Gelöschtes Niveau

Lieber Webmaster,

ich verstehe Ihre Begründung nicht ganz, warum die vorigen Beiträge gelöscht wurden. Ich finde es im Gegenteil sehr aussagekräftig – wenn das die Art und Weise ist, wie über das Thema (oder eben nicht über das Thema) „diskutiert“ wird, zeigt es doch wie „wichtig“ und „würdig“ das ganze in Wirklichkeit ist. Da werden einem abwechselnd Pfannekuchen aus einer übernatürlichen Erscheinung oder Fäkalien angeboten, im Aufeinanderprallen der Schloß- gegen die Palastlobbyisten wird sich regelmäßig gegenseitig Verbohrtheit und Rückständigkeit vorgeworfen, ständig werden auch irgendwelche Rechtschreib- und Tippfehler angeprangert oder man wird pauschal als ungebildet geoutet, weil man gerade nicht das neueste Wilhelm Busch Zitat kannte. Ich fand das alles sehr passend für diese „Auseinandersetzung“ um den Schlossplatz. Wenn Sie jetzt durch Ihre Löschaktion dieser Beiträge versuchen Niveau in etwas zu bringen, was ja anscheinend kaum welches hat, ist das genauso verfälschend wie diese Aussagen, dass „das ganze deutsche Volk (wer ist denn das dann eigentlich genau?) hinter dem Wiederaufbau steht“.

Zum Glück sind ja schon wieder genügend andere Beiträge dieser Art zu lesen um zu dokumentieren wie niveauvoll man doch auf diesen Seiten sein muss. Jetzt meldet sich die Reinkarnation eines Monarchen zu Wort und findet auch gleich untertänigste Diener (wenn wir sonst keine Probleme haben) oder die Herren der Schöpfung freuen sich wie Bolle, mit einer Abrissbirne mal so richtig gegen den Palast „rumsen“ zu dürfen. Wirklich, das zeugt von hohem Niveau und überlegener Bildung und entspricht auch voll und ganz den demokratischen und gebildeten Prinzipien: wenn sich wo auch immer FÜR etwas entschieden wurde legitimiert das auch gleichzeitig jede Art von Diskreditierung oder standgerichtlichen Zerstörung der Alternativen, GEGEN die entschieden wurde. Schade, dass ich so ungebildet bin um zu verstehen, was das alles auf andere Auseinandersetzungen projiziert bedeuten würde. Und Leute, die wirklich was zu sagen hatten wie Herr Sebastian v. E. oder Herr Hartmann haben sich (nachvollziehbarerweise) anscheinend aus dem Forum zurück gezogen.

Deshalb ist meine Bitte, nicht alle Beiträge zu löschen sondern lieber zu kommentieren. Gelöschte Beiträge sind sonst genauso ausradierte Zeitzeugen wie existente Gebäude, die Wiederaufbauplänen der Elite (s.o.) weichen müssen.

PS: ich freue mich schon auf die zahlreichen Anmerkungen, was meine Orthographie betrifft, hingewiesen zu werden. Bitte achten Sie dann aber auf die neue Rechtschreibung.

Liebe Grüße

9 Kommentare zu “Gelöschtes Niveau

  1. mohr schrieb:
    "Gelöschte Beiträge sind sonst genauso ausradierte Zeitzeugen wie existente Gebäude, die Wiederaufbauplänen der Elite (s.o.) weichen müssen."

    Wie sehen Sie das eigentlich im Zusammenhang mit politisch-ideologisch motivierten Kirchen-, Schlösser-, Denkmal- und Flächenabrissen in mittelbarer und unmittelbarer Nachkriegszeit?

  2. Der eine schreit sich den Haß aus dem Gesicht, der andere kommt ironisch daher, der Ungeist bleibt derselbe, ob in bewährter oder in Schlimmschreibweise.
    Wovor habt Ihr eigentlich solche Angst?

    Wir wissen nicht, was der Psychotherapeut Ihrer Wahl empfiehlt, wir empfehlen die Reko des Berliner Stadtschlosses!

  3. Im Prinzip haben Sie recht – und dennoch, ich habe was gegen Fäkalsprache. Liegt vielleicht daran, dass ich solch einen öden Umgang nicht gewohnt bin und mich auch nicht daran gewöhnen will.Es bedarf keiner so ordinären Wortwahl, um intelligent und witzig zu sein. Ich finde , ich lasse schon eine Menge zu, aber an die Spielregeln, die im Vorspann erwünscht werden, sollte man sich bei uns schon halten. Sonst wird eben gelöscht. Die Seite einschließlich der inzwischen über 4000, von jedem nachlesbaren Beiträge, verliert dadurch nichts, sondern gewinnt.

  4. Hallo ein Gast,

    wir sind, glaub ich, so noch nicht richtig miteinander ins Gespräch gekommen, deshalb nur der Hinweis, dass ich nicht Mohr bin – ich poste einzig unter dem Pseudonym "Moses".

    Zu Ihrer Frage: ich habe schon oft betont, dass ich jede Art von wie auch immer motivierten Abrissen nicht gutheißen kann (wenn sich nicht nach dem Abwägungsgebot und nach einer möglichen Konsensentscheidung herauskristalisiert, dass an der und der Stelle ein Substitut für ein bestehendes Bauwerk "besser" ist). Warum sollte ich also bei Abrissen und Zerstörungen nach dem 2. Weltkrieg von diesem Prinzip abweichen? Doch gerade durch diese Prinzipientreue ist es doch für mich nicht nachzuvollziehen, warum der Abriss des Palastes, die Diskreditierung der (Ost-) Moderne oder ein jetzt möglicher Abriss der Deutschlandhalle oder des ICC BESSER sein sollen als die Sprengung des alten Schloßes, etlicher Kirchen oder des Anhalter Bahnhofes?!

    Nehmen wir das Beispiel Frankreich – mit zwei Hafenstädten (Le Havre und St. Marlo) wurde nach dem Krieg völlig unterschiedlich umgegangen: die eine wurde relativ nahe am historischen Erscheinungsbild rekonstruiert und die andere nach völlig anderen Grundsätzen "modern" aufgebaut – ähnlich wie Münster und Kassel in Deutschland. Mit welchem Recht dürfte ich nun daherkommen und das heutige Kassel oder Le Havre abreißen, nur weil es nicht so schön rekonstriert wurde wie St. Marlo oder Münster?! Der damalige Abriß (auch aus Unvermögen damit besser umzugehen) und neue Formen wie die Terassenstraße oder eben der Palast sind selbst Zeitzeugen geworden. Wenn man diese nun genauso blind wie damals preisgibt, tut man ihnen genauso unrecht, ohne dabei den dann wieder hergestellten Imitaten der Originale wirklich einen Gefallen zu tun.

    Es gab in den Nachkriegsjahren durchaus radikale Denkmalpfleger, die regelrecht forderten, nichts wieder aufzubauen, weil die Lücken Aussagen sind und die Nachwelt diesen Verlust als Mahnung ertragen muss. Was warnt mehr vor einem Krieg und was bleibt den Menschen mehr in Erinnerung – eine Lücke, eine Ruine und die Geschichte der Zerstörung dazu oder ein wiederaufgebautes Imitat?!

    Ein richtig gutes Beispiel finde ich da die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und die Eiermannkirche als neue Rahmung – auch gerade wegen seiner kontroversen Entstehungsgeschichte. Ein richtig schlechtes fände ich den Schloßbau – er würde Geschichte wegradieren. Und der von mir geforderte zumindest anzustrebene Konsens ist weit weg, da nützt es auch nichts wie Herr Minister Stolpe von einem "Ort der Veröhnung" zu sprechen oder wie viele Beiträge hier meinen "der Stadt etwas Gutes zu tun wo ALLE Deutschen dahinterstehen."

    Nur durch Schönreden wird es nicht richtiger. Und ich stelle sogar die These auf, dass es besser wäre noch weitere 15 Jahre wirklich zu diskutieren anstatt derart überzogen und finanzintensiv etwas dermaßen umstrittenes zu zun – und dieses Forum ist der beste Beweis, dass eigentlich noch viel Gesprächsbedarf wäre.

    Liebe Grüße

  5. Deutschland hat sich in eine unsägliche Schwatzbude verwandelt; der Wiederaufbau des Stadtschlosses wurde um 15 Jahre verschleppt und abgesehen von Moses möchten doch die meisten Menschen das Schloß auch noch zu Lebzeiten betreten, oder?
    Und in dem von Moses und Co. favorisierten Gesellschaftssystem wurde überhaupt nicht geschwätzt, da erfolgte der Ukas von Stalins, Ulbrichts oder Honeckers Gnaden und der Hammer fiel, nicht wahr?
    Auf Zeugnisse dieser Geschichtsepoche, die von späteren Historikern sicher einmal als die größte Perversion in der Menschheitsgeschichte betrachtet werden wird, können wir getrost verzichten.

  6. Tschuldigung, aber das hat mich jetzt nur noch zum Lachen gebracht – tut mir echt leid, war sicherlich nicht lustig gemeint. Und nochmal für alle: ich bin nicht Mo, noch Mohr noch der wahre Moses oder sonstwer. Bitte stellen Sie keine Aussagen, die nicht von mir gemacht wurden mit mir in Zusammenhang. Ich habe doch unter dem Pseudonym Moses wirklich schon sehr viel hier geschrieben, da muss man mir nicht noch die Beiträge anderer Teilnehmer zuschreiben. Und auch wenn Mohr und ich offensichtlich nicht zu den Schloßbefürworter gehören, gibt es schon einige Unterschiede zwischen unseren Äußerungen und Herangehensweisen, die einem beim aufmerksamen Lesen auffallen könnten.

  7. Ist doch erfreulich, wenn hier mal jemand zum Lachen kommt.
    Wie groß wird erst die Freude sein, wenn das Schloß steht, eine Welle der Heiterkeit und des Frohsinns wird durch die Lande gehen:
    Gutgelaunte Menschen werden die Baukunst der Vor-Goethe-Zeit wiederentdecken, reihenweise werden die Schandbauten der Moderne von der Erdoberfläche fortgekratzt und unsere Städte werden wieder ein menschenfreundliches Antlitz erhalten.

    Deswegen haben auch so viele Leute Angst vorm Schloß, denn die Wiedererrichtung wird eine geistige Initialzündung bei den Menschen auslösen.

  8. Erstmal danke für die ausführliche Reaktion.
    Die Frage war unter der Prämisse gestellt, daß Herr Mohr Verfasser des Beitrags war. Ich bitte die Verwechslung zu entschuldigen, da dies sicher nicht auf inhaltiche Kongruenz Ihrer und Herrn Mohrs Beiträge zurückzuführen ist.
    Ihre Position ist mir hinlänglich bekannt. Dennoch verzichte ich auf eine Bewertung oder Erwiderung, da mir Motivation und Energie fehlen, um mich mit Ihnen auf ein derart grundsätzliches Problem einzulassen, welches die Legitimation der Veränderung zur Disposition stellt und zudem weder die Architektur des Berliner Schlosses noch des PdRs tangiert.
    Ich darf Sie jedoch an einen im aphforum.de von Herrn Hartmann initiierten Themenstrang verweisen, der themenverwandt mit dem von Ihnen vorgebrachten Problem ist. Zu finden unter ’sonstiges‘ mit dem Titel ‚Was ist denn ihr eigentliches Ziel?‘ vom 16.6.05. Vielleicht gelingt es Ihnen, diesen Strang zu reaktivieren.

    mfg

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