Statt des Königs zieht das Volk ein
An Stelle des Palastes der Republik wird für 480 Mio. Euro ein Nachkomme des Berliner Stadtschlosses entstehen. Da es heute bekanntermaßen in Deutschland keinen König mehr gibt, musste man gründlich überlegen, womit die 50.000 Quadratmeter denn überhaupt gefüllt werden sollen.
Vor wenigen Tagen hat das Bundeskabinett den Finanzplan für das Humboldt-Forum genehmigt, das in die Hülle des preußischen Palastes einziehen soll. Und siehe da, es brach eine große Schwärmerei aus unter den verantwortlichen Herren. Von einem künftigen „Schaufenster des Weltwissens“ sprach Kultur-Staatsminister Bernd Neumann, ein „einzigartiges Universum der Künste und Weltkulturen“ sah Bauminister Wolfgang Tiefensee.
Aber was wird denn für den Berliner und die vielen Touristen in sechs Jahren dort zu sehen sein? Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst, beides Häuser von Weltrang, werden einziehen. Die Humboldt-Universität will Wissenschafts- und Forschungsgeschichte zeigen. Die Zentral- und Landesbibliothek schließlich will ebenfalls ihre attraktivsten Schätze ausgraben. Klingt alles auf Anhieb nicht nach einem Höhepunkt für die Generation Playstation, hängt aber wohl auch ein wenig von der Art der Präsentation ab.
Besser als im Moment, so urteilen die Touristen, wird das Ergebnis in jedem Falle sein. Denn vom ehemaligen Palast der Republik ragen nur noch die Stahlträger gen Himmel.
Weser Kurier, 12.07.2007
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