Tiefensee Spenden fürs Stadtschloss

Tiefensee: Spenden fürs Stadtschloss

Bundesbauminister ruft Bürger zu finanzieller Unterstützung des Humboldt-Forums in Berlin auf / Hunderte Bewerbungen bei Architektenwettbewerb erwartet.

Ulrich Paul

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat die Bürger dazu aufgerufen, für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu spenden. Der Minister sagte im Gespräch mit der Berliner Zeitung, es sei sehr realistisch, dass der Förderverein Berliner Schloss Spenden in Höhe von 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der historischen Fassaden sammeln könne, wie er dies versprochen habe. „Natürlich rufe ich Deutschland und die Interessierten außerhalb Deutschlands auf, uns dabei zu unterstützen, mit namhaften Spenden dieses Ziel zu erreichen“, sagte Tiefensee.

Der Bau des Schlosses soll insgesamt 480 Millionen Euro kosten. Darin sind 80 Millionen Euro für die historischen Fassaden eingerechnet. Hinzu kommt ein Betrag von 72 Millionen Euro für die Ersteinrichtung des Gebäudes. Die Gesamtkosten belaufen sich damit auf 552 Millionen Euro. Der Bau des Schlosses soll im Jahr 2010 beginnen und 2013 abgeschlossen werden.

Der Förderverein Berliner Schloss hat nach Angaben von Vereinsgeschäftsführer Wilhelm von Boddien bislang 15,34 Millionen Euro an Spenden und zugesagten Geldern verbucht. Auch von Boddien sagte gestern, er gehe davon aus, dass die 80 Millionen Euro aus Spenden aufzubringen seien. Die Schenkung von 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses durch den Gründer des Softwarehauses SAP Hasso Plattner zeige, dass es Menschen gebe, die bereit seien, für eine originalgetreue Rekonstruktion einen hohen Geldbetrag zu zahlen.

Tiefensee sagte, es sei sicherlich möglich, den Aufbau des Berliner Schlosses mit Hilfe einer Lotterie und der Prägung einer Sondermünze mitzufinanzieren, wie es der Bundestag angeregt hat. „Aber das muss noch geprüft werden.“ Bei anderen Bauprojekten wie der Dresdner Frauenkirche sei dies jedoch gut gelungen, so der Minister.

Beim vor Kurzem gestarteten Bewerbungsverfahren für den internationalen Architektenwettbewerb erwartet Tiefensee starkes Interesse. Er gehe davon aus, „dass es mindestens eine große dreistellige Zahl an Bewerbern“ gibt, sagte er. Rund 150 Architekten sollen bei dem Bewerbungsverfahren ausgewählt werden und Vorschläge zur Gestaltung des Schlosses einreichen. Im November wird aus einem Kreis von verbleibenden 30 bis 40 Architekten der Siegerentwurf ausgewählt werden. Entwürfe, die sich nicht an die Vorgaben des Bundestags zur Rekonstruktion der historischen Fassaden halten, können nach Angaben des Ministers nicht berücksichtigt werden. Tiefensee sagte, er würde die Überreste der Schlosskeller gerne erhalten, soweit es die historisch bedeutsamen Teile betrifft. Vielleicht gebe es dafür Vorschläge, die zu realisieren sind.

Der britische Architekt David Chipperfield, der Mitglied der Wettbewerbsjury ist, habe seine Kritik an der geforderten Rekonstruktion „gerade gerückt und relativiert“, sagte Tiefensee. „Er ist sehr froh, auf der Grundlage des Auslobungstextes in der Jury mitarbeiten zu können und dieses ehrgeizige Projekt zu befördern“. Chipperfield hatte im Dezember die Festlegung des Bundestags bemängelt und für eine moderne Architektur geworben.

Tiefensee verteidigte den Beschluss des Bundestags zum Abriss des Palastes der Republik. „Das war ein Bauwerk, für das es kaum eine wirtschaftliche Nutzung gab und das – wie wir wissen – fast bis auf den letzten Quadratzentimeter asbestverseucht war. Es war ein Bauwerk, das nicht überleben konnte.“
Berliner Zeitung, 17.01.2008