Wird das Schloss nie gebaut?

Wird das Schloss nie gebaut?

Berlin will es haben, aber nicht mehr dafür zahlen. Die neue Koalition hat sich darauf verständigt, den Berliner Anteil am Wiederaufbau des Stadtschlosses nicht mehr zu übernehmen – knapp 100 Millionen Euro.

Dabei war eigentlich alles klar. Die Gesamtkosten von mehr als 500 Millionen Euro sollten sich der Bund, das Land Berlin und der Förderverein Berliner Schloss teilen.

Jetzt die Rolle rückwärts von der SPD und Linkspartei. Das stößt in Berlin auf ein geteiltes Echo. Der frühere Regierende Bürgermeister Diepgen, selbst immer Schlossbefürworter: „Städtische Brachen zu schaffen, hat nichts mit einem sinnvollen Sparkurs zu tun. Das gilt für das Schloss wie für die Kanzler-U-Bahn. Doch der Verzicht könne am Ende für Berlin teurer werden, warnt Diepgen. Berlin müsse aufpassen, dass der Bund nicht seine finanziellen Vorleistungen von der Hauptstadt zurück verlange.

Dagegen begrüßt Diepgens früherer Amtskollege Klaus Schütz (SPD) das Nein zum Schloss. Das sei eine nationale Aufgabe. Hier könne der Bund zeigen, dass er Verantwortung trägt.

Bei Schloss-Initiator Boddien löst die Entscheidung Berlins Kritik aus: „Das ist doch eine reine Trotz-Reaktion vom Senat“. Als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Kanzlerin Merkel seinen Antrittsbesuch abgestattet hat, habe er sich für einen schnellen Baustart des Schlosses ausgesprochen. „Sollte das alles nur Rhetorik gewesen sein?“

BZ, 25.10.2006