Stellas Schloss: Ein millionenschwerer Scheinvertrag

Stellas Schloss: Ein millionenschwerer Scheinvertrag

(…)

„Ich bin nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen tätig“, sagte Stella bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag in Mitte auf die Frage, welche Funktion er bei der Realisierung des Schlosses ausübe. Er habe ein Büro in Berlin, obwohl er „nicht den größten“ Teil der Arbeit übernehme – „ich bin aber einziger Auftragnehmer des Bauherrn.“ Und die beiden Architekturfabriken an seiner Seite, Gerkan Marg und Partner (gmp) sowie Hilmer, Sattler und Albrecht (HSA)? Das seien „Subunternehmer“, so Stella.

(…)

Deutliche Worte sind das. Zumal die Vergabekammer außerdem noch „massive Zweifel an der Fähigkeit dieses Teams, (Stella, gmp, HSA; Anm. d. Red.) auch wirklich zusammenzuarbeiten“ äußert. Das liegt daran, dass die ungleichen Partner ausweislich ihrer Korrespondenz schon jetzt oft aneinandergeraten sein sollen. Gmp und HSA machten oft gemeinsame Sache – Stella hatte das Nachsehen. Nicht einmal seine Vorstellungen für die Fassadenrekonstruktion, für die er von der Jury ausgewählt worden war, habe er gegen die beiden Großbüros durchsetzen können, berichtet die Kammer. Diese und andere „erhebliche Meinungsverschiedenheiten stellen die Leistungsfähigkeit des Teams infrage“.

Dass es sich dabei um Ränkespiele von drei großen Egos handeln könnte, ist nach dem Kartellamt-Beschluss eher auszuschließen: Vielmehr muss Franco Stella selbst die Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit genährt haben. Fast ein halbes Jahr habe er den Bund zappeln lassen und wiederholte dringliche Anfragen nach Zuständigkeiten und verantwortlichen Architekten und Ingenieuren, die er zur Steuerung und Realisierung des Großprojektes einspannen muss, nicht beantwortet. Stellas deutsche „Kontaktarchitekten“ hätten sogar ein Gespräch mit dem Bund abgesagt mit der Begründung, man habe Besseres zu tun: Man arbeite an einem Entwurf für einen Wettbewerb.

Am Ende muss der Geduldsfaden gerissen sein, Stella wurde entmachtet, die Projektleitung ging an HSA und „sämtliche als Verantwortliche für die Erbringungen der vertraglichen Leistungen benannten Personen gehören gmp und HSA“ an. Stella widersprach gestern: Er habe die „architektonische Federführung“. Aber das Kartellamt bleibt dabei: „Dies ist nicht erkennbar und nicht vertraglich abgesichert.“ Er habe „wenig Möglichkeiten, sich in der Projektgemeinschaft durchzusetzen“. Dass der Bund trotzdem den Vertrag mit Stella unterschrieb, sei „unverständlich“ und ein „Vergaberechtsfehler“, schreibt die Kammer.

 
(…)
 
Tagesspiegel, 16.09.2009