Volksbühne Mit Castorf aus der Krise

Volksbühne: „Mit Castorf aus der Krise“

Kulturstaatssekretär André Schmitz stärkt dem Intendanten den Rücken. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz plant bis 2013 mit Volksbühnen-Intendant Frank Castorf. Eine Beendigung des Vertrages im Sommer 2010 lehnt Schmitz ab. Außerdem räumt er ein, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Staatsoper und Deutscher Oper verfestigen wird. Mit Schmitz sprach Stefan Kirschner.

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Die Sanierung der Staatsoper stößt bei Denkmalschützern auf Kritik. Sind die Bedenken mittlerweile zerstreut?

Nein, aber wir halten an unseren Plänen fest. Wenn wir über 200 Millionen Euro Steuergelder in die Sanierung eines Baus investieren, dann muss der Zuschauer nachher auch etwas davon merken. Barenboims Forderung, dass die Akustik und die Sichtverhältnisse verbessert werden müssen, unterstütze ich voll und ganz. Um den Klang zu verbessern, wollen wir die Decke im Zuschauerraum anheben, damit künftig keine Nachhall-Verstärker mehr zum Einsatz kommen müssen. Und wenn wir die Proszeniumslogen etwas verschieben, haben wir bessere Sichtverhältnisse. Da ist ein Eingriff in die historische Substanz gerechtfertigt, denn schließlich stammt die wegen der Kriegszerstörungen aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts und nicht aus der Zeit des Barock.

Die Rekonstruktion von Gebäuden ist umstritten. Worin liegt die Herausforderung beim Humboldt-Forum, das in der Kubatur des alten Stadtschlosses und mit den barocken Fassaden errichtet werden soll?

Die große Aufgabe für die Architekten ist das Vermitteln zwischen Außenfassade und dem Inneren. Da dürfen keine Brüche entstehen. Im Inneren, beispielsweise bei den Etagenhöhen, wird man Rückgriffe auf die alte Architektur nehmen müssen.

Der Architekt David Chipperfield hat die Stadtschloss-Rekonstruktion kritisiert, obwohl er in der Wettbewerbsjury sitzt?

Wenn man von einem Bauherren in eine Jury berufen lässt, darf man hinterher nicht den Arbeitsauftrag kritisieren, wenn der von vornherein glasklar feststand. Dann soll Chipperfield konsequent sein und zurücktreten.
Berliner Morgenpost, 03.03.2008