Stand der Dinge für das Humboldt Forum im Berliner Schloss

>> Neues von der Baustelle und den Vorbereitungen des kulturellen Betriebs

 

Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Eigentümerin, Bauherrin und Betreiberin des neuen großen Kulturhauses in der Mitte der Hauptstadt hat am Montag, den 15. Januar 2018, auf die Baustelle zur Pressekonferenz mit dem Vorstand eingeladen. Im Anschluss fand eine Baustellenbegehung statt.

Mit Beginn des Jahres 2018 rückt die bauliche Fertigstellung des Berliner Schlosses, dem künftigen Humboldt Forum, näher. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für den Einzug der Objekte wie auch für das inhaltliche Programm auf Hochtouren. Und schließlich müssen die Verwaltungsstrukturen für den kaufmännischen und technischen Betrieb des neuen Kulturhauses geschaffen werden.

Johannes Wien, Sprecher des Vorstands der Stiftung, betonte die organisatorischen Herausforderungen, die der Aufbau eines neuen Kulturhauses in dieser Größenordnung bedeutet. Das ist nicht nur die Koordination der Ziele und Vorhaben der verschiedenen Institutionen, die daran mitarbeiten, das Humboldt Forum im Berliner Schloss zu einem neuen spannenden Begegnungsort der Weltkulturen zu machen, also die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin/Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität mit dem Humboldt-Labor und die Kulturprojekt Berlin, die mit dem Stadtmuseum die Berlin-Ausstellung aufbauen. Und nicht zuletzt die Stiftung selbst mit dem „Museum des Ortes“ und dem stetig wachsenden Programm- und Bildungsbereich. Das ist vor allem der Aufbau funktionierender Strukturen für ein solches Kulturhaus mit großen Veranstaltungssälen, mit Sonderausstellungsflächen, Restaurants und Museumsshops mit allein 10.000 qm Nutzfläche im Erdgeschoss. Geplant sind 1.000 Veranstaltungen im Jahr, drei pro Tag, gerechnet wird mit 3 bis 4 Millionen Besuchern im Jahr, das sind 10.000 pro Tag, und einem Jahresbudget von 60 Millionen Euro, also gut einer Million jede Woche.

Gleichzeitig wies Johannes Wien auf die großen bisherigen Erfolge hin, die im Fundraising zusammen mit dem Förderverein Berliner Schloss e.V. unter seinem Geschäftsführer Wilhelm von Boddien erzielt wurden, und auf die Herausforderungen, die sich noch für die nächsten zwei Jahre bis zur Eröffnung Ende 2019 stellen. Über 70 Millionen Euro sind bislang durch ein überragendes bürgerschaftliches Engagement zusammengekommen. 105 Millionen Euro sollen es Ende 2019 werden.

Johannes Wien: „Unsere Stiftung entwickelt das Humboldt Forum im Berliner Schloss mit Hochdruck zu einem Kulturhaus mit umfangreichem Ausstellungs- und Veranstaltungsangebot. Um den 3 Millionen Besucherinnen und Besuchern vom ersten Tag an ein attraktives Angebot zu bieten, wird zum Beispiel unsere Beschäftigtenzahl von jetzt 90, auf circa 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen. Aufsichtspersonal, Gastronomie und Shops nicht inbegriffen. In der Kooperation mit unseren Partnern von den Staatlichen Museen, dem Stadtmuseum und der Humboldt-Universität laden wir die Berlinerinnen und Berliner sowie die Touristen ein, die Welt kennen zu lernen und auch mehr über Berlin zu erfahren. Ich danke allen, die mit ihrer Spende für die historischen Fassaden dieses besondere Projekt ganz sichtbar unterstützen. Die Spendensammlung zusammen mit dem Förderverein ist sehr erfolgreich, aber noch immer fehlen knapp 30 Millionen €, die wir in den nächsten beiden Jahren sammeln wollen.“

Lavinia Frey verantwortet als Kulturvorstand der Stiftung und Geschäftsführerin ihrer Tochtergesellschaft Humboldt Forum Kultur GmbH die Vorbereitung des kulturellen Betriebs des neuen Kulturhauses: „2018 ist für den kulturellen Betrieb des Humboldt Forums ein wegweisendes Jahr. Der erfolgreiche strukturelle Aufbau sowie die lokale, nationale und internationale Vernetzung werden fortgesetzt. Sichtbar wird dies im umfangreichen Programm aus Ausstellungen, Konzerten, Performances, Filmen, Symposien, Talks und Workshops. Präsent in der ganzen Stadt und darüber hinaus werden wir Einblicke in ein vielfältiges kulturelles Erlebnis geben, wie es ab Ende 2019 im Humboldt Forum im Berliner Schloss zu erleben sein wird.“

Beispielhaft dafür sind bereits die ersten Höhepunkte: Neue Ausstellung in der Humboldt-Box, eine Veranstaltung mit den internationalen Experten sowie ein Symposium mit dem Deutschen Theater. Erst am  14. Januar 2018 ging die Ausstellung „Vorsicht Kinder!“ mit rund 88.000 Besuchen und einem breiten Workshop-Angebot zu Ende. Am 22. März 2018 eröffnet in der Humboldt-Box die Ausstellung „[laut] Die Welt hören“. Sie zeigt exemplarisch das große Potenzial zweier bedeutender Einrichtungen, die im Humboldt Forum Ende 2019 zusammenkommen und die für ihre Tonaufnahmen aus aller Welt berühmt sind: das Berliner Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums und das Lautarchiv der Humboldt-Universität (HU). Ein Symposium, zahlreiche Veranstaltungen, Konzerte, Filmvorführungen, Soundwalks und DJ-Nights sowie ein kulturelles Bildungsprogramm begleiten die Ausstellung.

Im Zeichen des Austausches, der Begegnung und des Dialogs steht die anstehende 3. Tagung des Internationalen Expertenteams des Humboldt Forums Ende Januar 2018. Bei einer öffentlichen Abendveranstaltung am 26. Januar 2018 geben drei Mitglieder des Expertenteams gemeinsam mit zwei Kuratoren des Museums für Asiatische Kunst und einer Kuratorin des Ethnologischen Museums Einblicke in drei Ausstellungsmodule des künftigen Humboldt Forums.

Ebenfalls international, ja global ist der Fokus von „Welche Zukunft?“, einer Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin und der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die im April in die zweite Runde geht. Im September 2017 waren Wissenschaftler und Öffentlichkeit ins Deutsche Theater geladen, um gemeinsam mit Film- und Theaterregisseur Andres Veiel und Jutta Doberstein ein fiktives aber faktenbasiertes Zukunftsszenario für die nächsten 10 Jahre zu entwerfen. Am 21. und 22. April 2018 werden nun die dringendsten Ereignisse und Probleme dieses Szenarios aus internationaler Perspektive im Rahmen des Symposiums Der nächste Staat untersucht.

Als neuen Leiter des Bereichs Geschichte des Ortes begrüßt die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss zum 1. Februar 2018 Dr. Alfred Hagemann. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Kurator sowie seinen Forschungen zur preußisch- deutschen Geschichte wird er das Team und die Arbeiten im Humboldt Forum ebenso bereichern, wie mit seinen Kenntnissen zur staatlichen Repräsentation und Selbstdarstellung der DDR, die er bei der Wiedereinrichtung von Schloss Schönhausen erwarb.

Bauvorstand Hans-Dieter Hegner stellte die Meilensteine für 2018 auf der Baustelle vor. Das ist zunächst die Einbringung der Großobjekte aus Dahlem. Südseeboote und Südseehäuser sowie die buddhistischen Höhlenmalereien von der Seidenstraße sind wohl die bekanntesten Exponate der Dahlemer Sammlungen. Restaurierung, Transport und Einbringung dieser Objekte ins Humboldt Forum sind eine besondere Maßnahme, die in den Bauablauf eingetaktet werden musste. Die großen Objekte kann man nicht vollständig auseinanderbauen. Sie werden zum Teil im Stück ins Humboldt Forum gebracht. Dafür wurden u.a. an der Innenfassade zum Foyer große Öffnungen freigelassen, die erst verschlossen werden, wenn die Objekte in den weitestgehend fertiggestellten Ausstellungskuben sind. Die Objekte müssen dann noch ein Jahr gut geschützt auf der Baustelle ausharren. Rings herum wird zu Ende gebaut.

Bis Ende April 2018 müssen die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, dass die großen Transportkisten über Portal 3 und das Foyer in die Ausstellungskuben gelangen können. Die Transporte sollen von Ende Mai bis August stattfinden. Nach dem baulichen Verschließen der Räume wird mit einer temporären Anlage für die notwendige Klimatisierung gesorgt und die Sicherheitsanforderungen umgesetzt. Ab März 2019 werden die Staatlichen Museen beginnen, ihre Exponate in der Ausstellung zu platzieren. Das ist dann auch der Zeitpunkt, zu dem eine reguläre Klimatisierung umgesetzt ist und die Kisten ausgepackt werden.

Ein weiterer Meilenstein ist natürlich die Fertigstellung und dann die Ausrüstung der rekonstruierten historischen Schlossfassaden. Eine erste Musterfassade wurde schon im Sommer 2017 zum Tag der offenen Baustelle präsentiert. Bis Juni 2018 werden nunmehr alle Fassaden fertiggestellt. Dann fallen die Gerüste und das Gebäude erstrahlt in seiner ganzen barocken Pracht. Der Putz besteht aus 3 Lagen, die Fertigung der Bossen im Erdgeschoss ist höchst anspruchsvolles Handwerk, die Farbgebung war Expertenarbeit. Die wohl schönste Barockfassade bietet der Schlüterhof. Es ist geplant, dass zu den Tagen der offenen Baustelle im Spätsommer 2018 im dann weitestgehend fertiggestellten Schlüterhof ein großes klassisches Konzert stattfindet.

Für den Schlüterhof und das Außenportal 3 werden 2018 ca. 20 Modelle für die Kolossal-Figuren erstellt. Bisher wurden zwei Figuren in Stein hergestellt (Borussia und Antinous). Viele Figuren sind verschollen und müssen nach Fotos wiederhergestellt werden, d.h. Anfertigen von Bozzetti und 1:1-Gipsmodellen. Bei einigen Figuren sind Originale und Fragmente erhalten, die zum Abformen von 1:1- Modellen herangezogen werden können. Die vor der Sprengung des Schlosses geretteten Original-Figuren oder aufgefundenen Fragmente werden restauriert und zukünftig im Skulpturensaal im Spreeflügel ausgestellt. Der Saal ist Teil des „Museum des Ortes“. Zerstörung und Bewahrung liegen hier dicht beieinander und zeigen gleichzeitig die Schönheit und Zerbrechlichkeit großer Kunst. In der Restaurierung befinden sich auch Ausstellungselemente für den Schlosskeller, u.a. sind dies originale, 300 Jahre alte Eichenholzpfähle der historischen Schlossgründung.

Die Staatlichen Museen setzen im internationalen Vergleich sehr hohe Standards für ihre Exponate. Diese Nutzeranforderungen will die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss bei hoher Betriebssicherheit und ausgezeichneter Effizienz erfüllen. Dazu gibt es z.B. ein ausgeklügeltes Konzept für die Klimatisierung. Es wird eine thermische Bauteilaktivierung über die Decken installiert.

Die Lüftungsanlage steuert thermisch und feuchtetechnisch. Geothermische Anlagen und Eisspeicher sind neben den Kältemaschinen Teil einer nachhaltigen Energiebereitstellung. Die Anlagen werden im Laufe des Jahres 2018 installiert und Ende 2018 schrittweise angefahren.

 

 

Quellen  Text: Pressemitteilung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss; Fotos: Gritt Ockert, Förderverein Berliner Schloss e.V.