Theater, Musik und Malerei im Schloss
Das Berliner Stadtschloss wird wieder aufgebaut. Über die Finanzierung wurde ein Kompromiss zwischen Bund und Land erzielt und selbst die Linkspartei.PDS, einst schärfste Gegnerin des Projektes, begrüßt die „Klärung entscheidender Fragen zur Zukunft der Mitte Berlins“, wie der Landesvorsitzende Klaus Lederer es formuliert. Was in der wieder gewonnenen Mitte künftig stattfinden soll, darüber muss nun jedoch erneut nachgedacht werden. Denn Berlin darf lediglich 5000 der 50 000 Quadratmeter im Humboldt-Forum nutzen – und nicht, wie ursprünglich geplant – 12 000 Quadratmeter.
Hauptnutzer auf rund 90 Prozent der Schlossfläche wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sein. Sie wird ihre völkerkundlichen und außereuropäischen Sammlungen von Dahlem nach Mitte verlagern und damit maßgeblich die weitere Nutzung beeinflussen: „Auf dem Schoßplatz wird aber kein Museum entstehen, sondern ein urbaner Weltort für Kunst und Kultur“, so der Präsident der Stiftung, Klaus-Dieter Lehmann.
Ein zentraler Platz für die ganze Welt
Zeitgenössische Literatur, Theater, Musik und Malerei außereuropäischer Länder sollen im Humboldt-Forum ein Forum finden: „Es gibt keine andere Metropole auf der Welt, die der Welt einen derart zentralen Platz zur Verfügung stellen kann“, sagt Lehmann.
Wer außer der Stiftung noch mit in das Humboldt-Forum einzieht, ist seit Dienstag jedoch wieder völlig offen. Denn den beiden landeseigenen Institutionen Humboldt-Universität und Landes- und Zentralbibliothek (LZB) werden die 5000 Quadratmeter, die sich Berlin für seinen Beitrag von 32 Millionen zu den Gesamtbaukosten (480 Millionen Euro) leisten kann, nicht reichen.
Claudia Lux, Generaldirektorin der LZB, gibt sich selbstbewusst: „Wir sind doch der einzige Bereich, der ständig belebt ist“, sagt sie. Davon, die verbliebenen 5000 Quadratmeter mit der Universität zu teilen, hält sie nichts: „Das macht keinen Sinn.“
Die Humboldt-Universität (HU), wollte im Schloss ihre wissenschaftlichen Sammlungen, die bislang nicht öffentlich zugänglich sind, zeigen: „Ohne unsere Beteiligung wäre das Humboldt-Forum in seiner Konstruktion beschädigt und viel zu museal“, fürchtet Jochen Brüning, Direktor des Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik der HU. In den kommenden drei Monaten, so hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) angekündigt, werde das Land darüber entscheiden.
Ganz ohne eigenen Platzanspruch ist indes einer der wichtigsten Akteure, der maßgeblich dafür gesorgt hat, das der seit 17 Jahren diskutierte Nachfolgebau des Berliner Stadtschlosses nun tatsächlich gebaut wird: „Wir brauchen keinen Platz im Schloss“, sagt Wilhelm von Boddin, der mit seinem Förderverein Berliner Schloss e. V. 80 Millionen Euro beisteuern will. „In dem Moment, in dem das Schloss fertig dasteht, endet unsere Arbeit“, sagt er. Nur die Spender sollten im Gebäude geehrt werden: „Vielleicht mit einem Wandgemälde.“
Suche nach Originalteilen
Für Boddin steht nun die gewaltige Aufgabe im Vordergrund, eine genaue Rekonstruktion der historischen Schlossfassade, die seit dem Jahr 1698 in mehreren Epochen errichtet wurde, zu gewährleisten. Dafür lässt er derzeit auch auf dem Areal eines ehemaligen Tiefbaulagers im Norden Berlins nach alten Fassadenelementen graben.
Eine erste Grabung im vergangenen Jahr hatte indes nur Kleinteile zu Tage gefördert: „Wir haben schon weit mehr als 100 000 Euro in die Grabungen gesteckt“, sagt Boddin. Sollte bis Ende des Monats nichts gefunden werden, werde er einen Schlussstrich unter die Bemühungen ziehen, noch Originalteile zu finden: „Mehr können wir den Spendern nicht zumuten.“
Nun sind also die Steinmetze gefordert, die insgesamt 200 mal 100 Meter messende Fassadenfläche nachzubauen: „Zum Glück gibt es ja eine umfassende Foto-Dokumentation, auf die wir zurückgreifen können.“
Berliner Morgenpost, 25.04.2007
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