Und täglich grüßt das Igelskelett

Und täglich grüßt das Igelskelett

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Seit Beginn des Jahres verhandeln die zukünftigen Nutzer des Gebäudes, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), die Humboldt-Universität und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, mit dem italienischen Architekten über die Anpassung seines Entwurfs an ihre Bedürfnisse. Gerade erst, heißt es, sei ein entscheidender Durchbruch erreicht worden, offenbar im wörtlichen Sinn, denn es geht um die Geschossordnung des Bauwerks. Die Preußenstiftung wünscht sich größere Räume für ihre Schaustücke aus der Südsee und für die Konzertsäle und Kunsthallen der sogenannten Agora, und so wird der westlich gelegene Eosanderhof wohl stärker zugebaut werden als von Stella geplant, während der östliche Abschluss des Gebäudes, das Belvedere, mit dem Baukörper verschmelzen und so seine ursprüngliche Bestimmung als Flanierzone verlieren soll.

Solche Nachbesserungen, deren Details erst im Oktober bekanntgegeben werden sollen, machen Stellas Konzept nicht kaputt, nehmen ihm aber einiges von seiner Originalität. Viel schlimmer wiegt dagegen die Panne, die dem Bundesbauminister im Zusammenhang mit der Wettbewerbsausschreibung im vergangenen Jahr unterlaufen ist. Offenbar kann Stella nur mit Mühe eine der zwei Bewerbungskriterien erfüllen – dreihunderttausend Euro Durchschnittsumsatz oder vier feste Mitarbeiter in den vergangenen Jahren -, ohne dass das Ministerium deren Einhaltung im Geringsten überprüft hätte (F.A.Z. vom 3. Juli). Stellas unterlegener Mitbewerber Hans Kollhoff hat inzwischen eine formale Rüge beim zuständigen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) eingereicht. Der Fall könnte im Lauf dieses Jahres noch die Gerichte beschäftigen.

Die Ausstellung im Alten Museum, mit der die drei am Schloss beteiligten Institutionen von morgen an ihre Vorstellungen vom Humboldt-Forum vor Augen führen wollen, findet also unter reichlich gemischten Vorzeichen statt. Vor allem trägt sie die Last all jener Begriffshülsen und Schlagworte, die in den vergangenen Jahren über das Projekt hereingebrochen sind und die sich jetzt in einen Sammelband ergossen haben, den Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zusammen mit dem früheren Berliner Kultursenator Thomas Flierl herausgegeben hat.

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FAZ, 08.07.2009