„Region spendet für das Berliner Schloss“

18.05.2021 – Deister- und Weserzeitung

Deshalb machte sich der Freundeskreis Hameln-Pyrmont für den Wiederaufbau stark

Von Christian Branahl

Die Faszination lässt Dietrich Burkart spüren, wenn der Hamelner vom Wiederaufbau des Berliner Schlosses erzählt. Durchaus umstrittene Pläne, wie er sie sich in die Erinnerung zurückruft, aber sie seien über viele Jahre von den Befürwortern mit Herzblut vorangetrieben worden.

Das Ergebnis könne sich sehen lassen, erzählt Burkart von einem Besuch hinter den barocken Fassaden nach Abschluss der Arbeiten. „Wir freuen uns alle, daran finanziell beteiligt zu sein“, sagt er als Sprecher des Freundeskreises Hameln-Bad Pyrmont im Förderverein Berliner Schloss. 60.000 Euro sammelten die heimischen Mitglieder in den vergangenen Jahren, um in der Hauptstadt an der Rekonstruktion mitzuwirken. „Eine stolze Summe“, findet Burkart. Gemessen an der Einwohnerzahl liege der Landkreis im bundesweiten Vergleich der Freundeskreise weit oben.

Als international ambitioniertes Kulturprojekt bestimmt das im Dezember eröffnete „Humboldt Forum“ nun verstärkt die öffentliche Wahrnehmung. Nach sieben Jahren Bauzeit soll das 677 Millionen Euro teure Projekt hinter der teilweise rekonstruierten Barockfassade des Berliner Schlosses in drei Etappen bis Ende 2021 erweitert werden.

Das „Humboldt Forum“ nutzen künftig zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate etwa aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. „Damit ist ein weltweit einmaliges kulturelles Ensemble entstanden“, meint der Hamelner Burkart. Dass sich aber im Weserbergland Spender fanden, hängt vor allem mit dem früheren Stadtschloss der Hohenzollern zusammen, das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und dann 1950 auf Veranlassung der DDR-Verantwortlichen gesprengt wurde.

Burkart scharte mit Karin Lücke-Bäder und Jescow von Puttkamer zwei weitere Mitstreiter um sich, um über die Mitglieder des Freundeskreises den Wiederaufbau zu unterstützen. Eine Ausstellung in der Hamelner Stadtgalerie, an der vor gut einem Jahrzehnt Bildhauer beteiligt waren, die später am neuen Berliner Schloss arbeiteten, hatte einst seine Neugierde geweckt. Gibt es nicht im Landkreis dringende historische Sanierungsobjekte, die Geld benötigen? Das weiß Burkart als Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nur zu gut – doch das ist für ihn kein Widerspruch. „Ich sehe Sinn darin, mit dem Schloss ein Monument von nationale Bedeutung wiederzuerrichten“, sagt er und fügt für den Freundeskreis hinzu: „Da können und wollen wir nicht abseits stehen.“

Motiviert worden seien die Unterstützer durch Wilhelm von Boddien, dem Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss. „Ein leuchtendes Beispiel dafür, wie sich Menschen begeistern lassen“, meint Burkart über ihn. Der Geschäftsführer hatte dem Bundestag vor dessen historischer Abstimmung zu diesem Bauvorhaben im jähr 2002 ein ehrgeiziges Versprechen gegeben: Er wolle 80 Millionen Euro an privaten Spenden einsammeln, damit das Schloss mit seinen barocken Außenfassaden sowie im Schlüterhof originalgetreu rekonstruiert werden könne.

Nach dem international ausgelobten Architektenwettbewerb 2008 erwies sich sogar ein zusätzlicher Betrag als notwendig. Im Dezember hatte von Boddien das Ziel erreicht: 105 Millionen Euro Spenden waren zusammengekommen. Burkart: „Und wir haben mit dazu beigetragen.“

 

Quelle: Deister- und Weserzeitung, 18.05.2021

 

 

 

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