Zukunft der Museen liegt in Mitte
Gabriela Walde über die Neustrukturierung der Berliner Museumslandschaft
Selbst für den Berliner ist die breit gefächerte Museumslandschaft zuweilen recht unübersichtlich. Da gibt es die von Bund und Land finanzierte Museumsinsel, ein Juwel im Herzen der Stadt mit seinem Publikumsmagneten, dem Pergamonmuseum. Mit dem Richtfest des Neuen Museums wurden die Weichen für die Vollendung des Masterplans für das Unesco-Ensemble endgültig abgeschlossen. Die vor der Wende einst gut besuchten Museen in Dahlem führen heute nur noch ein Schattendasein, kaum ein Tourist findet mehr den Weg zu den exquisiten Sammlungen, die dort zum Teil in den Depots schlummern. Aus dieser Krise hilft nur noch ein Weg; diese außereuropäischen Sammlungen sollen im Humboldt-Forum des Berliner Schlosses ihr künftiges Domizil erhalten. Die Konzepte dafür liegen bereits in der Schublade. Zentralisierung der Staatlichen Museen in der neuen Mitte Berlins, so lautet die kulturpolitische Devise zur Neustrukturierung der Museen der Hauptstadt.
So scheint es naheliegend, dass auch die über die Stadt verstreuten kommunalen Museen – zusammengeschlossen unter dem Dach der Stiftung Stadtmuseum – sich neu profilieren müssen, um im Wettkampf mit den großen Museumstempeln, überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Welcher Tourist kennt schon das Märkische Museum, das „Museum der Berliner“, das in seinen kulturhistorischen Sammlungen die Geschichte dieser Stadt von den prähistorischen Siedlungsspuren bis ins 20. Jahrhundert dokumentiert? Im Zeitraum der nächsten fünf Jahre wird der zentrale Standort der Stiftung Stadtmuseum das Märkische Museum sein mit einem neuen zusätzlichen Standort, dem gegenüberliegenden Marinehaus, bislang bekannt als Restaurant. 13 Häuser gehörten bisher zur weitverzweigten Stiftung, darunter auch das Grünauer Wassersportmuseum und das Galgenhaus, für die wenigsten ein Begriff, entsprechend gering auch die Besucherzahl in diesen Dependancen, die vor sich hin dümpeln und keinen Touristen hinter dem Ofen hervorlocken können.
Das wird sich ändern: von den einst 13 Standorten gibt die Stiftung künftig sieben auf und wird sich mit dem Märkischen Museum und dem Marinehaus auf den Ephraim-Palais, das Knoblauchhaus und die Nikolaikirche ganz auf Mitte konzentrieren. Berlins jüngste Zeitgeschichte soll künftig stärker als bisher in der neuen Dependance des Marinehauses seinen adäquaten Platz erhalten. Die Chancen stehen also recht gut für eine neue „Halbinsel der Museen“ in Berlins erweiterter, neuer attraktiver Mitte. Erst kürzlich eröffnete zentral am Gendarmenmarkt das Nolde-Museum. Hier weiß man, der neue Berliner Standort verstärkt die internationale Strahlkraft des Werkes – und ist zugleich eine zukunftsträchtige Visitenkarte für das Mutterhaus in Seebüll. Die Zukunft der Museen liegt in Mitte.
Berliner Morgenpost, 18.10.2007
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