Vertrag mit Architekt Franco Stella wackelt
Der Bau des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz in Mitte hat noch nicht begonnen, da sorgen juristische Auseinandersetzungen um das größte deutsche Kulturbauvorhaben erneut für Ärger. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff reichte vor der Vergabekammer Bonn Beschwerde gegen die Beauftragung des Italieners Franco Stella ein.
Der Berliner Architekt Hans Kollhoff, der im Schlosswettbewerb den dritten Preis belegte, hat nach einer Ende Juli gescheiterten Rüge nun einen neuen Anlauf unternommen, die Auftragsvergabe an den Italiener Franco Stella, der aus dem Wettbewerb als Sieger hervorging, zu stoppen. Vor der Vergabekammer Bonn reichte Kollhoff Beschwerde gegen die Beauftragung Stellas ein.
Nach Ansicht Kollhoffs sei die Auftragsvergabe an den Italiener, der sich zur Unterstützung die deutschen Büros von Gerkan, Marg und Partner sowie Hilmer&Sattler gesucht hat, nicht transparent und damit nicht ordnungsgemäß verlaufen. Nach Informationen aus dem Bauministerium hat die mündliche Verhandlung vor der Kammer bereits am vergangenen Montag stattgefunden, eine Entscheidung wird in der kommenden Woche erwartet. Sollte die Vergabekammer der Auffassung Kollhoffs folgen, könnte das zu einer Auflösung des Vertrages mit Stella führen. Gegen die Entscheidung der Vergabekammer kann jedoch in jedem Fall noch Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt werden. „Ein dritter Preisträger versucht, mit formaljuristischen Argumenten Sand ins Getriebe zu streuen“, kommentierte der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Engelbert Lütke Daldrup, den Vorgang. Man sei zuversichtlich über den Ausgang des Verfahrens. Doch selbst wenn die Kammer zugunsten Kollhoffs entscheiden würde, könnten die Planungen mit Stella weitergehen. Im kommenden Jahr soll mit dem Bau des Humboldt-Forums begonnen werden.
Der Bau des Humboldt-Forums steht damit zumindest aus juristischer Sicht unter keinem guten Stern. Erst sah sich der Bauherr, das Bauministerium vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit einer Rüge konfrontiert, weil es die Angaben des Wettbewerbssiegers Franco Stellas zu Bürogröße und Umsatz nicht überprüft hatte. Mindestens drei Mitarbeiter oder ein Jahresumsatz von mindestens 300.000 Euro waren die Voraussetzung, um beim Wettbewerb teilnahmeberechtigt zu sein. Doch weil der Vertrag mit Stella bereits im Juni unterschrieben wurde, hatte das Bundesamt die Rüge Ende Juli abgewiesen.
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Berliner Morgenpost, 26.08.2009
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