Stella hält Schlosskuppel für möglich

Stella hält Schlosskuppel für möglich

Ein Interview der Berliner Morgenpost mit Franco Stella:

WELT ONLINE: Herr Stella, der Entwurf für den geplanten Wiederaufbau des Berliner Schlosses wurde stark verändert. Ist die Identität des Projektes geblieben? Empfinden Sie den Entwurf noch als Ihr Projekt oder nicht?

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Franco Stella: Zunächst sage ich, dass sich im aktuellen Planungsstand an dem äußeren Erscheinungsbild des Gebäudes im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf sehr wenig geändert hat. Wichtige Änderungen hat es aber in den Innenräumen gegeben: zum Beispiel in der Architektur der Agora oder in der Organisation und den Beziehungen der verschiedenen geplanten Nutzungen. Als Architekt erkenne ich mich vollständig auch in den neuen gestalterischen Lösungen wieder, die besser den verschiedenen Ansprüchen des Bauherrn und der Nutzer entsprechen, mit denen in einem sehr konstruktiven Dialog die Planung weiter ausgearbeitet wurde.

Es gibt keinen Widerspruch zwischen den architektonischen Figuren von gestern und denen von heute – wenn man wie ich denkt, dass die Form zwar nicht unabhängig von der Funktion, jedoch keine automatische Ableitung von dieser ist. Zum Beispiel erinnert der neue weiträumigere Lichthof an ein antikes Theater, das von Loggien umgeben ist und im Triumphbogen des rekonstruierten Portals eine feste Bühne findet: Sie erinnert an die frons scenae eines römischen Theaters. Die neue Agora drückt mit Klarheit die Begründung seiner Form aus: die Idee eines bewohnten Ortes für viele Menschen und verschiedene Veranstaltungen, wie theatralische Vorstellungen, Feste, Bankette und so weiter.

WELT ONLINE: Bedauern Sie einige Änderungen? So soll zum Beispiel die Kuppel jetzt nur angedeutet werden, als Gerippe erscheinen. Auch das Belvedere soll eine andere Gestalt erhalten.

Stella: Der aktuelle Gestaltungsentwurf verhindert nicht die Rekonstruktion der historischen Kuppel, sondern er könnte auch ein erster Schritt in diese Richtung sein. Um die vorgegebene Kostenobergrenze einhalten zu können, wird durch das Stahlskelett das Volumen der ursprünglichen Kuppel, das eine verbindliche Vorgabe des Wettbewerbs war, wieder hergestellt. Es könnte auch eine provisorische Lösung sein, die vielleicht auch schon vor der Realisierung überholt ist. Wenn weitere öffentliche Finanzierungen oder private Spenden eingehen, dann könnte man sogar die historische Kuppel von Stüler nachbauen. Das Belvedere wurde in der Überarbeitung baulich und funktional stärker mit den anderen Baukörpern verbunden, aber es gibt keine von Außen sichtbare Änderung im Dialog zwischen neuen und rekonstruierten Bauteilen.

WELT ONLINE: Was wird aus dem, was unter dem ehemaligen Schloss gefunden wird? Werden die alten Keller erhalten und in das endgültige Bauprojekt mit einbezogen?

Stella: Mit Bezug auf die Bestandsfunde sowie auch auf die Planungsvorschläge variieren die Art und Weise der Erhaltung und der Einbeziehung der verschiedenen Ruinen des Schlosskellers. Im nördlichen und nordwestlichen Flügel sind die Möglichkeiten der Erhaltung durch den Bau der neuen U-Bahn-Linie beeinträchtigt. Bis zum Abschluss der Grabungsarbeiten im Bereich des südlichen Flügels bestehen die besten Möglichkeiten der Aufwertung und der öffentlichen Zugänglichkeit der Schlossreste im südwestlichen Flügel.

(…)

Berliner Morgenpost, 31.10.2009