Stadtschloss: Vertrag mit Franco Stella ist ungültig

Stadtschloss: Vertrag mit Franco Stella ist ungültig

Die Vergabekammer des Bundeskartellamts habe den Vertrag für ungültig erklärt, teilte das Bauministerium am Freitag mit. Sie fordert gleichzeitig die Wiederholung des Vergabeverfahrens „ab Zeitpunkt der Preisgerichtsentscheidung“. Das Bundesbauministerium kündigte umgehend an, beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einzulegen. Die Verfahrensstreitigkeiten mit dem im Wettbewerb unterlegenen Architekten Hans Kollhoff werden laut Ministerium „den Bau des Humboldtforums nicht verzögern“. Bis zur Entscheidung des OLG Düsseldorf werde die Bundesbauverwaltung gemeinsam mit Stella weiter die Planung für das Humboldt-Forum vorantreiben, damit pünktlich mit dem Bau begonnen werden könne, erklärte das Ministerium.

Wie berichtet, hatte Architekt Hans Kollhoff, der beim Schloss-Wettbewerb auf den dritten Platz kam, bei der Vergabekammer des Bundeskartellamts in Bonn eine Überprüfung des im Juni abgeschlossenen Vertrags mit Franco Stella angestrengt. Hintergrund ist die Tatsache, dass der bislang weitgehend unbekannte Architekt Stella für die Realisierung seines 552-Millionen-Euro-Auftrags die namhaften Büros von Gerkan Marg und Partner sowie Hilmer & Sattler hinzugezogen hat. Das könnte EU-Richtlinien widersprechen.

„Niemand redet mehr über Hochtief, wenn das Humboldt-Forum steht“

Stella betonte nochmals ausdrücklich die „architektonische Federführung“ seines Büros. Sein Anwalt erläuterte, dass die beiden zusätzlichen Architekturbüros „nicht seitens des Auftraggebers beigestellt“ worden seien, also nicht seitens des Bundesbauministeriums. Dazu sagte der langjährige Senatsbaudirektor Hans Stimmann: „Es schadet der gesamten Architekturbranche, wenn ein Architekt, der einen anständig durchgeführten Wettbewerb mit klarer Mehrheit gewonnen hat, hinterher von Kollegen mit Prozessen überzogen wird.“ Beide Seiten können gegen die Entscheidung des Kartellamts Beschwerde einlegen.

„Niemand redet über Stellas Entwurf, alle reden über das Vergabeverfahren. Das schadet der Stadt Berlin und dem Land“, sagte Stimmann dem Tagesspiegel. „Statt uns mit der Ausgestaltung des Entwurfs und mit den Inhalten des Humboldt-Forums zu beschäftigen – also etwa mit der Frage, wie die Präsentation der außereuropäischen Sammlungen eine ganz neue Sicht auf die Quellen auch unserer Kultur ermöglicht –, wird über Formalien gestritten. Dabei redet kein Mensch mehr über Hochtief, wenn das Humboldt-Forum im Schloss eines Tages eröffnet wird.“

Tagesspiegel, 11.09.2009