Wo bleibt die Substanz?
Die Stiftung Zukunft Berlin lud wieder einmal zur Schlossplauderei.
Nikolaus Bernau
Was wird eigentlich hinter den Schlossfassaden passieren? Die Frage wird zu selten gestellt, fand auch die von Volker Hassemer geleitete Stiftung Zukunft Berlin und lud am Freitag in die Temporäre Kunsthalle ein. Die barocke Fassade nämlich kostet 80 Millionen Euro, 470 Millionen dagegen das Gebäude dahinter, das Kulturzentrum Humboldt-Forum. Das müsste eigentlich für rege Debatten sorgen. Etwa darüber, wie der Entwurf von Franco Stella überarbeitet werden kann, damit er funktioniert.
Dazu hatte sich ein Podium zusammengefunden, zu dem etwa der Architekt Benjamin Förster-Baldenius gehörte. Gleich zu Beginn verkündete er arglos, dass er am Vormittag erstmals (!) das Ethnologische Museum besucht habe. Es klang, als habe er eine harte, aber begeisternde Exkursion nach Mittelsibirien hinter sich. Nun also mit fundiertem Wissen um die Berliner Sammlungen ausgestattet, schlug er denn auch vor, an der Stelle des Schlosses statt des Humboldt-Forums ein „Museum des Scheiterns“ zu errichten – für die vielen Architektenpläne, die hier durch Abbruch früher gebauter Häuser verschwanden. Nur – wieso ist Schlüter gescheitert, weil Ulbricht ein Ignorant war?
Immerhin sorgte der Architekt für Heiterkeit und lenkte etwas davon ab, dass die Debatte krass an Informationsmangel litt. Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums, durfte erst am Ende aus dem Publikum heraus andeuten, dass Fachleute ein Programm für ständig wechselnde Ausstellungen erarbeitet hätten. Was ist das genau, wann wird es vorgestellt? Volker Hassemer fragte nicht nach. Auch nicht, warum die Jury-Mitglieder Gesine Weinmiller und Peter Zlonicky (auf dem Podium) keine Empfehlungen zur Überarbeitung des Stella-Entwurfes abgaben. Interessant wäre auch gewesen, warum Engelbert Lüdge-Daldrup vom Bundesbauministerium kühn mit nur eineinhalb Jahren Planungszeit rechnet.
Immerhin wurde deutlich, was „flexibel“ heißen könnte für die Architektur: Förster-Baldenius und der Werbefachmann Sebastian Turner forderten offene Messehallen, Weinmiller und Peter Sievenich (Gropius-Bau) plädierten für gut proportionierte, auch architektonisch aussagefähige Räume. Turner forderte ein einprägsames Motto.
Wenn das Humboldt-Forum je mehr sein soll als nur Füllung einer Fassade, sollten schlecht vorbereitete, ziellose Debatten wie diese die Ausnahme bleiben. Sonst könnten die, die alles bezahlen, nachfragen, was in Berlin eigentlich mit dem Steuergeld angefangen wird.
Berliner Zeitung, 12.01.2009
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