Vorerst keine Häuser vorm Roten Rathaus
Stadtpark oder Neubebauung nach historischem Vorbild – die Spannbreite der Möglichkeiten für das Areal zwischen Rotem Rathaus, Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderplatz und künftigem Humboldt-Forum ist extrem, die zu erwartende Debatte wohl heftig. Am Dienstag wurde im Senat immerhin ein Ablauf für die städtebaulichen Streitereien umrissen: Noch dieses Jahr Beginn der Diskussion mit öffentlichen Veranstaltungen, 2012 Gestaltungswettbewerb, Umgestaltung des Forums ab 2017. Diesen Fahrplan skizzierte Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung, in der Senatssitzung, in der sie in ihrer Verwaltung entwickelte Grundsätze für die Umgestaltung des Areals vorstellte. Besondere Eile sieht man für das Projekt nicht, verwiesen wurde auf die anstehenden U-Bahnarbeiten, die eine Neugestaltung bis auf weiteres ausschließen.
„Großstädtischer Park“ oder „intensiv genutzte urbane Räume“ – das zielt auf die neu entbrannte Diskussion darüber, wie historisch die „Historische Mitte“ denn nun wieder werden soll. Erhebliche Anleihen bei der Vergangenheit zeigt die Rekonstruktion des barocken Stadtschlosses, auch die Umgestaltung von Molkenmarkt und Klosterviertel, auf die sich SPD und Linke gerade geeinigt haben, lässt den alten Stadtgrundriss wiederaufleben. Beim Marx-Engel-Forum und der Fläche vor dem Roten Rathaus gehen die Meinungen aber auseinander. Schon Hans Stimann hatte sich als Senatsbaudirektor für eine Bebauung auf historischem Grundriss ausgesprochen, was Kulturstaatssekretär André Schmitz, unterstützt durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), unlängst ebenfalls vorschlug. In der Behörde Junge-Reyers hielt man dies für unzeitgemäß, verwies aufs „Planwerk Innenstadt“, wo das Areal als Grünfläche ausgewiesen sei.
(…)
Tagesspiegel, 06.07.2009
Deutsch
English
Francais
