Würfel statt Wolke

Würfel statt Wolke

Wowereits Wahl: Der „White Cube Berlin“ wird für zwei Jahre Kunsthalle auf dem Schlossplatz.

Am Ende ging es dann doch schneller als gedacht. Letzte Woche hieß es noch, der Zuschlag der temporären Kunsthalle würde in einigen Wochen erteilt. Jetzt aber schloss sich der Senat schon auf seiner gestrigen Sitzung Klaus Wowereits Schiedsspruch an: dass keine Wolke, sondern ein Kubus auf dem Schlossplatz als Schaukasten der Berliner Gegenwartskunst dienen wird – bevor wohl im Jahr 2010 mit der Schlossrekonstruktion und dem Bau des Humboldt-Forums begonnen wird. Alle Kunstinteressierten in der Stadt hatten seit Wochen dieser Entscheidung entgegengefiebert und die beiden Entwürfe diskutiert.

Dem Regierenden Bürgermeister mit Kulturzuständigkeit kam am Ende die bequeme Rolle des Richters zwischen den Konzepten zu, die beide ohne jede öffentliche Förderung auszukommen versprachen. Nachgesagt wurde ihm eine Passion für die spektakuläre Wolke, die das Büro Graft für das Kunstmagazin Monopol entworfen hatte. Doch werden dafür rund 10 Millionen benötigt und die Suche nach Sponsoren hätte sich noch einige Monate hingezogen, wie Projektleiter Ingolf Kern gestern gegenüber dieser Zeitung einräumte. Der „White Cube Berlin“ des Wiener Architekten Adolf Krischanitz, initiiert von Coco Kühn und Constanze Kleiner, kostet nur 850 000 Euro. Die Übernahme der Baukosten hatte früh schon die Stiftung Zukunft Berlin und deren Hauptmäzen Dieter Rosenkranz zugesagt. Die Stiftung will sich jetzt auch an der Trägerschaft der Kunsthalle auf Zeit beteiligen.

So traf Wowereit die derzeit wohl bessere, weil pragmatische Entscheidung, gab dem sicheren Finanzierungskonzept den Vorzug, anstatt sich womöglich ein Wolkenkuckucksheim aufzuladen. Der Kubus wird auf der ehemaligen Schlossfreiheit neben der Palastruine stehen, ist also durch die Abrissarbeiten dort, die sich wohl noch bis Ende 2008 hinziehen, nicht beeinträchtigt. Wowereit sagte Hilfe bei allen Genehmigungsverfahren zu, so dass Kleiner und Kühn hoffen, das Ausstellungshaus in fünf bis sechs Monaten eröffnen zu können. Es ist eigentlich kein Würfel, sondern ein Quader, elf Meter hoch und voraussichtlich 27 Meter lang. Der zentrale Schauraum nimmt fast das ganze Gebäude ein, lässt aber an den Seiten Platz für ein schmales Foyer, ein Café, ein Depot und einen Museumsshop. Rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen zur Verfügung.

Die Außenhülle ist ein Kunststoffgewebe, das ebenfalls von Künstlern, mittels Aufdruck oder Projektion, gestaltet werden soll. Mit ihrem Programm wollen Kühn, Kleiner und ihr vierköpfiger Beirat dafür sorgen, dass die bedeutendsten Ausstellungen von Künstlern, die hier arbeiten, nicht mehr länger nur in München und New York zu sehen sind.

Ingolf Kern indes gratulierte den White-Cube-Konkurrenten und kündigte an, die Finanzierung seines Projekts weiter zu verfolgen. „Die Architekten und wir wollen die Wolke unbedingt.“ Mittlerweile sei sie so populär, dass sich schon einige Städte im In- und Ausland ernsthaft dafür interessierten, sie bei sich aufzustellen.
Berliner Zeitung, 31.10.2007