„Bau des Einheitsdenkmals beginnt – unter Protest“

19.05.2020  Berliner Morgenpost

Das Einheitsdenkmal entsteht in Berlin vor dem Humboldt Forum. Während des Baubeginns gab es Protest.

Von Julian Würzer

Ein Bagger steht auf der Schloßfreiheit in Mitte und hat bereits die ersten Bodenplatten weggeschaufelt. Nach jahrelangen Verzögerungen haben am Dienstag die Bauarbeiten für das rund 17 Millionen Euro teure Freiheits- und Einheitsdenkmal begonnen. Der offizielle Spatenstich soll einer Pressemitteilung des Kultusstaatsministeriums zufolge in Kürze erfolgen. Das Denkmal, das als Waage konzipiert ist, entsteht auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem Humboldt Forum. Es soll an die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern. In den kommenden Wochen soll der Sockel mit Sand aufgefüllt werden, um als Fundament zu dienen. Kritiker protestierten gegenüber der Baustelle.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zeigte sich „erleichtert“ über den Baustart für das Denkmal. Der Berliner Morgenpost sagt die Politikerin: „Ich wünsche mir, dass das Denkmal nach seiner Fertigstellung breite Akzeptanz erfährt und ein Ort für friedliche Begegnung und des Austausches für Menschen aller Nationen wird.“ Das Freiheits- und Einheitsdenkmal sei ein Symbol für die Werte von Freiheit, Einheit und Demokratie.

Der Entwurf stammt vom Stuttgart Büro Milla Partner. Der Gestalter des Denkmals Sebastian Letz sagte der Berliner Morgenpost: „Das Denkmal ist eine soziale Skulptur. Sie gewinnt Leben, wenn die Besucher sich zusammenfinden, verständigen und gemeinsam bewegen.

Bau des Einheitsdenkmals: Es gab Verzögerungen

Zuletzt hatte es weitere Verzögerungen wegen der im Sockel lebenden Wasserfledermäuse  gegeben. Ende April hat die Oberste Naturschutzbehörde des Landes Berlin dem Bund offiziell eine Ausnahmegenehmigung für ein naturschutzrechtliches Konzept erteilt. Für die Fledermäuse sollen an den umliegenden Brücken Ersatzmaßnahmen geschaffen werden.

Am Dienstag regte sich aber auch Protest gegen den geplanten Bau vor dem Humboldt Forum. Annette Ahme vom Verein Berliner Historische Mitte forderte den Baustopp und die Umverteilung des Geldes, etwa an Künstler, die finanziell besonders unter der Corona-Krise leiden. Auch Heike Schlasse, Geschäftsführerin des Vereins Denk mal an Berlin e.V., gehört zu den Gegnern des Projekts auf der Schloßfreiheit. Sie wisse, dass ein Baustopp des Denkmals aussichtslos erscheine. Dennoch sagt sie: „Wir dürfen das aber nicht akzeptieren.“

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 19.05.2020

 

 

13 Kommentare zu “„Bau des Einheitsdenkmals beginnt – unter Protest“

  1. Wird hier eigentlich sichergestellt, dass die noch zu einem großen Teil vorhandenen Mosaike des ehemaligen Nationaldenkmals unbeschädigt bleiben?
    Diese sind ja durchaus wert, geschützt zu werden.

  2. Es macht fassungslos, das an solch herausgehobener Stelle, die noch dazu ein Bodendenkmal ist, ein solch pseudo-künstlerischer Unsinn entsteht. Keiner will es, die Mehrheit ist eindeutig dagegen positioniert, dennoch wird dieser Unsinn, der ein Denkmal beschädigt und Unsummen verschlingt, gebaut. Hier zeigt sich die wahre Demokratie – diese Betonschaukel soll demokratische Entscheidungen symbolisieren, ensteht aber auf Basis des Gegenteils. Darüber hinaus ist dieses Gebilde an Lächerlichkeit kaum zu toppen, wird schon heute als Affenschaukel veralbert. Neben Haralds Leber nun also noch die Affenschaukel. Berlin macht sich wieder einmal zur Lach- und Kopfschüttelnummer. Hoffentlich wird der Unsinn bald wieder abgetragen. Warum baut man den Unsinn nicht vor dem Bundestag/Reichstag? Dort ist Platz – aber die Politik scheut wohl ein Symbol der „Verschaukelung“ vor ihrer direkten Wirkungsstätte. Eine Schande!

  3. Unterschiedliche Ansichten und Meinungen bilden die Grundlage für eine Meinungsfreiheit .
    Diese Erkenntnisse nützen aber niemanden etwas, wenn Diese Meinungen, die auf Erfahrungen basieren nicht erhört werden.

    Wenn Kulturgut zerstört wird um der Vergangenheit ihr Gesicht zu nehmen, dann kann heute niemand die Tragweite dieses Verlustes erfassen .
    Was rechtfertigt ein derartiger Entschluss,
    der nicht rückgängig gemacht werden kann?
    Ein Trojanisches Pferd, in Form einer Wippe..

  4. Ein Denkmal wird errichtet mit der Aufschrift: Wir sind das Volk! An diesen von Hunderttausenden gerufenen Satz, der eine Diktatur zu Fall brachte, soll das Denkmal erinnern, und diese Absicht ist sehr gut. Die Form des Denkmals aber gefällt denen nicht, die es ehren soll: Das Denkmal in Form einer Wippe wird von einem überwältigend großen Teil des Volkes abgelehnt! Dies ist bekannt, dennoch wird es gebaut. Ein größerer Widersinn ist nicht denkbar: Die Demokratie, die erhoben werden soll, wird in den Dreck geschmissen!

  5. Ich kann mich den vorhergehenden Stellungnahmen nur anschließen. Für meine Empörung finde ich allerdings keine Worte. „Frechheit“ und „Unverschämtheit“ sind zu schwache Begriffe, um diese Verhöhnung der epochalen Wende zu Freiheit und Einheit und gleichzeitig die Verschandelung der Umgebung durch eine abstrus kostspielige Kindergarten-Installation zu verurteilen. Sicher ist, die Parteien- und Parlamentsherrschaft zeigt wieder einmal, daß sie im Gegensatz zur Demokratie steht und daß Lammert und Thierse u. a. als Protagonisten dieser Herrschaft entschieden haben, was das unmündige Volk zu schlucken hat. Hoffentlich erlebe ich noch, daß dieses Machwerk wieder zerschniten und entsorgt wird. Nicht alles, was eine demokratiefeindliche Obrigkeit inszeniert, hat Bestand. Auch „DDR“-Ministerpräsident Grotewohl verkündete 1950, als das Schloß abgerissen werden sollte: „Jetzt schreien alle, und wenn das Schloss weg ist, kräht kein Hahn mehr danach.” Er hatte sich geirrt.

    1. Nein!
      Man kann zu dieser Wippe stehen wie mal will, aber diese Stelle ist so ziemlich der unpassendste Ort, denn man sich denken kann! Soll dieses Ding vor den Bundestag oder wo auch immer. An der geplanten Stelle wird sie immer ein Fremdkörper sein!
      ES IST EIN STILBRUCH SONDERGLEICHEN!

  6. Die heutige Grundsteinlegung ist ein Affront gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung, die für den Wideraufbau des Berliner Schlosses Karft und Geld geopfert haben. In den Augen des jetzigen Senates und der Bundesregierung wird alles unternommen, die Geschichte unseres Vaterlandes neu zu interpretieren. Das schafft auch eine Wippe (Affenschakel) für 17 Mill. Euro nicht. Vielleicht ist der Abriß bald in Aussicht.

  7. Denkmäler sollen an historische Ereignisse zur Freude, zum Gedenken oder zur Mahnung erinnern. Solche Ereignisse waren zweifellos die friedliche Revolution 1989 und die Einigung der Deutschen. Das verdient ein Denkmal. Ein solches Ereignis war aber auch die durch den 1870/71er Krieg erreichte Einigung der Deutschen nach der Zerschlagung des alten Reiches durch Napoleon 1806 und nach der Zurückweisung der Ansprüche Napoleons III.
    Es gibt eine Regel: Man lässt alte Denkmäler stehen, auch wenn sie künstlerisch und symbolisch fragwürdig erscheinen mögen. Es ist eine Unkultur, das Erinnern an historische Ereignisse zu löschen und durch „zeitgemäße“ Denkmäler zu ersetzen. Wilhelm „der Große“ war sicher in neobarocker Manier als Held zu Pferde geschmacklich völlig überzogen. Aber das Nationaldenkmal war primär ein Denkmal für die wieder gewonnene Einigung der Deutschen. Wäre es nicht richtiger gewesen, nach dem Vandalismus der Zerstörung durch Ulbricht die Kolonnaden wieder aufzubauen, um an die Einigung von 1871 zu erinnern und das Denkmal für 1989 doch an anderer Stelle aufzubauen? Wenn wir geschichtsvergessen frühere Denkmäler entfernen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn heute errichtete Denkmäler morgen wieder zerstört werden.

  8. Ich finde es aber gut und verantwortungsvoll, dass wegen der Wasserfledermäuse der Bau verzögert wurde. Sehr vorbildlich! Was die Proteste der Bürger, nicht nur Berlins betrifft, geht eseinem doch den A…herunter. [Sarkasmusmodus aus]

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