Arbeiten) in der renovierten Altstadt wäre doch viel lebenswerter.

    Die Deutschen sind schrecklich, sie sind leider oftmals Kleinbürger. Hauptsache es ist alles ordentlich, sauber und mit Geranien bepflanzt, hier und da noch ein paar Gartenzwerge und die Kette an den Einfamilienhäuseren, an der das Wasser lautlos herunterläuft. Wenn es die Deutschen dann einmal schön haben wollen, fliegen sie nacht Italien, Paris oder Mallorca. Ist das nicht furchtbar – Andreas Schlüter?

  12. Sicher, "Flucht" nennt man so etwas wohl.
    Hast Du mal etwas von der Gartenstadtbewegung zu Beginn des letzten Jahrhunderts gehört?
    Es gibt heute noch reizende Beispiele, so Dresden-Hellerau, Hannover-Kleefeld, die "Märchen"-Siedlung in Leipzig und die Werkssiedlungen vieler Großunternehmen, das prächtigste Beispiel ist die Margarethenhöhe in Essen, aber auch Plau in Brandenburg oder Staaken in Berlin oder die wieder hervorragend renovierte Siedlung "Piesteritz" in Wittenberg fallen mir spontan ein und natürlich die unübertroffenen Gartenstadt "Marga" bei Hoyerswerda, es gibt so viele, auch in Nürnberg allein dreie…
    Jedenfalls wurden bei diesen Reißbrettsiedlungen aus den ersten 20 Jahren des Jahrhundertbeginns von einem oder einigen wenigen Architekten aufeinander abgestimmte Haustypen in verschiedenen Größenordnungen mit Schule, Einkaufsmöglichkeiten, Begegnungsstätten aufeinander abgestimmt und verwirklicht.
    Auch wenn die dazugehörigen Fabriken heute oftmals nicht mehr existieren, die Siedlungen sind bei der Folgegeneration der Mieter/Eigentümer sehr beliebt, weil sie stimmig und aus einem Guß sind und , als erfreulichen Beieffekt, einen geringen Flächenverbrauch aufweisen.

  13. Lieber Andreas Schlüter, diese Siedlungen sind wirklich sehr schöne Beispiele. Die Margarethenhöhe in Essen kenne ich sehr gut.

    Eine postmoderne kompakte Siedlung, die mir recht gut gefällt, liegt in Potsdam-Kirchsteigfeld. Hier ist eine kleine Stadt entstanden, mit Zentrum, Kirche und Mehrfamilien- sowie auch einigen Einfamilienhäusern. Auch in den Niederlanden gibt es hervorragende postmoderne Siedlungen, vor allem auf Flevoland.

    Doch man darf eben die historischen Innenstädte nicht vergessen. Sie sind unsere Kultur, unser Leben, unsere Identifikation und unsere Geschichte. Ihnen sollte die Priorität gelten.

    Der Wiederaufbau des Berliner Schloßes geht da noch einen Schritt weiter, er gibt nicht nur Berlin Identifikation zurück, sondern dem ganzen Land. Es wird Geschichte wieder begreifbar.

  14. Moin, moin, Christoph,
    diese Siedlung in Potsdam, ist die nicht von Leon Krier, der für und mit Prince Charles die Stadt Poundsbury in England gebaut hat?
    Muß ich mir beim nächsten Potsdambesuch unbedingt anschauen, besten Dank für die Erinnerung.
    Sicher sind die Innenstädte wichtig, nur hätten wir landesweit mehr Verständnis für deren Erhalt, wenn sie nicht nur museal, sondern als Teil eines betrachtungswürdigen und harmoniefördernden Ganzen gesehen würden.
    Wie Du schon sinngemäßt schreibst, die Leute wohnen in ihrer Schlafsiedlung, arbeiten in irgendwelchen gesichtslosen Bauten, am WE geht es zum Kaffeetrinken in den Kern einer hübsche Kleinstadt in der Nähe und im Urlaub ab nach Italien, um dem Elend zu entfliehen

  15. Gut, daß diese großkotzige monarchistische Museumsinsel modern umgestaltet wird!
    Wir leben in einer Demokratie – schon vergessen? WOOHAHAHAHA

  16. Herr Höfer! Demokratie heißt: Man macht das, was die Mehrheit will. Und die Mehrheit will eine historische Stadt. Finden Sie sich endlich damit ab!

    Abgesehen davon, habe auch ich mehr und mehr den Eindruck, daß Sie gar kein Palast-Freund sind, denn so dümmlich wie Sie tun, können selbst Kommunisten nicht sein! Entweder sind Sie ein ewiger Meckerer, ein Quertreiber oder Sie wollen durch Ihr Tun die PdR-Freunde unmöglich machen, was keine Art wäre! Verschwinden Sie endlich oder bringen Sie anständige Beiträge.

  17. N´abend Andreas Schlüter,

    ist das eigentlich Dein richtiger Name? Wäre wohl ein zu großer Zufall.

    Leon Krier, der Name des Architekten von Potsdam-Kirchsteigfeld war mir nicht bekannt. Ich bin irgendwann mal mit der Straßenbahn dort raus gefahren und fand die Siedlung ziemlich gelungen. Interessant, dass es in England eine ganze Stadt in dieser Form gibt. Werd ich mir ggf. auch mal ansehen, zumindest vorerst im Internet.

    Tja wollen wir mal sehen, wann sich die Deutschen ändern. Ob die Innenstädte zu beleben sind. Ich hoffe mal….

    Mir hat unsere Gesprächsfolge hier sehr gut gefallen. Hoffentlich trifft man sich bei anderen Themen noch mal. Soll natürlich nicht heißen, dass dieses Thema beendet ist.

    Bis dann….

  18. Lieber Christoph,
    so einen prächtigen Namensvettern habe ich leider nicht, wäre zu schön, um wahr zu sein, aber paßt doch gut zum Thema, nicht wahr?
    Von Leon Krier gibt es ein hübsches Buch im Prestel – Verlag "Freiheit oder Fatalismus", das viel Mut macht und anhand seiner anschaulichen Beispiele auch zu vielen Aha-Erlebnissen führt.
    Wenn Du Dir etwas besonders Gutes tun möchtest, besorge Dir das Buch von Prince Charles "A future of Britain" , zu deutsch "Die Zukunft unserer Städte".
    Nur noch antiquarisch erhältlich, aber unter http://www.zvab leicht zu erwerben.
    Nach der unterhaltsamen und anschaulichen Lektüre (sehr viel Fotos und Zeichnungen) wünscht man sich, daß er längst den Thron bestiegen und seine Visionen umgesetzt hätte.

  19. > Und die Mehrheit will eine historische Stadt…

    meinen Sie die mehrheit in jenen kreisen in welchen Sie verkehren? Sicherlich, denn es kann nur diese sein!

  20. Hallo Sie beide,

    mit sehr großem Interesse habe ich Ihren Dialog gelesen und war sehr erfreut welche Bereiche dabei von Ihnen beiden angesprochen wurden. Bei dem Architekten des Kirchsteigfeldes mag ich mich irren, aber ich glaube der heißt Rob Krier. Ich hatte kürzlich das Vergnügen mit dem damaligen Stadtbaudirektor Potsdams Herrn Röhrbein zu sprechen und dabei haben wir auch ausgiebig über das KSF geredet. Dabei kam einiges zu Tage, was dann wieder einige Ihrer Thesen ein wenig entgegenstimmt. Was ich nämlich dann von Rob Krier einsehen konnte und erfahren habe charaktesiert ihn als eigentlich eher dogmatischen Architekten, der sehr gut in Richtung Hans Stimmann passt. Sein ursprünglicher Entwurf für das KSF war viel stärker an der mittelalterlichen, engen Stadt orientiert und wäre in heutiger Zeit nicht ralisierbar gewesen. In enger Zusammenarveit mit den Projektentwicklern (Groth, der in Berlin die Rauchstr. entwickelte) und der Stadt Potsdam (Herrn Röhrbein) wurden in zahlreichen Workshops und innovativen Verfahren die Entwürfe modifiziert und der Masterplan für das heutige KSF erstellt. Und darauf beruht meiner Meinung nach der eigentliche Erfolg des KSF – nicht auf der Primäridee von Krier. Das heute stehende KSF ist UNVOLLENDET. Der gesamte Gewerbebereich wurde nicht realisiert und es gibt immernoch zahlreiche Lücken, die eigentlich bebaut sein sollten. Dass das KSF trotzdem so ein großer Erfolg ist liegt daran, dass es wirklich so etwas wie eine Stadt ist und so flexibel ist, dass es gerade auch nach so vielen Diskussionen wie in den Workshops, dass es trotz der Lücken und trotz völlig unerwarteter Entwicklungen (z.B. zogen viel ältere Bev. Gruppen ein als erwartet) funktioniert. Das Gartenstadtmodell dagegen ist genau wie viele Moderne Ansätze sehr absolutistisch und dogmatisch und scheitert oft an seiner Unvollendetheit oder dem Anspruch ALLES planen zu können.

    Aber genau das ist es was Stadt und die mehrfach von Ihnen erwähnte Urbanität ausmacht: Unberechenbarkeit und in gewissem Maße auch Unplanbarkeit (und das sage ich vollen Ernstes als Student der Stadt- und Regionalplanung). Und deshalb finde ich den Pariser Platz gut. Nicht weil mir die Gebäude gefallen sondern weil ein O gehry oder Behnisch trotz dermaßen starker Vorgaben durch Stimmann ihren eigenen Weg gegangen sind und gezeigt haben, dass Architektur interpretationssache ist.

    Und ich könnte 99% von dem von Ihnen angeführten Punkten wie Einfamilienhauswahn etc. bedingungslos unterschreiben und bin sehr froh, dass Sie so denken. Nur verstehe ich Ihre Schlußfolgerungen nicht, warum wir deshalb als Berliner und als Land ein Schloßimitat zur Identifikation brauchen? Weltkulturerbe kann man doch nicht einfach wieder aufbauen als wäre nichts gewesen. Der Pariser Louvre definiert sich darüber, dass in jedem Jahrhundert etwas angebaut wird. Und die meisten Deutschen verbringen ihre Zeit wie Sie richtig sagen in Einfamilienhäusern, auf Autobahnen und in Shopping Malls – warum sollte der Schloß-Wiederaufbau da eine Initialzündung in Richtung Ästhetisierung bewirken?

    Im Juli hatte ich schon zahlreiche Argumente angeführt warum ich das Schloß nicht gutheißen kann (Wert des Originals, Widerlegung dass sich die umliegenden Gebäude und die Linden auf das Schloß beziehen sondern sich eigentlich sogar von ihm abwenden, Vertuschung von Geschichte, Anerkennung von Positiven Ergebnissen der Moderne etc.). Das Beispiel KSF bringt nun ein neues Agument hinzu: Stadt entsteht nämlich glücklicherweise nicht in den Köpfen von Architekten oder Ideen von Fürsten – nein Stadt entsteht durch Auseinandersetzungen, Reibungen inkl. Verlusten, unerwarteten Entwicklungen und dem Bestreben im Konsens eine "beste" Lösung zu finden (das Schloß wäre in meinen Augen kein Konsens und keine gute Lösung). Und das mit den Einfamilienhäusern brint mich zweitens wieder zu der Frage, wem eigentlich die Stadt gehört und ob wir uns alle da nicht auch überhöhten Illusionen von der Wichtigkeit und der demokratischen Legitimation der Diskussion über den Schloßplatz hingegeben haben?

    Ansonsten wie gesagt, empfand ich Ihre Ausführung sehr gut und seit langem einmal wieder etwas substanzielles in diesem Forum.

    Viele Grüße , Moses (ist auch nicht mein richtiger Name)

  21. Schönheit, guter Moses, Schönheit.
    Die Augen baden, eine herrliche Idee wieder mit den Sinnen erfassen dürfen, in reinem Geiste atmen dürfen.
    Moses, löse Dich und sprenge die Grenzen des Dir von den Kleingeistern an der Uni verpfropften Verstandes:
    was heißt "Imitat"?
    Niemand wird einige Jahre nach Fertigstellung des Unterschied bemerken oder gar wissen.
    Wenn Du je vor dem Campanile in Venedig gestanden hast, so wirst Du auch nicht bemerkt haben, daß das ein Wiederaufbauprodukt ist, gerade mal 100 Jahre alt.
    Siehst, sprach das Nashorn in der Wüste.

  22. Ich schließe mich da Herrn Schlüter an, in den kommenden 20iger Jahren wird das Schloss wohl so selbstverständlich zu Berlin gehören, wie die neue Kuppel auf dem Reichstag. Es wird dann seine ganz eigene "Geschichte" entwickeln, sodass man nicht von einem "Imitat" sprechen kann.

  23. Hallo Moses,

    ich will gar keine perfekte Stadt haben. Ich bin ebenfalls dafür, dass man am Stadtbild oder an diversen Gebäuden, Geschichte ablesen kann. Doch zählen bei mir bestimmte wichtige historische Bauwerke sehr, die in einer Stadt nicht fehlen dürfen. Bauwerke, die der Stadt Charakter geben, ja Wahrzeichen eben. Das Berliner Schloß war ein solches Wahrzeichen. Es gehört zu Berlin, wie der Kremel zu Moskau, der Louvre zu Paris oder der Altmarkt zu Warschau. Ich bin für seinen Wiederaufbau.

    Ich liebe auch den leicht-morbiden Charme des Prenzlauer Berg, wo auch nicht alles perfekt ist. Aber dort herrscht Leben. In der Friedrichstraße oder im Sony-Center herrscht Shopping-Atmosphäre – sonst nichts. Die Moderne hat dort kläglich versagt, würde sie es am Schloßplatz schaffen Moses? Ich denke Nein!

    Wo würdes Du Dich lieber aufhalten auf: dem Alex oder am Gendarmenmarkt, auf dem Mehringplatz oder auf dem Kollwitzplatz.

    Anderes Thema: Ich gehe heute durch meine Düsseldorf und sehe plötzlich auf eine Werbetafel der Fa. Wall ein Plakat: "Helfen Sie mit beim Wiederaufbau des Berliner Schloßes!" Bravo Herr von Boddien, bundesweite Werbung ist sicherlich nicht falsch!

  24. Hallo zusammen,

    lieben Dank für Ihre Rückmeldungen, aber hier prallen nun wieder Welten aufeinander.

    Herr Schlüter: wie passt denn die Kategorie "Schönheit" in diese Diskussion? Ist das nicht wirklich ein rein subjektiver und ästhetischer Begriff? Und wenn wir dabei sind: ich finde das, was ich vom Schloß gesehen habe überhaupt nicht "schön" sondern entgegen all Ihrer Meinungen als unpassend. Ich finde auch den Palast nicht wirklich schön, aber allemal schöner und vor allem interessanter als das Schloß. Deshalb bleibe ich bei meiner Ansicht, dass dort eine Neuinterpretation des Schloßes UND des Palastes das Richtigere wäre. Und berechtigt denn vermeintliche Schönheit dazu andere Bauwerke dafür zu zerstören? Stand denn bei der Campanile in Venedig zwischendurch was anderes? Was ich allerdings richtig unschön finde, ist mich der Hörigkeit irgendwelcher universitärer Doktrinen zu bezichtigen! Gerade Stadtplanung kann es sich heutzutage nicht mehr leisten irgendwelche Dogmen zu lehren und wenn einer gegen vermeintliche Mainstreammeinungen was Stadt und Architektur betrifft schwimmt, dann bin ich das.

    Herr v.E.: schön wieder von Ihnen zu hören. Allerdings liefern Sie mit der Reichstagskuppel ja das Argument schlechthin. Die neue Kuppel ist deshalb so erfolgreich, weil es eine zeitgemäße Neuinterpretation ist und die Geschichte des Reichstages mit seiner Zukunft verbindet. Ein Imitat der herkömmlichen Kuppel von Wallot wäre wahrscheinlich nicht annähernd so erfolgreich! Ergo…

    Herr Weinke: ich bin mir da immer nicht sicher, ob wir für die selben Stilrichtungen die selben Begriffe verwenden. Wirklich MODERNE Gebäude in Berlin sind in meinen Augen die Neue Nationalgalerie und das Haus das Lehrers – und diese beiden Vertreter sind aussergewöhnlich gute Bauwerke dieser Stilrichtung. Es gibt aber auch – und das leider quantitativ viel mehr – sehr schlechte Gebäude der Moderne. Den Potsdamer Platz und die Friedrichstraße würde ich nicht als MODERN bezeichnen. Im Gegenteil, das kommt dabei heraus, wenn man sich auf irgendwelche augenscheinlichen Argumente stützt wie toll diese Bereiche doch vor dem Krieg waren und nun diese Argumente ausnutzt um richtig schlechten Investoren-Städtebau zu verwirklichen. Jedenfalls finde ich die mittlere Friedichsstraße und den Potsdamer Platz richtig schlecht. Sie sind aber trotzdem nicht Modern genausowenig wie ich auf dem Schloßplatz etwas Modernes haben würde wollen (der Palast ist meiner Meinung ja schon ein Übergang zwischen Moderne und Postmoderne) – ich möchte dort etwas zeitgemäßes, intilligentes wie die Kuppel von Foster. Und auch hier wieder: JA ich bin lieber auf dem Alex und dem Mehringplatz. Und das völlig ideologiefrei, weswegen ich Ihnen auch für diese Beispiele aus Ost und West danke. Ich bin unter anderem lieber dort, weil all die anderen Leute ja schon auf dem Kollwitzplatz oder dem Gendarmenmarkt sind und ich dort weder die Baulichkeit der Plätze wahrnehmen kann noch wirklich interessante Menschen treffe geschweige denn mit ihnen in Kontakt komme – so uniformiert sie oft trotz ihrer betonten Individualität dort sind. Das ist meine persönliche Meinung und ich möchte damit niemanden beleidigen. Aber auch das ist etwas, was Stadt ausmacht, nämlich dass ich mich an die für mich intereassanten Orte zurückziehen kann, während alle anderen woanders hingehen. Der Alex und der Mehringplatz sind in meinen Augen sowohl urban als auch irgendwie schön – na ja, der Alex war es, er wird ja nun auch wieder vereinheitlicht.

    liebe Grüße – Moses

  25. Nein, Schönheit ist kein subjektiver Begriff, das behaupten immer nur diejenigen, die keine Ahnung oder mit Frauen verheiratet sind, die schiefe Zähne und einen Buckel haben.
    Schau Dir mal eine Skulptur von Canova oder Rauch an, wenn Du dann nicht Bescheid weißt, wirst Du nimmermehr schlau und als einzigen Trost kann ich Dir und dem PDR nur das Verslein von R.G. widmen:

    "Häßliches, Du hast sowas Verläßliches.
    Die Schönheit gibt uns Grund zur Trauer,
    das Häßliche erfreut auf Dauer."

    Amen

  26. Lieber Moses,

    du bist wirlich einer der gerne gegen den Strom schwimmt. Ich mag solche Leute sehr. Es ist ja auch durchaus was dran an Deinen Aussagen, nur sehe ich die Dinge teilweise anders.

    Als ich zum ersten Mal auf dem Alexanderplatz stand, das war so 1985/86, da dachte ich bei mir: "Jetzt bis du in Moskau." Ich verweilte eine ganze Zeit auf dem Platz und war mir gar nicht sicher, ob ich den Platz jetzt häßlich oder schön finden sollte. Ich kam mir vor wie in einer anderen Welt. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. Selbst heute bin ich mir nicht hundertprozentig sicher. Das Haus des Lehrers ist klasse und auch das Kino International sowie das Café Moskau. Andererseits wirkt er wie eine graue Wüste. Aber eines kann ich Dir hundertprozentig sagen: Der Gendarmenmarkt gefällt mir weitaus besser!
    Beim Mehringplatz war ich mir sofort klar; dieser Platz ist abgrundtief häßlich, ja, ein architektonisch Flop.

    Mit "Moderne" bezeichne ich übrigens Bauten, die ab der Zeit des Bauhaus bis circa 1980 erbaut worden sind. Danach beginnt zaghaft die Postmoderne.

    Viele Grüße

  27. an Moses: Sie haben Recht, das architektonische Erfolgsgeheimnis des Reichstages liegt in der fließenden Verbindung zwischen Alt und Neu, ebenso wie es meiner Meinung nach beim wiedererrichteten Schloss sein wird: die historische Außenfassade und einige rekonstruierte Räume, harmonierend mit modern gestalteten Ausstellungsflächen und anderen Interieurs. Ich verstehe also nicht wieso sie hier von einem Imitat sprechen, noch dazu von einem, dem es scheinbar unmöglich sein wird, eine eigene Stellung in der Geschichte Berlins zu bekommen?

    Zudem – ich möchte mich nicht in ihr Gespräch mit Herrn Winke einmischen – aber ihre Aussage, der Mehringplatz wäre schön, hat mich doch etwas verwundert. Kein Platz ist meiner Meinung nach erschreckender, im Vergleich zur ursprünglichen Bebauung, als dieser. Nirgends hat man die Geschichte Berlins so gekonnt vernichtet wie auf diesem ehemals schönsten Rondell der Stadt. Wie können sie den heutigen Platz also mit den Worten "schön" und "urban" betiteln?

  28. Man beschaffe sich das kleine Fotobüchlein "Berlin aus der Luft" aus dem Nicolai – Verlag, das sieht man den Schloßplatz vor und nach dem Kriege, den Pariser Platz, den Königsplatz (das war der Platz vor dem Reichstag), den Askanischen Platz damals und heute und viele andere mehr.
    Wem da nicht das Weinen ankommt, wenn er sieht, wie Berlin erst durch die Bomben, danach durch die Kälte des sogeannten Wiederaufbaues zu einer städtebaulichen Fratze erstarrt ist, hat womöglich ein Herz aus Stein.
    Eines der übelsten Beispiele aber ist der "Mehringplatz". Er wurde 1734 von Friedrich Wilhelm I. als "Rondeel" angelegt, später als gutbürgerlicher Gründerzeitplatz überbaut und in "Belle-Alliance-Platz" umbenannt, nach dem Gasthause, in dessen Nähe Napoleon zum zweiten Mal vernichtend und diesmal endgültig geschlagen wurde (viele denken ja, diese Schlacht sei nach einem Londoner Bahnhof namens "Woterlu" benannt..). Den Belle-Alliance-Platz gibt es auf Seite 32 auf einer Luftaufnahme aus dem Jahre 35 zu sehen, daneben aus derselben Perspektive der "Mehringplatz" im Jahre 1976. Wenn man nicht wüßte, was man da sieht, könnte man ihn auch mit einer Trabantenstadt von Ulan Bator verwechseln.
    Schöne neue Welt.

  29. Ja, Berlin ist halt am A.

    Das muss man leider sagen – und es hilft auch nichts, die paar wenigen Perlchen aufzuzählen, die da im weiten Mist verstreut liegen.

    Und der typische (Ost-)Berliner, d.h. vom Geld der Anderen lebend, selber den Hintern nicht hochbekommend, dafür ständig meckernd und demonstrierend gegen den arbeitenden Teil der Bevölkerung, der im nicht auch noch den letzten Cent des verdienten Einkommens überlässt, tut herzlich wenig dafür, dies zu ändern.
    Da helfen auch die wenigen aktiven Zugereisten nichts: Berlin hat fertig.

    Wären gerade die, gegen die der typische Berliner ständig wettert, nicht so geschichtsbewusst, dass sie trotz der Umstände Berlin als Hauptstadt wollen, und nicht eine andere, geeignete Stadt, Berlin wäre noch viel mehr Heruntergekommen, dann würden nicht 20% von Stütze leben und 50% Zuschüsse zur Lebenshaltung bekommen, sondern 50% und 80%, es hätte höchstens 2 Mio. Einwohner und davon wäre die Hälfte asozial.
    Klingt hart, ist aber so.

  30. Danke Markus, klare, eindeutige Worte.
    Ich frage mich sowieso immer, was Touristen überhaupt nach Berlin treibt, es muß der Mythos sein oder die mentale Hohlwangigkeit, weiß der Alte Dessauer weshalb.

    In Potsdam, Schwerin, Goslar oder Hamburg finde ich noch das jeweilige Flair des Genius Loci, aber in Berlin?

    Da taumelts sich von einem Hundehaufen zur nächsten Dönerbude, im Tiergarten liegen die Nackten und grillen, in weiten Teilen der Stadt ist eigentlich No-Go-Area.
    Das einzige, was mich in der Stadt immer wieder zum Verweilen einlädt, sind Schloß Glienicke, die Pfaueninsel und die herrlichen Villen in Zehlendorf.

    Der Rest ist eigentlich Schweigen.

  31. Lieber Andreas Schlüter,

    jetzt hast Du aber ein – wie ich finde – zu hartes Urteil über Berlin gesprochen. Ganz so schlimm ist Berlin dann aber doch nicht. Natürlich gibt es grauenvolle Ecken in der Stadt, aber auch sehr schöne und nicht nur in Zehlendorf, sondern auch in Mitte bzw. Charlottenburg. Denke doch an den Bebelplatz (früher Oprenplatz), an den Gendarmenmarkt, an das Brandenburger Tor, an die Linden, an die Hackeschen Höfe, an die Siegessäule, an Schloß Bellevue, an den Lustgarten mit Dom, Altem Museum und Nationalgalerie, an die Zionskirche, an die Sophienkirche, an die Große-Hamburger-Straße, an die Synagoge, an die prächtigen Gründerzeitbauten in der Spandauer Vorstadt und im Prenzlauer Berg, an den Kurfürstendamm, an den Ludwigskirchplatz, an Schloß Charlottenburg, an das Belvedere usw. Kennst Du eigentlich die katholische Herz-Jesu-Kirche im Prenzlauer Berg von Innen? Sie ist sehr prachtvoll, ein Besuch lohnt sich sehr.

    Berlin hat schon einiges zu bieten, doch Berlin könnte (und muß) mehr haben, das ist schon richtig, aber für eine deutsche Großstadt ist das schon beträchtlich!

    Baut das Schloß wieder auf!

  32. Lieber Christoph,
    Du hast ja recht, recht, recht.
    Und den Chamissoplatz könnte man auch noch anführen und den Flughafen Tempelhof und den Kantplatz.
    Es ist halt wie Insel-Hüpfen…

  33. Hallo, Christoph Weinke,

    in der letzten Zeit war ich sehr viel unterwegs und hatte leider wenig Zeit mit Dir und anderen zu kommunizieren. Außerdem waren einige der hier bekannten "Palastuntoten" auf so niedrigem Niveau, dass sich eine Antwort wirklich nicht lohnte.

    Habe aber jetzt mal einiges nachgelesen und nachgeholt. Die Sichtweise über Berlin, die Du hast, sehe ich genauso.

    Die Stadt ist keineswegs häßlich und gesichtslos, jedoch auch an einigen Stellen arg renovierungsbedürftig. Wenn man bedenkt, was der Luftkrieg, die Schlacht um Berlin, Teilung und Modernisierungswahn von unserer Hauptstadt noch übrig gelassen haben, kann man noch dankbar sein. Es gibt übrigens einen Videofilm von Bengt zur Mühlen: "Der Todeskampf der Reichshauptstadt". Sehr zu empfehlen. Hier kann man, mir bis dahin zum Teil unbekannte Wochenschauaufnahmen sehen, die einem schmerzlich zeigen, wie diese Stadt 1945 nahezu untergegangen ist. Erfreuen wir uns also an dem was noch ist, und was man, wie das Schloss, wiedererrichten will.

    Andere Städte sind deutlich monotoner und gesichtsloser. Ich komme aus Hannover. Es lässt sich hier sicherlich gut leben, aber ich erschrecke mich auch immer wieder aufs Neue, wenn ich Bilder aus der Vorkriegszeit sehe. Hannover war schon zu 80% kriegszerstört, und dann kam in den 50ern ein sog. moderner Zeitgeist als Stadtbauplaner, Herr Hillebrecht, der Hannover dann den Rest gegeben hat. Solchen Personen will man dann auch Denkmäler setzen, weil sie, angeblich ihrem Zeitgeist voraus, moderne, verkehrsgerechte und funktionierende Städte entwickelt haben. Aber wo blieb der Mensch dabei? Wohl so ziemlich auf der Strecke. Alle diese Hillebrechts vergaßen und vergessen leider immer zu oft, dass natürliche Urbanität sich mit und durch seine Bewohner entwickelt, und nicht nur durch Gebäude und Funktionalität!

  34. Beim Anblick des Mehringplatzes fällt mir eine bekannte Firma ein: "Dynamit Nobel"!

    Lassen Sie den Menschen noch die Zeit zur Flucht oder müssen die dabei draufgehen?

  35. Das hier ist keine Antwort an Meister H…
    Mehringplätze gibt es landauf, landab, man schaue sich den Raschplatz in Hannover an, die Zeil in Frankfurt, den Bahnhofsplatz in München, die Prager Straße in Dresden.
    Urbane Verelendung pur.

  36. Der Ausdruck urbane Verelendung gefällt mir. Er trifft so richtig die Situation. Doch es könnte alles noch viel, viel schlimmer sein.

    Ich habe einmal gelesen, daß ein irrsinniger Architekt nach dem 2. Weltkrieg den Zoologischen Garten, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die Budapester Straße, die Tauentzienstr. usw. komplett abreißen wollte, um dann dort einen innerstädtischen Flughafen und zahlreiche Schnellstraßen zu errichten.

    Also, es geht immer noch schlimmer. (Erinnert mich an Bernd das Brot!)

    Ein extrem häßlicher Platz ist ja auch der Ernst-Reuter-Platz (Knie) in Berlin.

  37. Stimmt, schon Schopenhauer hat geschrieben, daß man sich für einen Moment vorstellen solle, daß man das alles, was man besitzt, für einen Moment nicht hätte:
    Gesundheit, Familie, Vermögen, Haus usw, was halt da ist, um es anschließend besser zu schätzen.
    Der einzige Unterschied besteht darin, daß wir die Verbesserung unserer städtischen Lebenssituation nicht aus materieller Gier, sondern aus dem Drang nach Schönheit und Würde anstreben.
    Dafür haben hoffentlich sowohl der Liebe Gott, der Alte Fritz und unter Umständen der Vorstand der Deutschen Bank Verständnis (den Michel brauchst eh‘ nich‘ frag’n, der iss‘ sowieso mit seiner ganzen Seel‘ dabei).

  38. Wenn alle häßlichen Plätze in Berlin
    abgerissen werden und schöner bebaut
    werden sollen dann wird es in Berlin nur
    noch Grossbaustellen geben. Berlin wird
    wohl schon jetzt bis 2015 Grossbau-
    stellen haben. Das reicht mir.
    Das Schloß ist schon ein schöner
    Gedanke, aber jetzt noch alle häßl.
    Plätze abändern halte ich für falsch!
    Wo sollen auch solange die Hausbe-
    wohner hin? In Container?

  39. "Wo sollen auch solange die Hausbe-
    wohner hin? In Container?"

    Die dürfen bei K. "Dynamit Nobel" Wolff, Schlüter, Weinke & Genossen kostenlos wohnen und werden dort auch mit Nahrungsmitteln versorgt.

  40. Wenn man mitten im Leben steht, erübrigen sich eigentlich solche Fragen…
    Den Herrschaften werden neue Wohnräume angeboten, man zahlt ihnen die Suche derselben und den Umzug.
    Hat es schon tausende von Malen gegeben.
    Noch irgendwelche Fragen, vielleicht wie lang der 30-jährige Krieg gedauert hat oder wieviel eine 55 Cent – Marke kostet?

  41. Hallo Piwi,

    habe diesen Deinen Beitrag erst jetzt auf meinem Bildschirm angezeigt bekommen, daher komme ich auch erst jetzt dazu zu antworten.

    Wenn man Bilder von den Straßenkämpfen 1945 in Berlin sieht, wie dort mit Flammenwerfern, Panzern und selbst mit Stalin-Orgeln durch die Straßen geschossen wurde, ist man höchst erstaunt, dass a) überhaupt jemand die Kämpfe überlebt hat, b) dass immer noch soviel historische Bausubstanz erhalten ist und c) das ein Leben weiterhin möglich war.

    Da gibt es noch eine interessante Geschichte aus Düsseldorf – hat zwar nur indirekt was mit unserem Thema zu tun, doch ich erzähl sie immer so gerne. Sie stammt von einem Großonkel von mir, der in Düsseldorf-Oberkassel lebte: Nachdem die amerikanischen Truppen Oberkassel (liegt linksrheinisch) bereits besetzt hatten, schossen sie tagelang mit Kanonen auf die (rechtsrheinische) Innenstadt. Fliegerbomber unterstützten diese Angriffe. Nach einigen Wochen Beschuss, wurde eine Pontonbrücke gebaut und Düsseldorf eingenommen. Die US-Panzer rollten durch die ruinierte Stadt, als plötzlich eine Straßenbahn um´s Eck kam und pflichtgemäß ihren Linienweg fuhr. Den Amis sind schier die Augen aus dem Kopf gefallen. "That´s Germany" soll einer gesagt haben.

    Ob´s wirklich so war, sei dahingestellt, mein Großonkel hat es so erzählt. So ist halt unser Deutschland, es ist nich unterzukriegen!

    Na ja, und Hannover ist so langweilig nun auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.