Das Schloss im Bau (Teil IV)

Beton wird Barock!

Ausführung Rekonstruktion der historischen Fassade

Abb.1 Ansicht Südfassade/Schlossplatz

Abb. 2 Ansicht Nordfassade/Lustgarten

Abb. 3 Detail Gelenkanker

Abb. 4 Fassade Schlossplatz zwischen Portal I und II (Positionen der Gelenkanker)

Seit Mitte Februar 2015 erfolgt die Rekonstruktion der historischen Fassaden auf der Baustelle am Schlossplatz. Dazu hat das Büro Stuhlemmer Architekten viel beigetragen, das im Aufrag des Fördervereins Berliner Schloss e.V. die Grundlagenermittlung für die Rekonstruktionsplanung erarbeitet hat. Außerdem wurde uns vom Förderverein ein erheblicher Teil der Modelle für die Ausführung der Bildhauerstücke in Sandstein übergeben Bis ins Jahr 2017 wollen wir die insgesamt 22.500 m2 Fassaden im Wesentlichen fertiggestellt haben.

Die Ausführung im Detail

Ab Mitte Februar 2015 begannen die Rekonstruktionsarbeiten an den Außenfassaden und auch im Schlüterhof. Zuerst erfolgten die Abdichtungs- und Stahlbetonarbeiten im Sockelbereich. Ein schöner und sichtbarer Erfolg war es, dass das ausführende Unternehmen die ersten Grate der Stahlunterkonstruktion für die Kuppel über Portal III bereits zum Richtfest am 12. Juni 2015 montieren konnte. Nachlaufend sind unter anderem die Arbeiten an den Portalen IV und V. Der Ausführungsbeginn wird im Herbst 2015 erwartet. Aus den Abbildungen (Abb. 1 und 2) zum geplanten Bautenstand am Jahresende 2015 lässt sich entnehmen, dass bei einem reibungslosen Ablauf bereits ein großer Teil der rekonstruierten Fassaden erkennbar sein wird.

Über öffentliche Vergabeverfahren wurden bisher fünf leistungsfähige Unternehmen für die Rekonstruktion der historischen Fassaden beauftragt. Sie kommen aus verschiedenen Bundesländern und repräsentieren den Mittelstand des Gewerbes. Die Fertigung der Sandsteinelemente erfolgt sowohl in traditioneller Handarbeit bis hin zur modernsten Roboterfertigung. Die Qualitätssicherung für die historische Rekonstruktion ist durch unsere hochrangig besetzte Expertenkommission wie auch durch Fertigung wesentlicher Prototypen in unserer Schlossbauhütte gewährleistet. Für die Fassaden werden Natursteine aus der Region Bunzlau/Boleslawiec und dem Elbsandsteingebirge gewonnen. Dabei kommen bisher die Varietäten Warthauer, Reinhardtsdorfer und Postaer Sandstein zum Einsatz. Diese Materialien, ca. 9.000 m3 Rohmaterial, wurden auch schon beim ursprünglichen Schlossbau zu Beginn des 18. Jahrhunderts verwendet. Gemäß der statischen Berechnung ist die Mauerwerkswand mit den eingebundenen Natursteinele menten als freitragende Fassade vor dem Stahlbetontragwerk konzipiert. Die Rückverankerung zwischen Stahlbeton und Mauerwerk erfolgt über Gelenkanker (Abb. 3 und 4). Dazwischen gibt es eine Entkopplungsebene einschließlich einer 12 cm starken Wärmedämmschicht. Somit erreicht die Fassade eine Gesamtwandstärke von 111 bis 132 cm. Sie kommt somit dem historischen Vorbild sehr nah. Gleichwohl erfüllt diese Fassadenkonstruktion die aktuellen Wärmeschutz- oder Energieeinsparvorgaben.

Aber noch nicht alle Teile der historischen Fassaden sind beauftragt. Noch zu vergeben sind die Natursteinarbeiten der Balustrade und des Kuppelschafts sowie der überwiegende Teil des Skulpturenschmucks an den Fassaden, der auch noch nachlaufend ange bracht werden kann. Weitere Gewerke wie die historischen Putzarbeiten oder die Kunstschmiedearbeiten sind noch im Detail zu planen. Auch hierfür sind noch geeignete Firmen zu finden.

Auch für die sogenannten baulichen Optionen, die weitestgehende Rekonstruktion des Durchgangs von Portal III sowie der Hofportale II und IV stehen bereits Spenden soweit ausreichend zur Verfügung, dass diese Abschnitte ausgeschrieben werden können. Hierfür wie für die Außenfassaden insgesamt müssen aber noch erhebliche Spendensummen eingeworben werden.

Von Karl-Heinrich Mohr, Leiter Bereich Hochbau der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt Forum

 

Fotos: © Stiftung Berliner Schloss – Humboldt Forum/Franco Stella/ Bamberger Natursteinwerke

13 Kommentare zu “Das Schloss im Bau (Teil IV)

  1. einfach geist- und phantasielos und dies noch dazu zur Wasserseite – Man kann nur hoffen, daß spätere Generationen dieser Scheußlichkeit einmal eine Fassade fürs Auge davor setzen – das Auge braucht etwas zum Entdecken und zum Wandern nicht zum Abrutschen

  2. Why didn’t be rebuilt some buildings of the east-wing in the original fashion of 16th century? The present „Ost Fassade“ is a very fist-in -the eye respect to  the Royal Casle and to the Museuminsel as a Whole.

  3. Da sieht man wie weit es heute mit der Aesthetik und der Kultur in der Architektur gekommen ist – obwohl ich glaube eher auch ein Tribut an Linke, Gutmenschen und Schloßgegner denen alles Traditionsbewußte ein Dorn im Auge ist –

  4. So sehr der Baufortschritt Anlass zur Freude gibt, so ärgerlich erscheint die Tatsache, daß diese Dachaufbauten für rund 3 Mio Euro sich störend auf das Gesamtbild auswirken werden. 
    Anstatt ein Café auf die Dachterrasse zu klatschen, hätte man zu dem Geld die Ecktürme, samt den bekrönenden Figuren rekonstruieren können. Aber so ist es, wenn Kunstbanausen die Planungshoheit inne haben…

  5. nein. Ich denke das ist ne Übergangslösung. Nach ein paar Jharen wird auch die Ostfassade historisch rekonstruiert. Die jetzige hässliche Form ist als Zugeständnis an die Seelenkrüppel zu verstehen, denen alles Schöne ein Dorn im Auge ist.

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