„Debatte um freien Eintritt in Berlins Museen“

06.01.2020 Berliner Morgenpost

Das Humboldt Forum wird in großen Teilen zunächst kostenlos sein. Das hat auch Folgen für die benachbarten Häuser.

Von Gerd Groth

Für einen guten Start des geplanten Humboldt Forums in Berlin reicht kostenloser Zugang aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters allein nicht aus. „Erfolg werden wir vor allem mit einer Kombination aus freiem Eintritt und klugen Vermittlungsstrategien haben“, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Die Frage sei, wie Barrieren abgebaut und attraktive Formate für sehr verschiedene Zielgruppen geschaffen werden können. „Kulturangebote müssen niedrigschwellig und buchstäblich anziehend sein“, betonte die Kulturstaatsministerin.

Das 40.000 Quadratmeter umfassende Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss soll von September diesen Jahres an in drei Phasen eröffnet werden. Das Kultur- und Ausstellungszentrum bespielen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei seiner Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien und Objekte zur Geschichte Berlins. Zudem sollen Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft vermittelt werden.

In weiten Teilen des Forums wird in den ersten drei Jahren kein Eintritt verlangt. Für die Bundesregierung ist das ein Pilotprojekt. Berlin will für seinen Teil des Forums aus Kostengründen aber Eintritt verlangen. Darum hatte es bereits im Frühjahr vergangenen Jahres eine Debatte gegeben. „Bei freiem Eintritt fehlen uns die Einnahmen, das muss irgendwie kompensiert werden“, argumentierte damals Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH, die diese Ausstellung im neuen Schloss betreut.

Gezielte Angebote für sehr unterschiedliche Zielgruppen

Grütters warf einen kritischen Blick zurück auf die Museumsarbeit: „Die kulturelle Vermittlung war in Deutschland leider jahrelang nicht auf dem Niveau, das ich in internationalen Museen beobachtet habe.“ Lange Zeit habe hier die Zahl der Kuratoren die der Vermittler bei Weitem überstiegen. Gleichzeitig „konnte man in Museen von Brasilien über Amerika bis Frankreich eine klare Priorität der kulturellen Vermittlung wahrnehmen“, sagte Grütters.

Inzwischen sei auch Deutschland viel weiter, die Zahl der netzaffinen Angebote wachse. „Neue, sehr heterogene oder internationale Zielgruppen werden gezielt angesprochen. Aber auch klassische Besucherinnen und Besucher werden intensiver gepflegt und bekommen kluge Angebote.“ Bei der Vermittlungsarbeit habe es ein Umdenken gegeben. „Zunehmend werden an den Museen nicht nur Kunsthistoriker, sondern auch Pädagogen eingestellt.“

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 06.01.2020

 

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