Wilhelm von Boddien hat Berlin wieder zum Schlossplatz gemacht

Wilhelm von Boddien hat Berlin wieder zum Schlossplatz gemacht

Für seine Gegner war er lange nur „das Schlossgespenst“. Anfangs war es ja auch leicht, Wilhelm von Boddien zu belächeln, denn es klang wie eine wahnwitzige Idee, das Berliner Schloss wieder aufzubauen. Heute lächeln nur noch die Schloss-Anhänger. Denn der gute Geist des Berliner Schlosses ist seinem Ziel mit der jetzt zwischen dem Bund und Berlin festgelegten Finanzierung wieder ein großes Stück näher gekommen. Kein anderer hat so hartnäckig und so leidenschaftlich für die Rekonstruktion des Barockbaus gestritten wie der heutige Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss. Sein größter Coup war die Schlossattrappe im Sommer 1993. Der durch die Patrizierstadt Hamburg geprägte Vater von fünf Kindern ist überzeutg, dass das Wohl der Stadt vom Engagement ihrer Bürger abhängt. Auf hunderten von Podien hat er gesessen, unzählige Vorträge im In- Und Ausland gehalten, so entspannt, dass nie der Eindruck entstand, hier kämpfe ein von der Gegenwart Enttäuschter um ein Stück Restauration. Den Zauderern war Boddien immer einen Schritt voraus, in einer Mischung aus Bodenständigkeit und Wahnsinn hat er sie schließlich mitgerissen.
Welt, 26.04.2007