„Reisebusse sollen von der Museumsinsel verbannt werden“

11.02.2019  Berliner Morgenpost

Ein neues Konzept sieht die Streichung aller Parkplätze rund um die Museumsinsel vor – Verhandlungen mit dem Senat.

Von Christian Latz

Um den vielen Reisebussen in der historischen Mitte Berlins Herr zu werden, sollen diese nahezu komplett aus dem Stadtzentrum verbannt werden. Das fordert der Verkehrsverein Changing Cities vom Senat. Er hat dafür ein entsprechendes Konzept erarbeitet, das der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt. Die Pläne sehen vor, dass alle 85 Busparkplätze rund um Museumsinsel, Nikolaiviertel und Unter den Linden verschwinden.

Stattdessen sollen am Rand des historischen Stadtkerns sieben Kurzhaltestellen eingeführt werden, an denen Reisebusse Touristen absetzen und wieder aufnehmen können. Parken sollen die Fahrzeuge in der Zwischenzeit auf zwei neuen Busparkplätzen an der Karl-Marx-Allee und der Straße des 17. Juni, deren Einrichtung der Verkehrsverein fordert.

Busse können direkt an Sehenswürdigkeiten parken

Bisher verteilen sich die Parkflächen für Reisebusse im Zentrum an 18 Orten mit bis zu je 14 Stellplätzen. Busse können dadurch direkt an Sehenswürdigkeiten wie Berliner Dom oder Pergamonmuseum parken. Von einer „Entwertung der historischen Mitte“ spricht Stefan Lehmkühler vom Verkehrsverein. „Berlins historischer Kern darf nicht zum Busparkplatz verkommen.“ Damit die sperrigen Transportmittel aus dem Stadtbild verschwinden und sich zudem die Verkehrs- und Umweltbelastung verringert, sollen sie das Zentrum nach den Plänen von Changing Cities möglichst nicht mehr passieren.

„Berlin gewinnt dadurch Stadtraum und zusätzliche Attraktivität für die historische Mitte“, so Lehmkühler. Die frei werdenden Flächen böten Raum für mehr Bäume und Stadtgrün. Die geplanten Kurzhaltestellen sollen sich entlang der Friedrich- und Leipziger Straße befinden sowie am Alexanderplatz. Nur einen Kurzhalteplatz sieht das Konzept innerhalb des Stadtkerns vor: an der Karl-Liebknecht-/Ecke Spandauer Straße.

Man begrüße das Konzept sehr, sagte ein Sprecher der Stiftung Humboldt Forum für die Interessengemeinschaft (IG) Museumsinsel der Berliner Morgenpost. Die Interessengemeinschaft ist ein Zusammenschluss, zu dem auch die staatlichen Museen und der Berliner Dom gehören. Ein 2018 von ihnen in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten sei zu denselben Schlüssen gekommen.

Auch Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sieht am neuen Stadtschloss oder an der Friedrichstraße nicht den richtigen Ort für Stellflächen. „Dort ist kein Platz für Busparkplätze.“ Gleichwohl spricht er sich weiterhin für Kurzhaltemöglichkeiten auf der Museumsinsel und im Zentrum aus. Denn unter den Touristen seien viele ältere Menschen. Außerdem seien viele Busreisen eng getaktet. Gegen das Konzept ist der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici (CDU): „Verkehrsvermeidung ist nicht immer die Lösung.“ Die bestehenden Parkflächen sollten erhalten bleiben und um leistungsfähige Busstellplätze unter der Erde erweitert werden.

Bis zu 28 Reisebusse in einer Stunde am Schloss

Die Senatsverkehrsverwaltung verweist darauf, dass der Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee für Busparkplätze nicht infrage käme, weil dies die Sichtachsen beeinträchtigen würde. Zudem sei dort der Denkmalschutz zu berücksichtigen. Die Verwaltung hat bereits ein eigenes Buskonzept für die Museumsinsel vorgelegt. Danach sollen nach der Eröffnung des Humboldt Forums keine Reisebusse mehr auf der Museumsinsel parken.

Vorgesehen sind jedoch Halteplätze vor dem Haupteingang des Schlosses und drei Haltebuchten an der Breiten Straße. „Die Busse sollen dann auf ausgewiesenen Plätzen in der Innenstadt parken, bis sie die Gäste wieder abholen“, sagte eine Sprecherin der Verwaltung. Zudem soll eine Schranke an der Zufahrt zur Museumsinsel dafür sorgen, dass nur Busse mit angemeldeten Gruppen durchkommen. Eine App soll über in der Nähe ausgewiesene freie Busparkplätze informieren. Dies sei eine „deutliche Verbesserung zum jetzigen Zustand“, sagte die Sprecherin.

Das sieht nicht nur Stefan Lehmkühler von Changing Cities anders. Auch die Anrainer auf der Museumsinsel sind mit den Senatsplänen unzufrieden. „Warum muss man mit Bussen auf das Weltkulturerbe Museumsinsel fahren?“, fragte Svenja Pelzel, Sprecherin des Berliner Doms. Die Forderungen des Verkehrsvereins deckten sich mit denen der IG Museumsinsel in vielen Punkten. „Wir sind für Busverkehr, aber die Menschen müssen ein paar Meter gehen“, sagte Pelzel.

„Das Konzept des Senats von 2008 ist veraltet“, sagte Michael Mathis, Sprecher der Stiftung Humboldt Forum. Man müsse künftig in Spitzenstunden mit „bis zu 28 Reisebussen“ kalkulieren. Doch seit Juni 2018 sei „die Kommunikation mit dem Senat zum Erliegen gekommen“. Die Erwartungen an ein für diesen Montag angesetztes Gespräch mit Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) seien „entsprechend hoch“.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 11.02.2019

 

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