Thierse kündigt Initiative für das Humboldt-Forum an
Der Termin stand zwar schon länger fest, aber aktueller hätte er nicht sein können: Am Montag beschloss die Bundesregierung auf ihrer Sparklausur, den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu verschieben.
Zwei Tage danach kommt mit Hermann Parzinger gewissermaßen der Hauptbetroffene im Kulturausschuss des Bundestages zu Wort. Parzinger ist Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die den größten Teil der Flächen des künftigen Humboldt-Forums, das sich hinter der Fassade des Stadtschlosses verbirgt, bespielen soll.
Parzingers Werbung für das auf der Kippe stehende kulturpolitische Jahrhundertprojekt fiel auf fruchtbaren Boden. Wolfgang Thierse (SPD), Vizepräsident des Deutschen Bundestages, kündigte indirekt eine parlamentarische Initiative an. Thierse betonte, dass man die „problematische Entscheidung der Bundesregierung korrigieren sollte“. Die Ausschussvorsitzende Monika Grütters (CDU) sagte, dass „der Baustopp eine Sache des Bundestages ist“. Und Wolfgang Börnsen, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, kündigte an: „Die Kulturpolitiker von Union und FDP werden mit dafür sorgen, dass es noch in dieser Legislaturperiode zur Realisierung des Stadtschlosses kommt.“
Aus Sicht der Bundesregierung soll die Verschiebung des Projektes Geld sparen. Also versuchte Thierse sozusagen haushalterische Gegenargumente zu sammeln. Denn wenn das Humboldt-Forum erst deutlich später realisiert wird (Parzinger rechnet eher mit 2022 als 2020) oder gar nicht, muss der Dahlemer Museumskomplex saniert werden. In den Standort wurde wegen des geplanten Umzugs der Sammlungen auf den Schloßplatz jahrelang kaum investiert. Würde das Humboldt-Forum gestrichen, seien in Dahlem rund 200 Millionen Euro Sanierungskosten fällig, betonte Parzinger.
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Berliner Morgenpost, 10.06.2010
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