Wer braucht künftig noch die „Schwangere Auster“?

Wer braucht künftig noch die „Schwangere Auster“?

Berlins Haus der Kulturen der Welt wird 20 Jahre alt. Es könnte einmal im Humboldt-Forum aufgehen.

Ein Interview mit dem Direktor Bernd M. Scherer über die Positionierung seines Hauses und die Pläne für eine Beteiligung am Humboldt-Forum.

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Sie sind als Chef des HKW als Partner für das Humboldt-Forum im wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss im Gespräch.

Scherer: Momentan sind wir beratend tätig bei der Raumentwicklung der dort geplanten Agora.

Wie stark sind Sie am inhaltlichen Konzept beteiligt?

Scherer: Bisher gibt es keine Institution oder Person, die für die Agora inhaltlich zuständig ist. Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass jetzt die Zeit für eine Klärung der Inhalte gekommen ist.

Wird die Agora nicht ein kleines HKW, wo man sich mit der Welt auseinandersetzt?

Scherer: So wie die Agora definiert ist – als zeitgenössische Plattform der Auseinandersetzung mit den Kulturen der Welt – ist sie konzeptionell vergleichbar mit dem HKW.

Wie sähe Ihr Konzept für das Humboldt-Forum aus?

Scherer: Das Humboldt-Forum muss ein Projekt werden, das die zeitgenössische Auseinandersetzung unseres Landes mit der Welt thematisiert. Daher sollte sich die Agora durch das gesamte Humboldt-Forum ziehen. Ich denke, dass man in den nächsten vier oder fünf Jahren Künstler, Experten und Kuratoren aus aller Welt einladen sollte, die die Themen unserer Zeit mit uns entwickeln. Von den Sammlungen außereuropäischer Kulturen in Berlin können wir für den Dialog der Kulturen von heute lernen. Die Objekte repräsentieren eine gemeinsame Geschichte, die wesentlich durch koloniale Beziehungen zwischen dem europäischen und dem nichteuropäischen Teil der Welt geprägt waren. Da immer mehr Menschen aus allen Teilen der Welt in deutschen Städten leben, bieten diese Sammlungen einen Zugang zu ihrer eigenen Kulturgeschichte, die aber zu ergänzen wäre durch die modernen Entwicklungen in nichteuropäischen Regionen.

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Sie haben vielfältige Kontakte mit Künstlern aus aller Welt. Wie bewertet man das Unternehmen Humboldt-Forum?

Scherer: Viele Künstler finden das ein interessantes Projekt, aber auch eine große Herausforderung im Hinblick darauf, wie ihre Kulturen und Gesellschaften künftig dargestellt werden. Das Humboldt-Forum muss international die besten Leute einladen, um diesen Ort lebendig zu machen.

Die Welt, 29.08.2009