Viele Fragen offen

Viele Fragen offen

Genauso wie das Modell auf dem Foto wird das Berliner Schloss wohl nicht aussehen, wenn es in einigen Jahren tatsächlich wieder aufgebaut sein sollte. Denn anders als für den kleinen Nachbau sind für den Bau im Originalformat noch viele Fragen offen. Unter anderem ist noch unsicher, ob die mächtige Kuppel über dem Haupteingang wieder errichtet wird.

Der maßstabsgetreue Nachbau der Hohenzollernresidenz befindet sich in den Räumen des Fördervereins Berliner Schloss, nur ein paar hundert Meter entfernt vom ehemaligen Standort des Gebäudes. Das Stadtmodell des historischen Zentrums mit Hohenzollernschloss, Dom, Lustgarten, Humboldt-Universität und Brandenburger Tor gehört zu den Attraktionen des Ausstellungsraumes, den der Förderverein seit einigen Jahren unterhält. Seit sicher ist, dass der ehemalige Sitz der Hohenzollern wieder aufgebaut wird, steigen die Besucherzahlen stetig an. In dem 400 Quadratmeter großen Ausstellungsraum sind auch einige Sandstein-Nachbildungen von Fassaden- und Schmuckelementen des 1950 gesprengten Gebäudes ausgestellt.

Der Förderverein sammelt Spenden, um die barocke Fassade für das Stadtschloss neu erstehen zu lassen. Allerdings wurden von den notwendigen 80 Mio. Euro erst 6,7 Mio. an Spenden eingenommen. Weitere 7,6 Mio. sind nach Angaben des Vereins fest zugesagt.

Vergangene Woche billigte das Bundeskabinett die Pläne für das Humboldt-Forum samt Rekonstruktion der barocken Fassaden und beseitigte damit die letzten Hürden für das jahrelang umstrittene Projekt. Das Konzept von Bundesbauminister Tiefensee (SPD) sieht unter anderem vor, auf dem Areal des einstigen Stadtschlosses die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen, die wissenschaftlichen Bestände der Humboldt-Uni sowie die Berliner Zentral- und Landesbibliothek unterzubringen.

Geplant ist, 2010 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Bereits drei Jahre später soll das riesige Gebäude dann fertig sein. Der Bund beteiligt sich an den Kosten für das Humboldt-Forums mit 368 Mio. Euro. Der Berliner Senat stellt das Grundstück zur Verfügung und steuert außerdem noch 32 Mio. Euro bei. Im Herbst soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Dabei geht es nicht nur um die Gestaltung des geplanten Museums. Auch die wechselhafte Geschichte des Gebäudes soll architektonisch sichtbar gemacht werden.
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2007