Was wird jetzt aus der Wiese?
Die Regierung spart sich das Stadtschloss, zumindest bis 2014. Der Aufschub wirft ein neues Licht auf die 1,4 Millionen Euro teure Wiese im Herzen Berlins. Was als Provisorium für zwei Jahre geplant war, könnte zur Dauer-Übergangslösung werden. Oder vielleicht doch nicht? Die B.Z. fragte Architekten, Politiker und Kulturschaffende, was sie sich jetzt für den Schlossplatz wünschen.
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Anders der Architekt und Vorstand des Architekten- und Ingenieurvereins (AIV) Berlin, Tobias Nöfer. Er zeigt wenig Verständnis für den Aufschub beim Schlossbau: „Wenn wir jeden Tag das Rad neu erfinden, kommen wir nicht weiter. Eine epochemachende Idee darf nicht dem Tagesgeschäft und derzeit zu schmalen Geldbeutel zum Opfer fallen.“ Nöfer rät, die Fläche zu lassen wie sie ist: „Wir haben eine schöne Wiese, die so bleiben kann, bis wir eben in vier Jahren das Humboldt-Forum bauen.“
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Den Schloss-Gedanken jetzt zu vernachlässigen – davor warnt auch Gerd Henrich, Geschäftsführer von Megaposter (errichtet die Humboldtbox): „Ein Skulpturengarten mit historischen Stücken aus der barocken Schlossfassade, aufgestellt auf einem dem Schloss nachempfundenen Grundriss. Das hat sich schon bei der Dresdner Frauenkirche bewährt.“
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Alice Ströver, Kultur-Expertin der Grünen, warnt vor neuen Provisorien: „Man sollte den Platz so lassen, damit niemand auf die Idee kommt, die Bebauung zu vergessen. Ich bin absolut gegen eine neue Interimslösung.“
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Unterdessen sagte Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) am Dienstag, vielleicht wäre es möglich, mit dem Wiederaufbau des Schlossen schon 2013 beginnen.
Und was wird aus der Humboldt-Box?
Der Schlossbau verschoben, droht die Finanzierung der Humboldt-Infobox zu wackeln. Die Kosten von 5 bis 6 Millionen Euro sollten über Werbeplakate an Baugerüsten des Schlosses finanziert werden. „Wir führen bereits Gespräche mit dem Senat und der Stadtentwicklungs-Gesellschaft, um Alternativstandorte für unsere Werbung zu bekommen“, sagt Gerd Henrich, Chef der Firma Megaposter in Neuss, die die Box errichten lässt.
Die Baukammer Berlin schließt Schadensersatzforderungen nicht aus. Denn durch die Verschiebung sei die Bundesregierung wortbrüchig geworden.
B.Z., 09.06.2010
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