„Doch kein Kreuz auf dem Berliner Stadtschloss?“

20.12.2018  B.Z. Berlin

Die umstrittene Errichtung eines Kreuzes auf dem wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss ist möglicherweise doch nicht sicher.

Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp, bis Juni einer der Gründungsintendanten des im Schloss geplanten Humboldt-Forums, sagte der „Herder Korrespondenz“ (Januar): „Es gilt zwar der unumstößliche Beschluss, dass das Schloss originalgetreu wieder aufgebaut wird, und das bedeutet: mit Kreuz. Aber die Nervosität bei den politischen Entscheidungsträgern ist wegen der Kolonialismusdebatte übergroß.“ Ihre Sorge sei, dass das Kuppelkreuz als „Triumphzeichen“ gewertet werden könnte.

Der gesamte Kuppelaufsatz einschließlich Kreuz wird laut Bredekamp gerade gegossen und soll 2019 aufgesetzt werden. Er rechnet damit, dass dann die Debatte neu aufflammt: „Seit 2017 hat sich die Frage nach der Dominanz der abendländischen christlichen Kultur im Verein der Kulturen nochmals radikalisiert: durch den Streit um den richtigen Umgang mit Museumsbeständen, die aus der Zeit der Kolonialherrschaft stammen.“

Das Humboldt-Forum, das Berlins völkerkundliche Sammlungen vereinen soll, stehe in diesem Streit unter einem Erwartungsdruck, dem es nach Ansicht Bredekamps im Grunde niemals gerecht werden kann. „Wenn in dieser Gemengelage nun auch noch das Kreuz auf die Kuppel gesetzt wird, könnte sich eine neue Empörungswelle aufbauen“, so das Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die ausgebrannte Schlosskuppel, wie sie bis zur Sprengung Ende 1950 stand – mit Kreuz auf dem Dach (Foto: Förderverein Berliner Schloss)

Bredekamp indes befürwortet die Aufstellung des Kuppelkreuzes: „Die Größe der europäischen Kultur besteht ja gerade darin, dass ihre Produkte stets mit dem Schatten ihrer eigenen Kritik verbunden sind. Das Kuppelkreuz würde als Relikt einer Thronreligion fungieren, die es nicht mehr gibt, als Abschied an einen historischen Zustand, den niemand mehr will, weder die Kirche noch die Obrigkeit.“

Die Strategie der Kritiker bestehe aber darin, genau diese historische Distanzierung vergessen zu machen, um dann einen neuen Kulturkampf entfesseln zu können.

 

Quelle: B.Z. Berlin, 20.12.2018

 

 

 

21 Kommentare zu “„Doch kein Kreuz auf dem Berliner Stadtschloss?“

  1. Es ist unerträglich!
    Wieso verfallen solche Mandatsträger immer wieder in die Rolle des Bedenkenträgers und lassen ihrer verblendeten Ideologie freien Lauf?
    Und das völlig unberechtigt.
    Das Kreuz hat nichts mit der (kurzen) deutschen Kolonialzeit zu tun sondern war das christliche Zeichen über der grossen Schlosskapelle.
    Das Kreuz ist Symbol des christlichen Abendlandes. Es ist ein Teil unserer Geschichte, auch wenn diesen Linksideologen (und es sind nur diese!) das nicht passt. Und wenn sie hundert mal schreien, lasst uns Rückrat beweisen und die Werte und Symbole unserer Kultur verteidigen!
    Die Schlossfassade muss mit Kreuz wiedererstehen.
    Den Schlosshassern keine Chance!

    1. also, es ist lächerlich, dass man unser aller kreuz so diuskutieren muss. sind wir christen oder nicht? was hat das ganze mit dem Inhalt des schlosses zu tun? man kann sich auch totdiskutiren…evtl. finden sich anhaenger einer Theorie, wir sollten uns auf die Zukunft ausrichten und einen Halbmond errichten? alles lächerlich…wirklich

  2. der Empörungswelle einer Minderheit von Ideologen, die einen neuen Kulturkampf entfesseln wollen, sollte nicht so viel Beachtung geschenkt werden. Das Kreuz gehört zum historischen Erbe. Auch wenn Europa seit der Neuzeit von der Aufklärung entscheidend geprägt wurde. Das Gerede vom christlichen Abendland passt ins Mittelalter.

  3. Natürlich mit Kreuz ! Es ist die originale Fassade des ehemaligen Berliner Schlosses mit dem Kreuz auf der Kuppel. Das hat überhaupt nichts mit dem neuen Museum im Inneren zu tun.

  4. Da kommt mir wieder das „Liebermann“ Zitat in den Sinn.Die Ideologen sollen sich um Flüchtlingslager im Libanon kümmern,und den Rest der Welt in Ruhe lassen.Und wenn es um Kolonialverbrechen geht,dann bitte erst mal nach London und Paris schauen.

  5. Es ist traurig, dass sich Verantwortliche für das Schloss von (wenigen) linken Ideologen, die sich vehement gegen den Wiederaufbau des Schlosses gewandt hatten und nun eine Chance wittern, die kurze deutsche Kolonialgeschichte zum Anlass zu nehmen, einen neuen „Kulturkampf“ anzuzetteln, scheinbar beienflussen lassen. Auf das Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens zu verzichten, ist wie die vereinzelt aufgetretene absurde Diskussion um das „Streichen“ von Weihnachtem, um niemand mit einem anderen Glauben zu „verletzen“.
    Wir sollten uns zu recht unserer Kolonialgeschichte kritisch stellen, aber nicht mit einer solchen „Geschichtsvergessenheit“.

  6. Die Behandlung des Themas „Koloniales Erbe der Deutschen´´ zeigt beispielhaft wie die deutschen Journalistinnen und Journalisten ihr Handwerk verstehen: Kritisch wollen sie sein, und d.h. alles Deutsche möglichst schlecht machen, und das der anderen Europäer schönreden oder verschweigen. Aber schon I. Kant schrieb in seiner Geschichtsphilosophie 100 Jahre vor der vergleichsweise sehr kurzen deutschen Kolonialzeit:: „Vergleicht man hiermit das inhospitable Betragen der gesitteten, vornehmlich handeltreibenden Staaten unseres Weltteils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker beweisen bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die Gewürzinseln, das Kap usw. waren bei ihrer Entdeckung für sie Länder, die keinem angehörten; denn die Einwohner rechneten für sie nichts…´´Kant dürfte insbesondere an die Briten, Spanier, Portugiesen und die heute so feinen Belgier und Niederländer gedacht haben. Die Belgier haben erst kürzlich ihr Afrika-Museum neu eröffnet, und wer über die anderen etwas erfahren möchte, der sollte den englisch-sprachigen Sender Aljazeera einschalten. Dort erfährt man z.B., dass die Osterinsel-Einwohner von Großbritannien eine ihrer riesigen Statuen zurückverlangen, Benin/Nigeria die Rückgabe vieler Messingskulpturen, Griechenland die Rückgabe der von der Akropolis geraubten Elgin-Marbles (so die englische Bezeichnung), Ägypten anderes und Indien sogar einen Edelstein aus der Krone der Queen — wie gesagt das sind Forderungen an Großbritannien! Und dir Räuberei geht auch heute noch weiter, besonders im Nahen/Mittleren Osten (meistens verdeckt) – s. Aljazeera.

  7. Wenn man sich die Kommentare hier durchliest, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass es so manchem Schreiber eher weniger um die Verteidiung der christlichen Werte geht. Schon allein deshalb, weil so manchem offenbar nicht klar ist, was sich hinter den christlichen Werten verbirgt…

    1. Was verbirgt sich denn Ihrer Ansicht nach hinter diesen christlichen Werten?

      Glaube, Liebe, Hoffnung
      Barmherzigkeit
      Gerechtigkeit und Recht

      Was haben diese Werte mit rechter Ideologie zu tun?
      Aber es ist schon interessant Ihre Ideologie zu sehen.

      1. Sie haben die christlichen Werte schon richtig erkannt. Wenn Ihnen allerdings eine „gewisse Diskrepanz“ so mancher politischer Aussagen dazu nicht auffällt. Gerade zu aktuellen Themen wie Asyl, Flüchtling, Not und Elend auf der ganzen Welt….

        1. Ich meine all jene, die die christlichen Werte erkennbar vorschieben (dazu missbrauchen), ihre rechte Ideologie unters Volk zu bringen. Das eine verträgt sich nicht mit dem anderen.

  8. Die Schlosskuppel ohne das Kreutz ist wieder ein versuch der rot/rote Fraktion im Berliner Senat eine Historische Wiederherstellung zu verhindern, nur etwas in dieses Fall. Alle historische Wiederherstellungen sind fur sie bose. Im meinem letzte Brief aus dem GHB, das um die wiederherstellte Alte Frankfurt handelte, haben sie gesagt dass sie dass sie nicht solche Wiederherstellungen in Berlin sehen wollen! !

  9. da die Linken es nicht geschafft haben den Wiederaufbau des Schloßes zu verhindern versuchen sie nun wenigstens das Kreuz zu verhindern.Lassen wir es nicht zu, das in unserem Land die ehemaligen DDR
    Bonzen das Sagen haben ,wie hier Politik gemacht wird und wie unsere Städte gestaltet werden.

    1. Lassen wir es ebensowenig zu, dass die Rechten in diesem Land das Sagen haben. Die Geschichte zeigt, was die Folge ist. Die DDR-Bonzen hätte es ohne die Rechten so gar nicht gegeben und das jetzt wieder aufgebaute Schloss wäre nicht zerstört worden…

  10. Gibt es denn gar keine Ruhe bei den Themen Kreuz ja/nein, Standort Neptunsbrunnen, etc.? Formal ist die Entscheidung beim Kreuz doch schon lange gefallen. Wenn ich mir den prachtvollen Fassadenschmuck anschaue, nämlich die Nabelsteine, die Bukranien und später das Kreuz, so erkenne ich eine Entwicklung vom Heidnischen hin zum Christlichen. Man sollte diese Einheit nicht in Unkenntnis zerstören.
    Was das Geschacher um den Standort des Neptunsbrunnens zwischen Bund und Berlin betrifft, wird wieder einmal deutlich, wie provinziell unsere Hauptstadt regiert wird. Überhaupt wird ja auch an der ach so sorglos gefährdeten und nicht weit vom Schloss entfernten Friedrichswerderschen Kirche einiges überdeutlich.
    Stellen Sie sich doch einmal den Sachverhalt vor: Sie spenden für den Wiederaufbau des Schlosses und nebenan nimmt man wegen ein paar Luxusapartments eine Gefährdung und Beschädigung einer Kostbarkeit Schinkels, in jedem Kunstführer enthalten, billigend in Kauf!

  11. Es ist heute an der Zeit, alles was für den Erhalt von Baudenkmalen und unserer Geschichte steht in die Rechte Ecke zu drängen. Dabei vergisst man leider das es hier um kaum ersetzbares Kulturgut geht, das in den Zeiten des Krieges fast zerstört wurde. Aufwendig Restauriert oder wie im Beispiel des Stadtschlosses nach alten Vorbild wieder neu wiederhergestellt um uns daran zu erfreuen was Handwerklich geleistet werden kann. Es sind einmalige Entwürfe von Schlüter oder Schinkel die daran erinnern was Kunst bedeutet .

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