„Die Schlösser von Berlin und Rheydt“

19.03.2019 Rheinische Post

Beim Matinee-Vortrag der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft ging es um Spendensammlungen für den Bau des Berliner Schlosses und bürgerschaftliches Engagement.

Von Marcel Kolb

Sie sind beide für ihre Region herausragende Schlösser. Sie haben beide eine wechselvolle Vergangenheit. Der Finanzierung Wiederaufbau beider Schlösser liegt oder lag zumindest teilweise in privater Hand. Am Sonntag kamen Vertreter der jeweiligen Fördervereine im Schloss Rheydt zusammen. Im voll besetzten Rittersaal hielt Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des privaten Fördervereins „Berliner Schloss“, einen Vortrag zu Geschichte und Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Es wird unter der Bezeichnung „Humboldt Forum“ als Kulturzentrum wiederaufgebaut. Dabei wird der Kernbau staatlich, die historischen Schlossfassaden über Spenden finanziert. Diese Spenden werden vornehmlich gesammelt über den Förderverein „Berliner Schloss“.

Auch hier gibt es eine Parallele zu Mönchengladbach: „Der Verein ,Rettet Schloss Rheydt“ hat in den 1980er und 1990er Jahren fast eine Million Mark für den Wiederaufbau gesammelt. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement wäre der Wiederaufbau nicht möglich gewesen“, sagte Bürgermeister Ulrich Elsen, stellvertretender Vorsitzender der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft, die von Boddien eingeladen hatte.

Der 1992 gegründete Förderverein „Berliner Schloss“ hat das Ziel, Spenden für den Wiederaufbau der historischen Fassaden des Berliner Stadtschlosses zu sammeln. Insgesamt sind dafür 105 Millionen Euro notwendig. Wilhelm von Boddien dazu: „Wir sind optimistisch: Wer bereits 93 Millionen Euro an Spenden gesammelt hat, den dürfen auch die restlichen zwölf Millionen Euro nicht schrecken.“

Diesen Optimismus transportierte von Boddien in seinem Vortrag. Das Berliner Stadtschloss sei ein zentraler Bezugspunkt im Berliner Städtebau. Er platziert den Bau des Schlosses in der Berliner Stadtgeschichte. Berlin sei „dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein“, beschrieb der Kunstkritiker Karl Scheffler die Hauptstadt des Deutschen Reiches im Jahr 1910. Von Boddien ordnet diesen Ausspruch ein in die „Phase eines enormen Umbruchs“, die Berlin in dieser Zeit durchlaufen habe. Auch das Berliner Schloss habe sich im Laufe seiner jüngeren Geschichte stark verändert: Mitt des 15. Jahrhunderts erbaut, war es zunächst Residenzschloss der Hohenzollern, wurde später erweitert und zunächst königlich-preußische und ab 1871 kaiserliche Residenz. Im zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt. Anstelle eines Wiederaufbaus wurde es in der DDR abgerissen. An der Stelle des Schlosses wurde der „Palast der Republik“ errichtet, dieser wurde ab 2006 abgerissen.

„Das Berliner Stadtschloss ist ein Kulturgut von großer Bedeutung. Daher freuen wir uns sehr, dass Wilhelm von Boddien unserer Einladung gefolgt ist.“, sagte Rolf Keuchen, Vorsitzender der Otto-von-Bylandt-Gesellschaft. Nicht nur die Schlösser haben Gemeinsamkeiten, auch die Fördervereine: „Wir versuchen beide, etwas für die Kultur zu tun“, sagte Keuchen.

 

Quelle: Rheinische Post, 19.03.2019

 

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