Stadtschloss Koalition droht Ärger

Stadtschloss: Koalition droht Ärger

Die Rekonstruktion des Stadtschlosses war in der rot-roten Koalition immer umstritten. In der heutigen Senatssitzung könnte es deswegen Zoff geben. Darauf deutet die Auseinandersetzung in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses hin, in der Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ankündigte, dass die Landesregierung heute über künftige Nutzung des Berliner Anteils des Humboldt-Forums einen Beschluss fällen wird. Wowereit schlägt vor, dass von den 5000 Quadratmetern künftig 4000 Quadratmeter für die Zentral- und Landesbibliothek und lediglich 1000 Quadratmeter für die Humboldt-Universität zur Verfügung stehen sollen.

Der Koalitionspartner aber war am Wochenende mit einem anderen Konzept vorgeprescht. Ex-PDS-Kultursenator Thomas Flierl will deutlich mehr Platz für die Bibliothek und bei der Gelegenheit gleich noch die geplante Barockfassade beerdigen (wir berichteten gestern). Flierl erinnerte an den „frevelhaften Abriss des Palastes der Republik“. Er hoffe, dass der Senat eine Entscheidung vertage und kritisierte Wowereits „gefährliche Basta-Politik“.

Wowereit ließ keinen Zweifel daran, dass der Senat heute eine Entscheidung fällen wird, weil sonst der Zeitplan nicht zu halten sei. 2010 sollen die Arbeiten für die Rekonstruktion des Stadtschlosses beginnen. Von den auf 420 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten für das Humboldt-Forum trägt Berlin 32 Millionen Euro und bringt ein Grundstück ein, das verrechnet wird. Für diesen Beitrag bekommt Berlin rund 10 Prozent der Fläche zur Verfügung gestellt.

Wowereit schloss angesichts der Berliner Verschuldung einen höheren Beitrag des Landes für das Humboldt-Forum aus. Und erntete für sein Stadtschloss-Engagement ein Lob: nicht vom Koalitionspartner, sondern von der oppositionellen CDU.
Berliner Morgenpost, 26.06.2007