Streit ums Stadtschloss: Der nach den Sternen griff

Streit ums Stadtschloss: Der nach den Sternen griff

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Zwei Wochen nachdem die ersten Vorwürfe gegen den Architekten in der zitty (14/09) und dem Kunstmagazin „Art“ veröffentlicht wurden, herrscht damit noch immer keine Klarheit. Wie berichtet, gibt es Zweifel an der Richtigkeit der Angaben, die Stella im letzten Jahr gegenüber dem für den Schloss-Wettbewerb zuständigen Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) gemacht hatte. Um am Wettbewerb teilzunehmen, wären zwischen 2004 und 2006 entweder ein durchschnittlicher Jahresumsatz von 300.000 Euro oder die Mindestanzahl von drei fest angestellten Architekten im Büro nötig gewesen. Obwohl der Architekt im fraglichen Zeitraum kaum nennenswerte Projekte realisierte, schloss das Bauministerium  am 18. Juni mit Stella einen Vertrag – ohne dessen Umsatz und Bürogröße überhaupt je geprüft zu haben. Dass sich das Tiefensee-Ministerium gerade bei einem Repräsentativ-Projekt wie dem Schlossneubau mit einem Volumen zwischen 500 bis 700 Millionen Euro gutgläubig auf jegliche Prüfung ihrers Vertragspartners verzichtet, ist der eigentliche Skandal in der Affäre.
Unterdessen sorgt der Versuch des Bauministeriums, die Sache mit Verweis auf den bereits geschlossenen Vertag einfach auszusitzen, unter den übrigen ehemaligen Konkurrenten im Wettbewerb für einige Empörung. So kritisierte etwa der Berliner Architekt Jan Kleihues, dessen Entwurf seinerzeit einen der vier dritten Plätze gewann, den mangelnden Aufklärungswillen des Bundes: „Ich glaube, man hatte gar kein Interesse das zu überprüfen. Man war froh, dass man mit Franco Stella jemanden hat, der nirgendwo aneckt.“ Auch sein Kollege Hans Kollhoff wünscht sich schnellstmöglich Aufklärung über die Teilnahmeberechtigung des Wettbewerbssiegers: „Das verlangt die Fairness gegenüber allen Wettbewerbsteilnehmern!“ Deshalb hat der Architekt, der einen der dritten Preise erhielt, im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens eine Rüge an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gerichtet. 

Zitty Berlin, 14.07.2009