Fragen an Herrn v. Boddien und Webmaster

Leider ist der Brief nur im Gästebuch von http://berliner-stadtschloss.de/guestbook/guestbook.htm zu sehen, daher erdreiste ich mich, ihn hier auch zu veröffentlichen.

Herr von Boddien, antworten Sie doch mal. :-)))))

Bürgerinitiative „Pro Palast“ und Sprecherrat der ehemaligen Palastmitarbeiter Berlin, 17. Mai 2005

Deutscher Bundestag Herrn Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse offener Brief Palast der Republik – Ihr Schreiben vom 09. 05. 2005 Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, Ihr o.g. Schreiben wurde von uns zur Kenntnis genommen. Sie haben darin behauptet: „In dem bereits bestehenden mehrjährigen Schriftwechsel sind die unterschiedlichen Positionen zum Abriss des Palastes der Republik und den Wiederaufbau des Stadtschlosses mit der Teilrekonstruktion dreier Fassaden und des Schlüterhofes ausführlich erörtert worden , so dass den bisherigen Ausführungen von Seiten des Bundestagspräsidenten inhaltlich nichts mehr hinzuzufügen ist“ und schlussfolgern: „Von einer Beantwortung Ihrer Schreiben in dieser Angelegenheit wird daher in Zukunft abgesehen“ Dazu stellen wir fest: • Ihre Behauptung, mit uns eine ausführliche Erörterung geführt zu haben, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Sie selbst, Herr Bundestagspräsident sind dafür der beste Zeuge. • Mit Schreiben vom 18. April 2002 haben Sie uns mitgeteilt: „da Sie bereits schriftlich ausführlich Ihre Meinungen, die ich so nicht teile, übermittelt haben, kann ich keinen Sinn in einem Gespräch sehen.“ Dieses Schreiben trägt Ihre persönliche Unterschrift. Im zeitlichen Vorfeld hatten wir ihnen mehrfach Gesprächsangebote unterbreitet die Sie negiert haben. • Zur Mahnwache der beiden Bürgerinitiativen im September 2000 auf dem Schlossplatz in Berlin hatten wir, wie alle Bundestagsabgeordnete, auch Sie, zum demokratisch-öffentlichen Gespräch zum Thema Palast der Republik eingeladen. Dieser Einladung sind Sie nicht gefolgt, auf unsere damals veröffentlichten10 Fragen und Forderungen haben Sie bis heute keine Antwort gegeben. • Sie haben von uns zahlreiche Angebote zum sachlichen Gespräch. erhalten. Nachweisbar haben Sie alle ignoriert. • Wir haben Ihnen in der Folgezeit in sachlicher Form unsere Standpunkte dargestellt und insbesondere die eindeutige Tatsache mehrfach übermittelt, dass ein vorgesehener Palastabriss, einst beschlossen von der Berliner CDU, mehrheitlich von den Bürgern dieses Landes nicht geteilt wird und der Protest gegen die Abrissbestrebungen groß ist. Weder Sie, Herr Bundestagspräsident, noch andere Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung haben unsere Feststellung, dass diesbezügliche Abrissbeschlüsse im Widerspruch zum Grundgesetz (Art 14.2) und zum Einigungsvertrag (Art 35.2) stehen, mit glaubhaft seriösen Argumenten bisher widerlegen können. • Auf unsere „Erklärung der Freunde des Palastes der Republik“ vom 24. Januar 2005, die auch allen Bundestagsabgeordneten übermittelt wurde, haben Sie persönlich uns bisher keinen Standpunkt mitgeteilt, sondern sie lediglich „zur Kenntnis genommen.“ Wollen Sie, Herr Bundestagspräsident, diese und weitere Fakten im Gremium des Deutschen Bundestages verschweigen? • Kürzlich haben Sie eine erneute Einladung zum „Kamingespräch der Ausstellung“, die sich gegenwärtig in Ihrem Wahlbezirk befindet, erhalten. Wir freuen uns auf Ihre Antwort. Abschließend erlauben wir uns, Ihnen erneut einige notwendige Fragen zu stellen: • Stimmt es, Herr Bundestagspräsident, dass Sie als „politischer Moderator“ der Internationalen Expertenkommission unter Missachtung von Wahlversprechen Ihrer Partei vor den Wahlen 1998 für längst beschlossene Absichten Ihres Parteivorstandes die Fäden hinter den Kulissen zogen? • Stimmt es, Herr Bundestagspräsident, dass Sie als prominentes Mitglied Ihres Parteivorstandes mit dem Schlossverein und besonders mit dessen Geschäftsführer Herrn v. Boddin (CDU) eng zusammenarbeiten? • Dürfen wir fragen, aus welchen Gründen Sie jeden Kontakt und jede Gesprächsbereitschaft mit Palastbefürworten seit Jahren so hartnäckig ablehnen? • Dürfen wir Sie deshalb fragen, was Sie persönlich unter der Neutralität des Amtes eines Bundestagspräsidenten aus dieser Sicht verstehen? • Wir erlauben uns auch die Frage, warum Sie sich so vehement für die Vernichtung eines in sozialdemokratisch-gewerkschaftlicher Tradition stehenden Volkshauses einsetzen und dabei billigend in Kauf nehmen, dass Steuermittel aus politischen Gründen sinnlos verschwendet werden, mediale Volksverdummung betrieben und der mehrheitliche Wille der Bevölkerung für den Palasterhalt missachtet wird? • Sind Sie wirklich der Meinung, dass die massive Behinderung der Zwischenpalastnutzung der Jahre 2003/2004 und ihrer politischen Hintergründe, an denen die politische Führung dieses Landes, also auch Sie, maßgeblich beteiligt ist, der Öffentlichkeit unbekannt sind?. Das Wort „Zweifel“ auf dem Palast der Republik, gestaltet durch einen norwegischen Künstler, eröffnet durch den Botschafter Norwegens, richtet sich auch gegen Sie als Politiker und Bürger der ehemaligen DDR. Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident, Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass wir als verantwortungsbewusste Bürger, auch mit Blick auf die Wahlen, Sie auffordern, mit uns in den demokratisch-sachlichen Dialog zu treten und alles zu tun, um das kulturpolitische Verbrechen des beabsichtigten Palastabrisses zu stoppen und damit kulturellen und finanziellen Schaden abzuwenden. Die eindeutige Mehrheit der Bevölkerung dankt Ihnen schon jetzt für Ihr Entgegenkommen. Wir erlauben uns, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass wir diesen Brief und Ihre Antwort in geeigneter Weise öffentlich machen werden. i.A. Mit freundlichen Grüssen, Rudolf Denner, Oelsnitzerstr. 9 12627 Berlin
Initiative 100000 ProPalast
Deutschland Datum: 17.05.05 23:03:2

6 Kommentare zu “Fragen an Herrn v. Boddien und Webmaster

  1. Ich kenne Herrn Denner aus einem längeren Schriftwechsel und einigen Podiumsgesprächen. Herr Denner hat seine feste Meinung, was ich auch akzeptiere. Er argumentiert aus der Sicht des DDR-Bürgers, was ich auch akzeptiere. Nicht akzeptiere ich, dass er die demokratische Rechtsordnung unsres Landes missachtet, in dem er mehrheitlich demokratisch zustande gekommene Beschlüsse des Parlaments herabsetzt, nur weil sie ihm nicht passen. Wie soll Wolfgang Thierse einem Mann mit einem so eingeschränktem Demokratieverständis denn noch vernünftig antworten? Herr Denner akzeptiert doch nur Antworten, die ihm in den Kram passen, alles andere macht er nieder, genauso wie Sie Herr Höfer. Oder sind Sie gar Denner? Bei so fest gefassten Vorurteilen und einer festgesetzten ideologischen Meinung macht es wenig Sinn, Überzeugungsarbneit zu leisten. Das ist so, als wenn Sie einen überzeugten Muslim zum Katholiken machen wollten. Funktioniert nicht, kostet Kraft und bringt nichts. Deswegen hat Wolfgang Thierse wohl so geantwortet.

    Da der Palast nun abgebrochen wird, warum kommen Sie nicht mit konkreten Nutzungsvorschlägen für den Neubau, da wären Sie doch mal konstruktiv und würden auch ein Stück Ihrer Identität im Schloss wiederfinden! Bringen Sie sich doch mal in diese Debatte ein!

  2. Sicher es kostet Kraft sein Gegenüber von der eigenen Meinung zu überzeugen. Doch so wie im Brief beschrieben, hat Herr Thierse seit einigen Jahren sich nicht mehr zu einer Diskussion beriet erklärt, zu einer Zeit, in der der Abriss noch lange nicht richtig fest stand.
    Das Argument, dass die Entscheidung demokratisch gefallen ist, gibt keine Garantie dafür, dass sie auch angemessen ist. Hartz IV etc. sind auch sehr Umstrittene Einscheidungen einer demokratisch gewählten Regierung, sind diese Entscheidungen aber richtig gewesen?

    Meiner Meinung nach war schon die Expertenkommission falsch besetzt, da zu viele Politiker in die Diskussion integriert waren und zu wenig Historiker, Architekten und zukünftige Nutzer.

    Noch einmal zum Bundestag: leider ist das Grundstück Bundeseigentum, so dass der Bundestag darüber abstimmen musste. Die meisten Abgeordneten hatten doch zu dieser Zeit gar keinen Bezug zu Berlin, sie haben über eine Sache abgestimmt, mit der sie nichts verband. Schon allein deswegen finde ich das traurig. Denn was geht es denn einen Bundestagsabgeordneten an ob da ein "Schloss" oder was anderes steht, wo doch der Normalberliner das Bauwerk ständig im Auge hat?
    -> das war jetzt sehr subjektiv

    Momentan herrscht, wie sie warscheinlich wissen, eine angeregte Debatte über eine Maueropfergedenkstätte oder ein Museum. Man konnte an den Kreuzen am Checkpoint Charlie gut erkennen das eine Gedenkstätte/ besser ein Museum gebraucht wird. Und was würde sich dazu besser anbieten als ein authentisches Gebäude, in dem Beschlüsse gefasst wuden um die Bevölkerung zu überwachen etc.. Der Palast der Republik wäre ein viel besserer Ort ein solches Museum(über die gesamte DDR-Zeit) zu beherbergen, als irgendein Neubau. Dafür muss man ihn nicht rekonstruieren, sondern umbauen. Und warum muss man immer die Stadt "reparieren/heilen"? Man muss die Wunden der Zeit ablesen können, damit die Stadt eine Identität hat.

    Fazit: Der Palast der Republik wäre ein perfekter Ort, um ein umfassendes hauptstädtisches Museum über die DDR-Zeit zu beinhalten, da er sowohl negative und positive Erinnerungen bei den ehem.DDR-Bewohnern auslöst und diese in Ausstellungen auch gut zeigen kann.

  3. …..Man muss die Wunden der Zeit ablesen können, damit die Stadt eine Identität hat….

    Das müssen Sie man den Dresdnern sagen, die werden ich totlachen über so viel Schwachsinn!

    Sie sind auch einer von der Sorte die nach Italien fährt um sich schöne (oh Entschuldigung, schön ist ja nur subjektiv) Städte anzuschauen.

    In Deutschland dagegen soll alles möglichst trist und dafür authentisch sein!

    Ihre Anschauungen möchte ich auch mal haben…….oder besser nicht..

  4. Natürlich fahre ich gerne nach Italien und nach England, Frankreich, Polen, Tchechien, Ungarn, Spanie etc.

    In Italien kann man wirklich gut die Antike und Renaissance studieren.

    Hier in Berlin kann ich auch vieles sehen, deswegen liebe ich ausgiebige Stadtspaziergänge. Würden sie die Stadt mit offenen Augen betrachten, würde ihnen auffallen, wie schön sie ist(klar irgendwo gibt es immer was zu tun), alles andere als trist(und wenn liegt das auch am Wetter, wir haben hier schliesslich kein Mediterranes Klima). Bei Sonne kann Berlin mit jeder Stadt in Italien mithalten.

    Übrigens, in norditalienischen Städten sieht man das Alter, im Gegenteil zu manch rausgeputzten Schloss in Deutschland(was natürlich auch seine Berechtigung hat).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.