Umfrage Berliner wollen den Schlosswiederaufbau

Umfrage: Berliner wollen den Schlosswiederaufbau

Sechs von zehn Berlinern – also eine Mehrheit der Hauptstädter – finden es gut, dass in der Stadtmitte ein Neubau mit der historischen Fassade des 1950 gesprengten Berliner Schlosses entstehen soll. Das geht aus dem aktuellen Berlin-Trend von Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau hervor.

Auf dem Schloßplatz in Mitte kreischen die Trennschleifer und dröhnen die Presslufthämmer. Stück für Stück verschwindet der „Palast der Republik“. An die Stelle des einstigen DDR-Prunkbaus, so hat es der Deutsche Bundestag bereits am 4. Juli 2002 beschlossen, soll das Humboldt-Forum treten. Sechs von zehn Berlinern – also eine Mehrheit der Hauptstädter – finden es gut, dass in der Stadtmitte ein Neubau mit der historischen Fassade des 1950 gesprengten Berliner Schlosses entstehen soll. 39 Prozent lehnen diese Pläne ab oder sind prinzipiell gegen den Palast-Abriss. Das geht aus dem aktuellen Berlin-Trend von Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau hervor. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragte dafür vom 27. bis 29. April 1000 wahlberechtigte Berliner.

58 Prozent aller Befragten begrüßen demnach die Pläne für die Neugestaltung von Berlins historischer Mitte. 34 Prozent finden diese nicht gut. Fünf Prozent der Befragten vertreten die Auffassung, der „Palast der Republik“ hätte nicht abgerissen werden dürfen. Allerdings gibt es im Meinungsbild regional wie parteipolitisch gesehen große Unterschiede.

So wird im Westteil der Stadt die Errichtung des Humboldt-Forums von 64 Prozent – also fast zwei Dritteln der Befragten – begrüßt. Dagegen polarisieren die Baupläne im Berliner Osten: 49 Prozent der Befragten äußern sich dazu positiv, 40 Prozent dagegen lehnen den Schlossbau ab beziehungsweise bekennen sich als Gegner des Palastabrisses.

Besonders Anhänger der Linkspartei.PDS lehnen mehrheitlich (60 Prozent) den geplanten Wiederaufbau des Stadtschlosses in Mitte ab. Aber auch in den Reihen der Grünen überwiegen die negativen Stimmen (54 Prozent). Demgegenüber befürworten Anhänger der SPD mehrheitlich (60 Prozent) den Schloss-Wiederaufbau. Noch deutlicher fällt die Zustimmung für das Bauvorhaben in den Reihen der FDP (75 Prozent) und der CDU (79 Prozent) aus. Interessant ist, dass das Projekt vor allem von den jüngeren Berlinern begrüßt wird. Die Zustimmungsquote fällt in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen mit 63 Prozent am höchsten aus, am geringsten ist sie bei den 35- bis 44-Jährigen sowie über 60-Jährigen mit jeweils 55 Prozent.

Die Zusage Berlins, sich mit 32 Millionen Euro an den aktuell vom Bund kalkulierten Gesamtkosten für das Humboldt-Forum in Höhe von 480 Millionen Euro zu beteiligen, wird von 53 Prozent der Befragten begrüßt. 44 Prozent der Umfrage-Teilnehmer äußerten sich kritisch dazu. Während im Westteil der Stadt die Entscheidung zur Mitfinanzierung des Baus mit einer Zustimmungsquote von 56 Prozent mehrheitlich mitgetragen wird, sind im Berliner Osten die Kritiker mit 51 Prozent leicht in der Überzahl. Von den Anhängern der Linkspartei abgesehen, stößt die Beteiligung Berlins am Schloss-Wiederaufbau in den Reihen der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien mehrheitlich aber auf Zuspruch.

Nach dem vor zwei Wochen verkündeten Finanzkompromiss will der Bund fast 370 Millionen Euro für die Errichtung des Humboldt-Forums bereitstellen und den Berliner Anteil gar teilweise vorfinanzieren. Obwohl der Bund damit die Hauptlast für dieses bedeutsame Projekt trägt, bezeichnet fast jeder zweite Berliner (47 Prozent) die finanziellen Hilfen für die Bundeshauptstadt als insgesamt zu gering. Berlin erhält sowohl durch den Länderfinanzausgleich als auch im Rahmen des Solidarpaktes für Ostdeutschland oder des Hauptstadtvertrags vom Bund und den anderen Bundesländern erhebliche Finanzzuweisungen.

36 Prozent der Befragten sehen den Umfang der Unterstützung als angemessen an. Nur ganz wenige Berliner (drei Prozent) halten die Zahlungen an die Hauptstadt für zu hoch. Die Klagen über zu geringe Zuwendungen überwiegen bei Anhängern von SPD, Linkspartei und Grünen. In den Reihen von CDU und FDP schätzt eine knappe Mehrheit die Hilfen als angemessen ein. Unterschieden nach Altersgruppen hält nur ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen die Unterstützung durch Bund und die anderen Länder für unzureichend. Dagegen wünschen sich 60 Prozent der 35- bis 44-Jährigen und 53 Prozent der 45- bis 59-Jährigen mehr Finanzhilfen für die Bundes-Hauptstadt.

In Sachen Wiederaufbau des Berliner Schlosses hat der Bund der Hauptstadt Entgegenkommen gezeigt. Doch angesichts des gigantischen Schuldenberges von mehr als 60 Milliarden Euro werden von Berliner Seite immer neue Forderungen aufgemacht. So verhandelt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) über die Finanzierung hauptstadtbedingter Sicherheitsaufgaben. Der Bund schießt jährlich 38 Millionen Euro für Polizeieinsätze etwa bei Staatsbesuchen und zur Bewachung diplomatischer Vertretungen zu. Körting beziffert diese Kosten auf mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr.

Weitere Konfliktfelder sind die Sanierung der Staatsoper und der Finanzbedarf der gemeinsam vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg getragenen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Stand: Freitag, 4. Mai 2007, 19:37 Uhr
Berliner Morgenpost, RBB, 05.05.2007