Tiefensee will den Wiederaufbau bis 2013

Tiefensee will den Wiederaufbau bis 2013

Noch gleicht Berlins Schlossplatz einer Schrotthalde: Bagger und Kräne nagen sich langsam durch das Skelett der DDR-Volkskammer, Metallstreben liegen zwischen bröselnden Betonbrocken auf dem aufgerissenen Asphalt. Doch in die historische Mitte der Hauptstadt soll jetzt Schwung kommen. Schon bald könnte hier das neue Kultur- und Kommunikationszentrum entstehen. Geht es nach dem am Donnerstag vorgelegten Plan von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), wird das einstige Hohenzollernschloss als neu gebautes Humboldt-Forum bereits im Jahr 2013 öffnen.
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ange Zeit sah es so aus, als ob das Areal, auf dem das 1950 gesprengte Stadtschloss stand, auf Jahre ein kahler Flecken in Berlins Mitte bleiben würde. Nach dem Abriss des Palastes der Republik drohte eine Brache zu entstehen. Wegen der Ungewissheit über den Zeitplan hatten Privatinitiativen Vorschläge für eine Zwischennutzung präsentiert. Doch mit den Plänen, auf dem Gelände eine provisorische Kunsthalle oder eine grüne Wiese zu installieren, wird nun wohl nichts. Mit Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückt Tiefensee aufs Tempo. In diesem Jahr soll nun der Architektur- und Realisierungswettbewerb für das Forum stattfinden. Im Humboldt-Forum sollen zukünftig in der Tradition des Forschers Alexander von Humboldt (1769-1859) die außereuropäischen Schätze aus Berlins Museen sowie wissenschaftliche Sammlungen der Humboldt-Universität und die Landesbibliothek untergebracht werden. Das Gebäude mit der rekonstruierten historischen Fassade wird etwa das Volumen des einstigen Schlosses haben. 2008 soll die Ausführungsplanung starten, ein Baubeginn ist 2010 denkbar, heißt es in dem Ministeriumskonzept. Die Eröffnung könnte drei Jahre später erfolgen.

Nicht mehr 670 Millionen Euro wie zunächst veranschlagt, sondern 480 Millionen Euro soll nach dem Tiefensee-Plan der Wiederaufbau kosten. Auf eine private Mitnutzung wird ebenso verzichtet wie auf ein Hotel und auf kostenträchtige Tiefgaragen. In der abgespeckten Version ist auch nicht mehr von einem Dach über dem historischen Schlüterhof die Rede. Beim Geld zeigt sich der Bund großzügig. Ein Teil der auf 80 Millionen Euro veranschlagten Spendengelder, die der Schloss-Verein sammeln möchte, könnten notfalls vorgestreckt werden. Den Rest will ohnehin der Bund in der notorisch klammen Hauptstadt zahlen.

Mit dem neuen Konzept und einem baldigen Baubeginn wäre eine Zwischennutzung des Areals nicht mehr möglich. Dabei hatten sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und sein Kulturstaatssekretär André Schmitz begeistert über Pläne für eine provisorische Kunsthalle auf dem Schlossplatz geäußert. Das renommierte Architekturbüro Graft hat mit Hilfe der Kunstzeitschrift „Monopol“ und von 150 Unterstützern ein federleichtes „Wolken“- Gebäude als Schaufenster für junge Künstler entworfen. Auch der Wiener Architekt Adolf Krischanitz hat Pläne für ein Kunstpavillon vorgelegt.

Doch die Zwischennutzung hat Gegner. Allen voran wehrt sich der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann diesen Vorschlag. Der Initiator des Projekts will den Ort nicht temporär „der Beliebigkeit überlassen“ und auf dem Platz ausschließlich eine Info-Box dulden. Auch die Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus lehnen eine Interimslösung ab. Der Grünen-Abgeordnete Peter Hettlich ist außerdem skeptisch, was den Neubau angeht: „Das Projekt birgt ein enormes Kostenrisiko.“ Wie beim Abriss des Palastes der Republik oder beim Bau des Berliner Hauptbahnhofes gebe es keine Anstrengungen des Bauministeriums, die Kostenentwicklung zu begrenzen. Einen „Schildbürgerstreich“ nennt der Grüne die Pläne, wonach die Fassade zur Spree-Seite an den Palast der Republik erinnern soll und der Volkskammersaal, der gerade abgerissen wird, möglicherweise wieder entstehen soll.
Die Welt, 08.03.2007