Was fehlt, ist die Identifikation mit dem Projekt

Was fehlt, ist die Identifikation mit dem Projekt

Im kommenden Jahr sollte mit dem Neu-Bau des Schlosses begonnen werden: Doch davon ist man weit entfernt – das Projekt wird durch Pannen und Unregelmäßigkeiten gebremst. Auf WELT ONLINE nennt einer der Preisträger, der Architekt Wilfried Kuehn, einige Gründe für das Malheur.

WELT ONLINE: Wie gefällt Ihnen die Wiese am Schlossplatz?

Wilfried Kuehn: Eine Leerstelle mit Aufenthaltsqualität.

WELT ONLINE: Was halten Sie davon, dass die Politik jetzt ein Moratorium verkündet und ohne Hektik dem Schlossplatz eine neue Chance auf eine städtebaulich und architektonisch anspruchsvolle Lösung eröffnet?

Wilfried Kuehn: Aus unserer Sicht sollte man alles tun, um Zeit zu gewinnen. Auch die museale Vorbereitung braucht, wenn sie die selbst gesteckten Ziele eines innovativen Ausstellungskonzepts wirklich erreichen will, noch sehr viel mehr Zeit, wie der so genannte Werkstattblick als Vorschau auf das Humboldt-Forum im Alten Museum gerade zeigt. Und die erfolglose temporäre Kunsthalle am Schlossplatz ist der traurige Beweis, dass dieser Ort überhaupt keine Garantie für publikumswirksame Nutzungen ist, wenn das institutionelle Gesamtkonzept nicht stimmt. Vor allem aber erfordert die Komplexität des Humboldt-Forums mit den hier verknüpften Fragen des Stadtraums, der Fassadenrekonstruktion und der zeitgenössischen Nutzung an dieser empfindlichen Stelle Berlins ein sorgfältiges Vorgehen und keinen Schnellschuss. Was auffällig fehlt, ist eine Positionierung der politischen Führung, eine aktive Identifikation zum Beispiel der Bundeskanzlerin und anderer Spitzenpolitiker mit dem Projekt. Und ebenso fällt auf, dass die Kunst- und Kulturschaffenden in Deutschland dem jetzigen Bauprojekt skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Nichts wäre schlimmer als ein monumentales Gebäude, das zwar schnell gebaut ist aber niemanden wirklich interessiert und begeistert.

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Die Welt, 12.09.2009