Von Dresden lernen

Von Dresden lernen

Bei allem freudigen Mitgefühl für Dresden und die Fertigstellung der Frauenkirche, beschleicht einen Berliner, der seine Stadt im Bewußtsein all ihrer Höhen und Tiefen schätzt, ein bißchen Wehmut. Hätte Berlin doch ein wenig vom Bürgersinn der Dresdner hineingerettet in unsere Zeit. Der Stadt täte es wohl, hätte sie mehr engagierte Einwohner als distanzierte Bewohner. Sie würde mit ihrer historischen Mitte, in der einst alles begann, auf die architektonisch alles ausgerichtet war, nicht so interesselos umgehen und sie ruinös verkommen lassen. Diese Mitte war das Stadtschloss, das Walter Ulbricht für einen Aufmarschplatz sprengen ließ, obwohl im Krieg nur leidlich zerstört. Der Wiederaufbau der Hohenzollern-Residenz mit ihrer äußeren historischen Fassade, der aus Spendengeldern finanziert werden soll, und einer bürgeroffenen inneren Ausstattung ist zwar beschlossen, aber nicht etwa von der Stadt oder auf Drängen der Berliner, sondern erst durch einen hoheitlichen Akt des Deutschen Bundestages. Welch ein Armutszeugnis dafür, wie Berlin mit seiner Historie und seiner Stadtarchitektur noch immer umgeht. Es wäre schön, lernten die Berliner etwas mehr vom Bürgersinn der Dresdner…
Berliner Morgenpost, 30.10.2005